Reisewoche #3

veröffentlicht von

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22.01.2024 – 28.01.2024

„Achte nicht auf den der spricht, achte auf das was gesprochen wird.“

Türkische Lebensweisheit
Audio zur Reisewoche 3

„Merhaba!“, heißt „Hallo“ in türkischer Sprache. Noch sind wir in Sofia, doch wir haben uns entschieden, dass wir nach Istanbul reisen werden. Istanbul, das klingt soweit weg. Nach einiger Recherche finden wir heraus, dass es eine Bahnstrecke direkt nach Istanbul gibt, sogar einen Nachtzug. Wir machen uns auf zum Bahnhof und checken unsere Möglichkeiten:

  • Bus: 160BGN (81,80€) ohne WC und 11 Stunden fahrt, kein Bett.
  • Nachtzug 142BGN (72,60€) und 9,5 Stunden Fahrt inkl. WC und richtigem Bett.

Wir sind beide noch nie mit einem Nachtzug gefahren. Die Entscheidung ist klar. Whoop, whoop!

Es gibt noch die Option ein 2er oder ein 4er Abteil zu buchen. Wir entscheiden uns für ein 4er Abteil, in der Hoffnung, dass ein oder zwei freundliche Reisende mit uns fahren. Eben noch ein nett aussehendes Hotel, direkt am Hafen in Fathi, raussuchen und buchen. Spoileralarm: Es sieht so aus!

Am nächsten Morgen können wir es kaum erwarten, mit dem Nachtzug nach Istanbul einzureisen. Hamma! Doch erstmal heißt es Zeit überbrücken. Um 12 Uhr müssen wir das AirBnb verlassen und um 18:40 Uhr geht erst unser Zug. Wir hoffen, dass die nächste Unterkunft nicht so runtergekommen ist. Nach einem kurzen Spaziergang mit je 20kg Gepäck auf dem Rücken, finden wir das Café 1920. Hier verbringen wir 4 Stunden mit leckerem Essen und Getränken. Wir haben WLAN, können arbeiten und sind zufrieden.

Jetzt aber los! Vielleicht ist der Hauptbahnhof Sofia heute überlaufender? Nope, ist er nicht. Auf Gleis 1 finden wir unseren Zug nach Istanbul. An den Abteilen gibt es festmontierte Ziffern und Ziffern die mit Edding drauf gekritzelt sind. Christian ist sich sicher, dass passt. Und es passt, die mit Edding geschriebenen Zahlen sind die korrekten. Unsere Mitreisende heißt Berna, sie ist Studentin in Istanbul und spricht fließend englisch. Wir reden den ganzen Abend über alles mögliche. Irgendwann spielen wir zusammen Uno. Christian erklärt die Regeln, Berna ergänzt die türkischen – internationales Uno. Schnell bilden sich immer wieder wechselnde Teams. Jeder will jeden fertig machen. Berna hat viele Tipps für unseren Aufenthalt in Istanbul und dem Rest der Türkei. Wir freuen uns, dass unser Plan aufgegangen ist.

Gegen 22:30 Uhr machen sich alle Bettfertig. Wir beziehen unsere Betten mit dem ausgehändigten Bettzeug und putzen uns im Zugklo die Zähne. Die erste Grenze ist nur noch 2 Stunden entfernt.
Christian und Berna können hier und da schlafen. Jana leider nicht, da der Zug alle 30 Min anhält und an jedem zweiten Stopp wird die Lok gewechselt. Irgendwann überwältigt der Schlaf auch sie.

„Passports!“, mit diesen Worten hämmert es an unser Abteil. Wir haben die bulgarische Grenze erreicht. Im Halbschlaf kramen wir unsere Pässe raus und überreichen sie. Der Grenzbeamte verschwindet damit. Regel Nummer eins im Backpack-Universum direkt gebrochen: Gib niemals deinen Pass weg.

Es ist 1 Uhr nachts und wir hoffen, dass er irgendwann wiederkommt. Das tut er! Dreißig Minuten später bekommen wir alle Pässe zurück. Nach weiteren 45 Minuten geht die Fahrt weiter. Für uns ist es aufregend, doch wir beide kennen Grenzübergänge von früheren Reisen. Berna nicht. Sofia zu besuchen war ihre erste Reise und sie ist aufgeregt. Vor allem wegen des nächsten Grenzübergangs.

