Reisewoche #6

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12.02. – 18.02.2024

„Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“

Demokrit

Die Woche startet für uns mit einer Wanderung auf den Olympos (Tahtali Dagi). Gut vorbereitet klingelt pünktlich um 07:00Uhr sanft der Wecker. Christian schafft es ihn abzuschalten ohne dabei wach zu werden – zwei mal. Als wir allmählich wach werden und feststellen, dass es mittlerweile kurz nach 08:00Uhr ist überlegen wir kurz einfach im Bett zu bleiben, immerhin ist es gemütlich und draußen scheint auch keine Sonne. Ein kurzer Blick auf den Wetterbericht für morgen, Regen. Na gut, wir brechen viel zu spät auf und entscheiden uns zumindest zum Berg zu wandern und vor Ort zu entscheiden ob wir es auf den Berg schaffen. Eigentlich steht schon fest, dass wir die Seilbahnen nehmen werden.
Unser Weg führt uns etwa 5km über eine Schnellstraße, heute macht uns das wenig aus. Das Wanderwege in der Türkei rar sind ist uns inzwischen bewusst. So wundern wir uns auch nicht, als wir auf der Zufahrt zur Talstation abbiegen, dass es keinen parallelen Fußweg gibt.

Vom Pförtner werden wir noch gefragt ob wir ein Shuttle nehmen wollen, dieses würde nur 7 Minuten für die Strecke benötigen. Wir lehnen lächelnd ab. Dann quälen wir uns die kommenden 7km den Berg hoch. Auch wenn die Steigung im Schnitt „nur“ 10% beträgt, streiken unsere Körper heute regelrecht – passt ja in die aktuelle Zeit.

Mit viel Geduld und einigen Pausen schaffen wir es die Talstation zu erreichen. Wir sind heute die einzigen Wanderer und Gäste. Das Wetter ist etwas aufgeklart und wir können den Gipfel des Olympos sehen. Die Chance nutzen wir, kaufen zwei Tickets für etwa 30€ p.P. und befinden uns kurze Zeit später, einschließlich der Gondelführerin, alleine in der Gondel. Auf geht es.

Unterwegs zeigt man uns Gämse die am Berg leben, die Ruinenstadt Olympos in der Ferne und einen Felsabbruch der wie ein Herz aussieht. Spektakulär wird die Fahrt als wir über eine Schlucht fahren die den Gipfel unerreichbar erscheinen lässt. Auf 2365m angekommen stellen wir fest: es ist a.) sehr kalt und b.) wir sind auch hier oben die einzigen Touristen. Da die Sicht aktuell immer noch gut ist und man nie weiß wie lange das so ist, geht es als erstes auf die Terrasse, Fotos machen, Ausblick genießen. Als Jana dann die Finger abfrieren und ihre Zunge am Geländer festzufrieren droht, wechseln wir schnell ins Café.

Typisch für diese Zeit am Mittelmeer werden auch hier Ausbesserungsarbeiten durchgeführt, etwa zehn Handwerker sind hier beschäftigt. Noch während wir unsere Pause genießen werden wir informiert, dass sich die letzte Talfahrt etwas verzögern könnte. Das Wetter habe umgeschlagen und man müsse auf ein geeignetes Fenster warten. Spätestens als wir die Terrasse wieder betreten können wir das bestätigen. Wir sehen vor Nebel kaum noch etwas und auch der Wind hat stark zugenommen.

Um 15:00Uhr geht es dann ins Tal. Mit der gesamten Belegschaft und allen Handwerkern stehen wir in der letzten Gondel für den heutigen Tag. Während der Fahrt beginnt es erst zu Hageln, dann folgt Schneeregen und zu guter letzt bleibt die Gondel abrupt stehen. Stille. Es folgt ein Funkspruch und kurze Zeit später geht es weiter. Das war gruselig. Am Boden angekommen ist das Wetter wie Capslock – es Shift ohne Ende (Grüße an die 257ers).

