So machten wir uns auf, ein neues Land zu erkunden. Mit seinen 385.207 qkm ist Norwegen zu groß, um es in 22 Tage auch nur annähernd zu erforschen. Daher haben wir uns auf den Südwesten des Landes konzentriert. Unser Gefährte für diese Zeit ist ein gemieteter Ford Nugget.

Tag 1 – 3: Paderborn – Hamburg – Hirthals
Wir haben unser Zuhause auf vier Rädern in Paderborn abgeholt und sind damit nach Hamburg gedüst, um an den Cyclassics teilnehmen zu können. Am nächsten Tag sind wir dann nach Hirthals (Dänemark) gefahren. Über Park4Night haben wir uns einen Schlafplatz in der Nähe des Strandes zwischen Tversted und Skiveren rausgesucht. Dieser hat sogar saubere Toiletten, die durchgehend geöffnet sind.

Tag 3 – 5: Hirthals – Bergen (Bryggen) – Søre Lamholmen
Nach einer ruhigen Nacht haben wir den Tag entspannt am Strand verbracht. Der Strand war so weit das Auge sehen konnte und den ganzen Tag kamen vielleicht fünf Personen vorbei. Ein Traum. Gegen Nachmittag fuhren wir auf die Fähre. Um Geld zu sparen, haben wir uns entschieden, im Ruheraum zu nächtigen. Für eine Nacht konnten wir das gut aushalten. Für länger hätten wir allerdings ein Zimmer genommen. Die Sitze waren so unbequem, dass fast alle „Mitschläfer“ am Morgen auf dem Boden lagen. Das Frühstück und Abendessen war sehr lecker. Langeweile gab es auch nicht. Entweder Sportsbar, Live-Musik in der Cocktailbar oder an Deck die Sterne beobachten. Nach dem Frühstück sind wir direkt raus. Wir wollten den ersten Eindruck von Norwegen nicht verpassen. Zum Glück, denn wer zum ersten Mal sieht, wie die felsig, grüne Küste das blaue Meer küsst, erkennt die Schönheit Norwegens. In Bryggen angekommen, haben wir uns die Holzhäuser am Hafen angesehen und die Aussicht genossen. Einen Schlafplatz fanden wir dann in Søre Lamholmen, einer kleinen Insel, einer wunderschönen Inselkette.



Tag 5 -7: Søre Lomholmen – Vadheim – Storebru
Wir haben uns entschieden, weiter entlang der zerklüfteten Küsten Richtung Norden zu fahren. Da nicht überall Brücken gebaut wurden, gibt es zwischendurch immer wieder Fähren, um die Fjorde zu überqueren. Um entspannter unterwegs zu sein, haben wir uns zuvor auf der Plattform Epass24 angemeldet und unser Kennzeichen des Mietwagens hinterlegt. So können wir entspannt auf allen Fähren und Mautstraßen in Norwegen fahren und die Gebühren werden automatisch abgebucht. Eine Fährfahrt kostet zwischen 9 – 11 Euro (105 – 128 NOK). Nach einem kurzen Halt in Vadheim und einen cremigen Kaffee im Madelena Kafe haben wir uns einen Schlafplatz für die Nacht gesucht und fanden einen wunderschönen Platz direkt am Storelva-Fluss (Storebru) auf dem Endestad Campingplatz. Weil es uns so gut gefallen hat, blieben wir zwei Nächte und haben zwei lustige Regenwanderungen durch die Hochmoore gemacht.



Tag 7 – 9: Storebru – Nordjordhjort – Alesund
Da der Regen auch die nächsten Tage anhielt, haben wir uns entschieden nach Alesund weiterzuziehen. Der Ort liegt direkt am Eingang des bekannten Geirangerfjord. Da der Weg dorthin recht weit ist, haben wir auf dem Weg noch eine Nacht an einem See verbracht. In Alesund haben wir es uns auf einem Wohnmobil-Parkplatz direkt am Hafen mit Toiletten und Duschen bequem gemacht, waren im Atlantikpark und sind auf den Fjellstua gewandert.


Tag 9 – 11: Alesund – Stordal – Alnesreset View Point
Auch wenn wir auf jeder Reise versuchen so wenig wie möglich zu erwarten oder zu planen, so gab es doch auch diesmal Orte und Sehenswürdigkeiten die wir unbedingt sehen wollten. Nachdem wir noch eine Nacht in Stordal am Hafen verbracht haben, das Wetter besser wurde, hielt uns auf dem Weg zum Trollstiegen die unglaubliche Aussicht am Alnesreset View Point gebannt fest und so blieben wir einfach eine Nacht hier. Am Abend haben noch einen Berg über einen recht schwierigen Wanderweg erklommen. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Die Aussicht in der untergehenden roten Sonne zauberte uns ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.