An der türkischen Grenze, ca. 40 Min nach der Bulgarischen, müssen wir mit unserem gesamten Gepäck aussteigen. Der gesamte Zug muss sich anstellen. Erneut sind wir froh, dass wir in der Nebensaison reisen. Kaum vorstellbar, wie lange der Grenzübergang dauert, wenn der Zug voll ist. Nach dem Erhalt des Einreisestempels geht es zur Gepäckkontrolle. Alles läuft reibungslos und auch Berna entspannt sich wieder. Gegen 3:30 Uhr morgens geht die Fahrt weiter nach Istanbul. Wir sind in der Türkei. Nun geht auch das Licht im Flur des Zuges aus und wir halten nicht mehr an. Nächster Halt Hakali / Istanbul.

Nach gut weiteren zwei Stunden Schlaf klopft es erneut. Der Schaffner zeigt uns, dass wir gleich da sind und er die Bettwäsche braucht.
Auf dem Bahnsteig erklärt uns Berna, welches Ticket wir nutzen sollten und wie wir in unseren Bezirk kommen. Völlig übermüdet sind wir dankbar für ihre Hilfe. Wir steigen in die Maramray ein. Marmaray ist eine Bahnstrecke, die ganz Istanbul verbindet inkl. des Marmaray-Tunnel unter dem Bosporus. Wir holen eine Bahnkarte, laden sie auf und können diese die nächsten Tage für alles nutzen.

Auf dem Weg zum Hotel gehen wir noch was essen. Meneme und Omelett. Das schmeckt. Wir schauen nochmal nach dem Hotel und fragen ob wir früher Einschecken können. Es ist 9 Uhr morgens. Dabei stellen wir fest, dass das Hotel zweimal auf Booking.com auftaucht mit verschiedenen Namen. Eines ist sehr schlecht bewertet und das andere im mittleren Segment. Ohje. Auf dem Weg zum Hotel kommen wir direkt an den zwei bekanntesten Moscheen vorbei. Die Hagia Sophia und die Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee).

Das Zimmer mit wirklich schöner Aussicht ist besser als das in Sofia. Gemütliches Bett und eine richtige Dusche. Da stört uns die tropfende Klima, die mit Panzertape befestigten Fenster, dass wir „quasi“ in der Luft hängen und offenen Steckdosen nicht.

Den Rest des Tages schlafen wir aus. Abends zieht es uns dann doch noch raus. Wir spazieren an der Sultan-Ahmed-Moschee, sowie der Hagia Sophia, dem Hafen vorbei und probieren von „Muttis“ Küche. Ein Runniggag, der uns die nächsten Tage noch verfolgen wird, denn in jedem Restaurant kocht Mutti.

Am nächsten Morgen gibt es im Hotel ein typisches türkisches Frühstück mit Käse, Oliven, Wurst und Weißbrot (Auch nach mehrfachem Abbestellen der Wurst, bekommen wir diese jeden Morgen).


Heute wollen wir zu einer Empfehlung von Berna. Ins Balat. Balat ist ein Viertel von Fathi auf der europäischen Seite Istanbuls. Der Weg dahin führt uns direkt durch den großen Bazar. Der Bazar ist unglaublich. Ein Labyrinth aus Wegen und Fluren. Ein Geschäft neben dem anderen. Schade für uns war, dass es wenige Gewürzstände, Lebensmittelstände insgesamt oder gar typisch türkische Kleidung, Souvenir- oder Süßigkeitenstände gab. Es überwiegt der platte Konsum mit Plagiaten von Gucci bis Prada. Dennoch ein tolles Erlebnis. Weiter geht es zum Balat. Ein Ort mit bunten schmalen Häuschen, engen Gassen und schnuckligen Cafés. Immer wieder erscheint das Goldene Horn (etwa 7km langer Meeresarm am Bosporus) am Ende einer dieser Gassen. Zurück laufen wir durch einen nicht touristischen Teil Istanbuls. Hier treffen wir mehr verschleierte Frauen. Die Wäsche hängt vor den Fenstern und die Cafés sind authentischer. Einzig die Katzen sind gleich geblieben.

Haben wir die Katzen schon erwähnt? Der Mensch lebt hier mit dem Tier. Nicht als Haustier, als Freund und Nachbar. Es gibt überall Futterstellen, Häuschen und jeder streichelt sie. Die Katzen sind ein Teil der Gemeinschaft und nicht scheu. Sie lieben es gestreichelt zu werden. Ein schöner Tag geht mit vielen Eindrücken und einigen Kilometern zu Ende.