Wir warten einen Moment ab und nutzen den richtigen Moment zum Aufbrechen. Wir bleiben den Rest des Tages trocken. Zuhause angekommen kochen wir etwas zu essen und fallen zufrieden ins Bett. Vom aufziehenden Gewitter kriegen wir wenig mit.
Der nächste Tag startet wie der letzte geendet hat. Mit Regen und Gewitter.

Deswegen und weil uns der gestrige Marsch in den Knochen steckt, bleiben wir heute daheim. Jana hat sich vorgenommen einen weiteren Softskill zu lernen und übt sich im Umgang mit Garageband. Christian ist Christian und lässt sich auf der Couch durchs Internet treiben. Als es gegen Abend wirklich stark zu gewittern beginnt, sind wir froh, dass für den nächsten Tag alles vorbereitet ist. Es fällt zum dritten Mal in unserer Zeit in Camyuva der Strom aus. Diesmal kommt er erst einige Stunden später, mitten in der Nacht, wieder.

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Mittlerweile haben wir den 14.02.2024 – Valentinstag. Was kann es da schöneres geben als den ganzen Tag im Bus zu sitzen? Genau, gar nichts 😀 Pünktlich um 06:00Uhr klingelt der Wecker. Kurze Zeit später stellen wir fest, dass es doch bereits 06:30 Uhr ist (Wir haben ein gewisses Wecker Problem). Der bis eben perfekte Zeitplan kriegt einen kleinen Knacks. Wir kennen den Fußweg nach Kemer ja bereits sehr gut und wissen deswegen, dass wir etwa zwei Stunden für die Strecke benötigen. Als wir um 07:00Uhr das Apartment verlassen ist klar, das wird ein knappes Ding. Unser Bus nach Ankara startet um 09:00Uhr. Wir nehmen uns noch die Zeit „unsere“ Katzen ein letztes Mal zu füttern. Klar, dass die drei nach dieser Nacht nicht zum verabschieden kommen.

Wir laufen gut beladen los und merken schnell, dass sich der Weg mächtig ziehen wird. Noch immer haben wir Muskelkater und die Luftfeuchtigkeit lässt uns schnell ins schwitzen kommen. Nach einer viertel Stunde kommen wir an einer Bushaltestelle vorbei in der ein älterer Mann sitzt. Was solls, einen Versuch ist es Wert. So fragt Christian: „Kemer?“ Der Mann nickt und signalisiert, dass der Bus in drei Minuten fahren würde. Wir freuen uns und bereits im nächsten Moment kommt ein Dolmus angerauscht. Dolmus bedeutet soviel wie „gefüllt“. Früher sind diese Minibusse erst gefahren wenn sie voll waren. Heute ist es zum Glück anders. Der Fahrer wirkt für diese Uhrzeit bereits sehr gestresst, lädt unsere schweren Rucksäcke aber trotzdem behutsam ein. Dann beginnt die wilde Fahrt. Wir sind uns sicher, dass wir die Strecke nach Kemer ohne den Dolmus nicht rechtzeitig geschafft hätten. Jetzt sind wir bereits um 07:35Uhr in Kemer am Otogar (bedeutet Busbahnhof). Wir zahlen 20TL p.P. (etwa 0,60€) und haben jetzt eine Menge Zeit.