Tag 11 – 13: Alnesreset View Point – Trollstiegen – Andalsnes
Der Trollstiegen ist definitiv ein Hingucker, dadurch leider auch sehr überlaufen. Fast minütlich kam ein Bus mit Touristen an, da geht die Ruhe Norwegens schnell verloren. Später haben wir eine schmale, alte Poststraße gefunden und befahren, diese war für uns deutlich schöner und wieder menschenleer. Unser nächstes Ziel war der Klettersteig „Via Ferrara Romsdalsstigen (Introwall)“. So blieben wir auf dem Andalsnes Campingplatz. Der Steig ist kostenlos, also packten wir unser Klettersteigset und machten uns auf. Der Stieg ist Genuss pur. Es gibt die eine oder andere kribbelige Stelle, ist aber auch für Anfänger ohne Höhenangst machbar. Nach ca. 2,5 h hatten wir den Gipfel erreicht und sind entspannt abgewandert.



Tag 13 – 15: Andalsnes – Møllsbygda – Videfossen
Über den Trollstigen ging es wieder zurück zu unserem nächstem Ziel. Der Weg sollte uns entlang des Geiranger über den Ornesvingen Viewpoint zum Videfossen führen. Hier haben wir noch die ein oder andere Straße befahren, die dem Trollstigen in nichts nachsteht. Am Videfossen haben wir auf der Gamle Strynefjellsveg am Wegrand geschlafen. Gut erholt sind wir am Teltplass pà Strynefjellsvegen gewandert. Die Vegetation in Norwegen ist so vielfältig, dass wir auch nach zwei Wochen noch überrascht werden konnten. Die Felder von Alpenwollgras haben uns fasziniert und die weite Ebene geschmückt.


Tag 15 – 17: Videfossen – Loen – Kjenndal
Angefixt von dem letzten Klettersteig haben wir uns direkt noch einen in Loen rausgesucht. Die „Via Ferrata Loen“. Doppelt so lang, hoch und aufregend. Hier mussten wir einen Slot bei der örtlichen Touristeninfo buchen. Wir haben für den Steig und die Abfahrt insgesamt 410 NOK bezahlt, also ca. 35 EUR. Dafür haben wir uns einen langen Abstieg und eine Busfahrt zurück gespart. Die sechs Stunden schweißtreibende Spannung haben sich gelohnt. Bei jedem Schritt am und auf dem Felsen wurden wir von herrlichstem Wetter und atemberaubender Aussicht begleitet. Ein Teil der Route führte uns über eine schmale Hängebrücke (längste Klettersteigbrücke Europas), die ich (Jana) noch tapfer mitgemacht habe. Für ganz mutige gab es noch eine weitere Herausforderung in Form eines gespannten Stahlseils über einer Schlucht. Das durfte Christian dann doch lieber allein machen. Ich bin herumgelaufen und habe von oben voller Spannung zugesehen. An unserem Schlafplatz, ein Parkplatz mit Toilette am Loelva haben wir dann noch eine Wanderung zum Kjenndal Gletscher gemacht.



Tag 17 – 19: Kjenndal – Jotunheim – Oslo
Jotunheim das höchste Gebirge Norwegens mit seinen Eisriesen hat uns in seinen Bann gezogen. Wir kramten Wintermütze und Schal wieder raus und haben uns in der Nähe der Berghütte Leirvassbu einen Schlafplatz gesucht um die Gegend zu bewandern. Hierfür haben wir die App Bergfex genutzt. Die Wegmarkierungen in Norwegen bestehen teilweise nur aus Steinmännchen. Abends haben wir uns in der Berghütte ein leckeres 3-Gänge-Menü gegönnt. Von dort fuhren wir mit einen Stopp bei Sundvollen nach Oslo. Sundvollen hat uns überrascht. Denn der Parkplatz befand sich direkt am Projekt Hardraade, wo einige kühne Norweger es sich zum Ziel gemacht haben, ein Vikingerschiff nach Tradition zu bauen. In Oslo angekommen haben wir uns das Rathaus und den Königspalast angesehen, danach ging es ins Nobelmuseum.


Tag 19 – 21: Oslo – Fiske Batforening – Vallersvik
Nachdem wir Oslo unsicher gemacht haben, blieben wir eine Nacht in Fiske Batforening auf einem Parkplatz direkt am Hafen. Direkt neben dem Hafengelände gab es einen kleinen Strand. Am nächsten Tag sind wir weiter nach Schweden und haben den letzten Abend auf skandinavischen Boden am Vallersvik Beach verbracht. Da wir uns im September am Saisonende befinden, war der Campingplatz und der Strand fast leer.

Tag 21 – 22: Vallersvik – Hamburg – Paderborn
Auf dem Weg zurück durch Dänemark haben wir uns für den Weg über die 7845m lange Öresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen entschieden. Eine schöne Art ein Land zu verlassen und in einem anderen anzukommen. Nach einem Geburtstagsstopp in Hamburg kamen wir nach einem wunderschönen Urlaub zu Hause an.
Fazit:
Definitiv wieder! Norwegen, wo eiskaltes, blaues Wasser die grünen Küsten küsst ist mit seinen Fjorden, Gletschern und Bergen jeden Besuch wert. Wir haben uns in den drei Wochen in Badesachen gesonnt, im Schnee eine Schneeballschlacht gemacht und unsere regennassen Sachen getrocknet. Wir haben Abenteuer auf norwegischen Wanderwegen erlebt, uns am Fjord entspannt und sportlich auf abwechslungsreichen Klettersteigen verausgabt.
Stroll on
Christian & Jana

Hinterlasse einen Kommentar