Am nächsten Morgen haben wir Startschwierigkeiten. Wir raffen uns trotzdem hoch und gehen los, nur um dann zu festzustellen, dass heut ein „Gammeltag“ ist. Außer Pizza passiert nicht viel. Obwohl wir wenigstens das nächste Ziel rausgesucht haben. Nach Wochen, die wir in Großstädten verbracht haben, zieht es uns wieder in die Natur. Wir finden einen Ort: Kemer / Camyuva in der Nähe von Antalya am Mittelmeer. Hier gibt es viel Natur, Meer, Wanderungen und antike Bauten. Wir buchen eine 11-stündige Busfahrt und eine Wohnung für zwei Wochen.

Mit neuer Energie starten wir dafür am nächsten Tag. Es ist Samstag. Glauben wir zumindest ;-D. Heute wollen wir mit der Fähre nach Asien übersetzen. Das Festland von Istanbul ist durch den Ausläufer „Goldenes Horn“ und dem Riva-Bach getrennt. Besser bekannt als Bosporus. Istanbul ist eine Stadt, die Europa und Asien verbindet. Wir lesen, dass es eine Fähre auf die asiatische Seite für kleines Geld gibt. Entlang des Hafens gibt es viele Angebote für eine Bosporusfahrt für 5-7€. Das sparen wir uns und fahren mit der Fähre für 0,70€ (Stand 2024) rüber. Für uns ist das total aufregend, da wir somit von Hamburg bis Asien mit Bus, Bahn und Fähre gefahren sind.

Und dann ist es endlich soweit. 3, 2, 1 … Asien! Whoop, whoop.
Wir steigen in Kadiköy aus (köy = Dorf). Eigentlich haben wir hier nicht wirklich ein Ziel, wir wollten nur rüberfahren :-D. Dann fällt uns wieder dieser riesige Turm auf dem Berg auf. Der ist so groß, das wir ihn von unserer Seite schon mehrfach gesehen haben. Und damit ist ein Ziel geboren. Wir stapfen los. Immer weiter hoch. Hoch. Hoch. Nicht anstrengend genug, dass Jana anfängt wie ein Zwerg zu grummeln, aber genug um Kleidung abzulegen. Dabei wissen wir weder ob es sich lohnt noch ob wir auf das Gelände können. Da wir kein Internetzugang haben, können wir es auch nicht nachschlagen. Doch da wir wandern im allgemein lieben, egal! Die Aussicht lohnt sich alle male. Als wir da oben stehen, wird uns erneut bewusst, wie groß Istanbul ist. Gigantisch groß. Der Turm heißt Camlica Tower und ist ein Radioturm. Er wurde 2016 gebaut und 2021 eröffnet. Mit seinen 369 m Höhe ist er das höchste Bauwerk der Türkei und angeblich der höchste Radioturm der Welt. Am Fuße angekommen würden wir natürlich gern auch hochfahren.

Es gibt oben Restaurants, Aussichtsplattformen etc. Der Eintritt für Internationale Besucher beläuft sich aktuell auf 600TL (18,30€) pP. Für einheimische 225 TL. Wir überlegen eine Weile. Für unsere Reise haben wir 1.000€ pP/M kalkuliert, so müssen wir immer wieder darüber nachdenken, wie wichtig uns eine Sache ist. Ein Spagat zwischen monitären Lebensgenuss und Lebensfreude. Wir entscheiden uns dagegen, da die Aussicht auch am Fuß schon unglaublich ist und der Weg hoch uns schon begeistert hat. Nach insgesamt 20km Fußweg gibt es eine Brotzeit auf dem Zimmer und wir fallen erschöpft und glücklich ins Bett.

Heute ist Sonntag und es regnet. Wir entschließen uns, heute ruhig zu machen. Daher gehen wir erst gegen frühen Nachmittag los. Wir wollen uns den Topkapi-Palast anschauen, der hier in Fathi am Hafen gelegen ist. Diesmal haben wir die Preise vorher recherchiert. Insgesamt können wir sagen: Istanbul ist sehr teuer. Durch die Bewertungen bei Google, wissen wir, dass das vor Corona anders war. Das Palastgelände und den Park schauen wir uns dennoch an.

PS.: Durch den Regen tropft die Klima im Hotelzimmer fast ununterbrochen und wir haben schon stolze 4 Liter gesammelt.

Morgen Abend geht es ans Mittelmeer.

Stroll on
Christian & Jana

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