Da wir etwa neun Stunden im Bus sitzen werden entscheiden wir uns ein Stückchen in die Stadt zu laufen und beim Bäcker frisches Brot zu kaufen. Zurück am Busbahnhof setzen wir uns im Abfahrtsbereich auf eine Bank. Ein Bus unserer Busfahrgesellschaft steht schon bereit. Als der Schalter besetzt ist geht Christian nachfragen ob das Ticket in ausgedruckter Form benötigt wird. Dem ist nicht so und richtig sind wir hier auch. Also wieder setzen. Die Zeit vergeht, viel passiert nicht, hier scheint alles noch zu schlafen. Um halb neun geht Jana einmal gucken wo der Bus hinfährt, der bereits die ganze Zeit am Terminal steht. Antalya und andere Orte, nicht unser Bus. Um kurz vor neun ist unser Bus immer noch nicht da. Merkwürdig. Diesmal fragt Jana den Busfahrer: Ja, doch. Irgendwie scheint der Bus doch auch nach Ankara zu fahren, auch wenn der Fahrer sich nicht ganz sicher zu sein scheint. Christian fragt noch mal am Schalter nach: Ja, das ist unser Bus. So richtig schlau werden wir aus den Buskennzeichnungen in der Türkei nicht. Beim Verladen des Gepäcks versichert man uns noch einmal, dass es nach Ankara ginge. Beim Einsteigen in den Bus wundern wir uns noch über die Hektik die auf einmal zwischen Busfahrer, Begleiter und soeben gezücktem Telefon entsteht. Es scheint als hätte niemand damit gerechnet, dass es heute nach Ankara geht. Plötzlich werden alle anderen Passagiere aus dem Bus geholt. Außer wir. Der Busbegleiter (Ein Servicemitarbeiter, der die Busfahrer begleitet) versteht uns nicht. Also beginnen wir über Google Translate zu kommunizieren. Wir können als einziges sitzen bleiben. Ein weiterer Bus fährt vor – die Busfahrer beginnen hitzig zu diskutieren. Der andere Busfahrer scheint nicht begeistert zu sein, zückt sein Telefon und beginnt sich augenscheinlich bei jemanden zu beschweren.

Wir setzen uns in Bewegung, als die einzigen beiden Fahrgäste in diesem Bus. Wir können natürlich nicht wirklich sagen, was das alles zu bedeuten hatte, aber zumindest wirkt es wie ein Missverständnis. Wir sind unterwegs in Richtung Ankara und die Fahrt verläuft wie die anderen. Wir halten etwa alle 45 Minuten an, um Fahrgäste ein- bzw. aussteigen zu lassen, Toilettenpausen zu ermöglichen, usw..
Auf unserer Fahrt durch die Türkei stellen wir fest, dass viele Städte bzw. Orte auf eine bestimmte Sache spezialisiert sind. So wie es rund um Kemer riesige Citrusplantagen gab, gibt es in einem Ort unglaubliche Rosenplantagen und Produkte aus Rosen. Im nächsten Ort dreht sich alles um Marmor. Steinbrüche, Sägewerke, verarbeitende Betriebe und Steinmetze. Wir finden das auffällig und in gewisser Weise plausibel – Kompetenzen bündeln.
Wir kommen pünktlich (bemerkenswert) in Ankara an. Schon beim Einfahren in die Hauptstadt sehen wir beeindruckende Hochhäuser in der Skyline. Im „Speckmantel“ der Stadt stehen viele Gebäude leer, Baustellen werden nicht abgeschlossen und teilweise verwahrlosen sie. Wir haben kaum Zeit weiter drüber nachzudenken als wir auch schon auf den „Busbahnhof“ zufahren. Das Gebäude erweckt den Anschein eines Flughafens. Es ist riesig und die Busse fahren hier auf drei Etagen an und ab. Beeindruckend.

Beim Betreten des Bushafens kommen wir durch eine Sicherheitskontrolle mit X-Ray, also einer Gepäckkontrolle mit Röntgenstrahlen. Christian gibt sein Gepäck auf das Rollband und geht durch den Scanner. Auf der anderen Seite erwartet ihn bereits ein junger, aufgeregter Sicherheitsmann, der ihm mit den Worten „Sir, Problem“ zu verstehen gibt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Er zeigt auf dem Röntgenbild auf einen Gegenstand im Gepäck und redet unverständliches auf türkisch. Christian verhält sich ruhig und begreift das Problem. Schon im nächsten Moment kommt ein älterer Sicherheitsmann auf uns zu und Christian versucht zu erklären dass es sich bei dem Gegenstand um ein Werkzeug handelt. Man gibt uns zu verstehen, dass Werkzeug zu übergeben. Als der ältere Sicherheitsmann das vermeintlichen Butterfly aufklappt und ihm eine Spitzzange entgegenkommt entspannt sich die Situation und wir dürfen samt Leatherman weiterziehen. Unter Umständen hätte das auch anders ausgehen können.

Wir verlassen das Gebäude und noch während wir uns orientieren entdeckt Jana Minibusse die in Richtung „Ulus“ fahren. Dem Stadtteil in dem sich auch unser Hotel befindet. Wir fragen noch kurz die umherstehenden Busfahrer, diese bejahen Ulus und verweisen auf den ersten Bus in der Reihe. Unser Gepäck wird mit dem der anderen Gäste im hinteren Bereich des Busses verstaut und wir setzen uns – Megapraktisch. Wir wissen weder, was uns die Fahrt kostet, ob wir ein Ticket brauchen, noch wann die Fahrt losgeht. Es stellt sich heraus, dass ein Dolmus hier noch ein Dolmus ist. Erst als der letzte Platz besetzt ist und die ersten Fahrgäste stehen müssen, kommt der Busfahrer mit den letzten Gästen zum Bus. Jana ist zwischenzeitlich schon recht ungeduldig geworden. Die Fahrt geht los und lässt sich am besten mit einem Autoscooter vergleichen, nur eben haarscharf ohne Kollisionen.

Kreuz und quer werden die Spuren gewechselt, Autos stehen in alle Richtungen auf den Kreuzungen verteilt, wenn es eng wird, wird der Platz durch Hupen behauptet. Abgefahren.
Wir haben immer noch ein ungutes Gefühl, da wir kein Ticket haben. Da um uns herum anscheinend keiner englisch spricht, quetscht Christian sich nach vorne und fragt nach dem Payment. „No Pay“ ist die Antwort. Etwas verdutzt teilt er mit das wir nicht zahlen müssten, auch Jana ist verwundert. Um uns herum hat man unsere Unbeholfenheit wohl bemerkt und so versuchen unterschiedliche Menschen uns zu helfen, ohne das wir ein Wort wechseln können. Als wir Ulus erreichen geben die Menschen um uns herum Bescheid, dass wir hier aussteigen müssen. Also verlassen wir dankend den Bus.

Zum Hotel laufen wir 10 Minuten. Wir werden bereits erwartet und direkt mit Namen begrüßt. Noch kurz unterschreiben und schon hilft uns ein Page mit dem Gepäck – sehr ungewohnt für uns. Wir sind in einem 4-Sterne Hotel untergekommen, alles ist in bester Ordnung. Es ist bereits sehr spät, da freuen wir uns als wir die Möglichkeit entdecken den Zimmerservice zu bestellen. Wir bestellen Salat, Börek und Suppe. Wir zelebrieren an diesem Valentinstag unsere Spießigkeit und fallen danach erschöpft ins Bett.
Wir haben uns einen Wecker gestellt, da im Zimmerpreis Frühstück bis 10:00Uhr inklusive ist. Das wollen wir uns zumindest mal angucken. Wir kommen ohne große Erwartungen und werden äußerst positiv überrascht. Meneme, Eier, Käseauswahl, Pancakes, Pfannkuchen usw. Lecker.
Jana hat bereits die ein oder andere Sehenswürdigkeit rausgesucht, also planen wir gut gestärkt eine grobe Route. Es kommt eh immer anders als geplant. Unser erstes Ziel: Ankara-Castle. Das liegt, wie soll es anders sein, auf einem Berg. Früh am Tag geht es also bei bestem Wetter steil bergauf – Morgensport.

Der Aufstieg lohnt sich, wir laufen durch eine belebte Straße in Richtung Burg und überwinden einige Stufen bis auf den Berg. Die Straßen zwischen den Häusern sind hier oben sehr schmal. Die Häuser sind größtenteils renoviert, weiß verputzt und mit dunkel braunen Holzelementen verziert. Trotzdem, stehen viele Häuser leer. Von hier oben haben wir einen fantastischen Ausblick über Ankara.

Wir können in der Ferne bereits die Moschee und das Atatürk Mausoleum erkennen, welche wir heute noch besuchen wollen. Wir verweilen hier oben einen Moment, bevor wir uns auf die andere Seite der Festung (Zitadelle) bewegen. Auch wenn wir uns innerhalb einer bewohnten Gegend befinden, ist hier doch einiges kaputt und unbewohnt. Auf der anderen Seite des Berges haben wir einen Blick auf einen älteren Teil Ankaras. Wir können erkennen, das alte, bebaute Gebiete dem Erdboden gleich gemacht werden, um dann Hochhäuser auf die Fläche zu bauen. Wir werden später noch von dieser systematischen Verdichtung lesen.

Wir machen ein paar Fotos, als eine junge Frau uns anbietet ein Foto von uns zu machen. Das nehmen wir natürlich an. Als Jana dann fragt ob wir uns auch mit einem Foto revanchieren können bejaht die junge Frau. Allerdings möchte sie kein Foto von sich, sondern eines mit Jana zusammen. Gewöhnungsbedürftig.

Wir verlassen die Festung über einen schönen Marktplatz mit vielen bunten Gewürzständen und folgen einer kleinen Gasse mit vielen kleinen Läden und Ateliers den Berg hinab. Kurz rechts abgebogen finden wir uns in einer belebten Marktgasse wieder. Hier werden authentische Waren, Kleider und andere Alltagsartikel angeboten. Keine Raubkopien und alles sehr günstig.
Wir finden den Weg zur Melike Hatun Cami. Einer beeindruckenden Moschee die komplett in weißem Mamor errichtet wurde. Die Kuppeln und Dächer wirken leicht bläulich und über dem Eingang ist ein Schild in goldenen Buchstaben angebracht. Eine Art Vordach ist auf einigen Säulen gestützt. Sehr schön anzusehen. Wir dürfen die Moschee durch eine beeindruckend verzierte Tür betreten und sind wieder einmal vom Inneren überrascht.

Anders als in einigen uns bekannten Kirchen wird auf viel Gold und Prunk verzichtet. Der Teppich ist schön gestaltet und die Decke zieren blau-goldene Zeichnungen. Noch während wir in der Moschee sind, beginnt jemand zu singen – Großartig.
Da wir das Mausoleum des Atatürk ja bereits sehen konnten, schätzen wir die Entfernung eventuell etwas zu kurz ein. Wir laufen ewig auf den Palast zu, um dann an einer Mauer anzukommen der wir noch einmal ein ganzes Stück folgen müssen, um zum Eingang zu kommen. Nach der Sicherheitskontrolle muss ich meinen Rucksack abgeben. Der ist zu groß. Wieder recht gewöhnungsbedürftig, aber was solls. Wir laufen ein kleines Stück durch einen Park zum Eingang des Mausoleums. Wir stehen auf einem riesigen Platz.

Der rechteckige Platz ist von Mauern umgeben und auf den langen Seiten sind zwei gegenüberliegende Ein- bzw. Ausgänge. Alles ist aus einem hellen, beigen Stein gebaut und gleicht einem antiken Tempel. In drei der Ecken befinden sich generalüberholte, originale Fahrzeuge aus dem Fuhrpark von Atatürk.

Sein Mausoleum liegt auf einer kurzen Seite des Rechtecks, ein riesiges Gebäude. An seinem Ende liegt ein Sarkophag vor einer Fensterfront, durch die man auf Ankara blicken kann. Wir erfahren in einem kostenlosen Museum zum Freiheitskrieg, dass die sterblichen Überreste Atatürks nicht an dieser Pilgerstätte liegen, sondern in den Katakomben unterhalb des Mausoleums.

Diese sind der Öffentlichkeit verschlossen, uns bleiben Live-Bilder aus installierten Kameras. Wir schlendern noch durch das Museum, hier werden sehr anschaulich Szenen des Krieges dargestellt und die Geschichte der Befreiung der Türkei, sowie zur Person Atatürks, gezeigt.
Am Abend versuchen wir noch Tickets für die Weiterreise nach Georgien zu buchen. Da es keine Tickets für den Tag mehr gibt verlängern wir den Aufenthalt im Hotel um eine Nacht und buchen Bustickets für den 18. Februar.
Der nächste Tag startet ganz entspannt, wir haben auch nur zwei Ziele. Die Wasserfälle im Muhsin Yazicioglu Park und Kugelschreiber organisieren. Ja, wir schreiben Tagebuch und unsere Kugelschreiber sind das erste mal leer. Wir machen uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg. Unsere Routenplanung weist schwächen auf. So laufen wir einige Kilometer über Haupt- und Schnellstraßen. Wieder einmal stellt sich heraus, dass die Türkei nicht besonders gut für Wanderer aufgestellt ist. Auf einer Autobahnbrücke unterhalten wir uns kurz mit einem Menschen der sein Leben halb in der Türkei und halb in den Niederlanden verbringt. Wir verabschieden uns von ihm und seiner Freundin und kommen bald von den Hauptstraßen weg. Noch kurz über einen weiteren Berg und schon stehen wir an dem Brun.. äh Wasserfall.

Um ehrlich zu sein, wissen wir nicht ob das Ding künstlich angelegt ist oder nicht. Schön ist es alle Mal. Auch schön, direkt gegenüber befindet sich eine Shopping-Mall. Da wir Kugelschreiber benötigen und Christian sich nach einem Kaffee sehnt, steppen wir rein. Im zweiten OG befindet sich ein Elektrofachhändler. Der hat zwar keine Kugelschreiber aber wir vermissen Overear-Kopfhörer. Wir kaufen das erste Mal in unserem Leben steuerfrei ein, danke Sebastian 😀 Ok die Steuer zahlt man erst mal mit, bei Ausreise wird der Beleg dann freigegeben und man holt sich die Steuer zurück (Später stellen wir fest, dass wir das Kleingedruckte hätten lesen sollen – bei Ausreise mit dem Bus gibt es keine Möglichkeit die Steuer quittieren zu lassen. Pech). Einen Kaffee und eine ziemlich versaute Waffel später verlassen wir die Mall und entscheiden uns mit einem Dolmus zurück zu fahren. 18TL (0,54€) kostet uns die Rückfahrt. Wir werden irgendwo in Ullus rausgelassen und stolpern direkt in den nächsten Basar.

Wir finden einen Gemischtwarenhändler der unter anderem auch Stifte hat – Whoooop. Ach und sie mal an wer da noch ist, unser Niederländer von heute morgen. Wie kann das bitte sein… 5,4Mio. Einwohner, eine Stadt so groß wie Berlin und in irgendeinem Randomshop trifft man sich wieder. Unglaublich.
Gegen 18:00Uhr sind wir wieder im Hotel. Hier gibt es einen Billardtisch den wir, bis zur Nachtruhe um 19:00Uhr, nutzen können.

Wir spielen vier sehr ausgeglichene Runden und feiern uns gegenseitig wenn mal etwas klappt wie geplant – oder besser. Als uns der Hunger packt ziehen wir noch einmal los. Viel hat in der Nähe nicht geöffnet. Also finden wir uns in einer Köftebar wieder. Die werden ja wohl irgendwas vegetarisches haben… Leider versteht nur niemand was wir wollen bzw. was wir eben nicht wollen. Nicht einmal mit Google Translate können wir vermitteln, dass wir alles essen, nur eben bitte ohne Fleisch. „Es gibt hier aber nur Fleisch“. Wir werden von den Kellnern und den anderen Gästen wirklich merkwürdig beäugt, aber zumindest sind alle nett und bemüht eine Lösung zu finden. Bis auf einen kleinen Teller Köfte, den wir am Tischende stehen lassen, damit bloß niemand Nachschub bringt, wird uns glücklicherweise kein Fleisch serviert. Stattdessen wird auf dem gesamten Tisch Salat angerichtet. Wir bekommen einen gebackenen Knoblauch, gegrillte Tomaten und frisches Brot. Es ist lecker und wir werden satt. Am Ende zahlen wir 10€ für alles inklusive Getränke und Nachtisch – Künefe und Milchpudding mit Reis und Nüssen.

Nachdem wir am nächsten Tag gefrühstückt haben geht es noch einmal ins Bettchen – was ein Leben. Heute geht es ins Museum für Anatolische-Zivilisation und Geschichte. Es wird gezeigt wie sich die türkische Zivilisation entwickelt hat. Kein Unterschiede zu anderen Zivilisationen. Irgendwann sind Menschen sesshaft geworden und haben angefangen zu konsumieren. So oder so ähnlich, nagelt uns nicht drauf fest. Das Museum ist aber tatsächlich sehr schön. Es ist alles gut dargestellt, es gibt unzählige Exponate aus Ausgrabungen rund um Ankara und das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, ist unglaublich schön. Eigentlich bereits zerstört, hat Atatürk die Wichtigkeit des Gebäudes erkannt und im original wieder aufbauen lassen. Im Zentrum stehen vier Säulen die von zehn Kuppeln umgeben werden. Die Säulen und Kuppeln sowie die Wände des Gebäudes sind aus Ziegelsteinen gebaut.

Nach dem Museum laufen wir noch ein kurzes Stück durch Ankara. Wir sind auf der Suche nach Postkarten, können aber keine finden – scheint niemand mehr zu schreiben? Es ist unglaublich voll auf Ankaras Straßen. Da wir von den letzten Tagen geschafft sind und für die Weiterreise packen müssen, machen wir uns gegen 17:00Uhr auf den Rückweg. Zimmerservice gibt es heute nicht, also geht es nebenan in ein Bistro für eine letzte Pide, Salat und Nachtisch – Geil.

Heute geht es weiter – mit etwas Glück nach Batumi in Georgien. Dementsprechend klingelt bereits um 06:00Uhr der Wecker. Wir stehen direkt auf. Um 06:33Uhr klingelt das Zimmertelefon – Moment was? Wir haben niemanden explizit angewiesen uns zu Wecken, lediglich davon erzählt, wie unser Reiseplan für heute aussieht. Aufmerksam hat sich an der Rezeption wohl jemand eine Notiz gemacht. Um 06:35 Uhr stehen wir in der Lobby des Hotels. Die Sandwiches nach denen wir gefragt haben sind wie versprochen fertig. Um 06:45Uhr sitzen wir im Taxi – Geil, wie das alles klappt. Um 07:00Uhr sind wir am Busbahnhof. Wir hatten keinen Verkehr unterwegs. Alles nach Plan – Mega. Um 07:15Uhr sagt man uns, das unser Bus aufgrund technischer Probleme nicht fährt und die Tickets storniert wurden – Top alles gut. Moment?! Was?! Keine Chance, der Kollege am Schalter macht uns klar, das wir heute nicht mit seiner Busgesellschaft nach Batumi fahren. Wir sind einen Moment sprachlos, dann greift aber unser Krisenmanagement.

Trotz unserer Sprachbarriere kriegen wir raus das ein anderes Unternehmen heute noch nach Batumi fährt, man bringt uns sogar zum Schalter. Das Unternehmen kennen wir bereits aus der Onlinerecherche, die Tickets sind allerdings 300TL teurer (etwa 10€). Wir nehmen das in Kauf und kriegen die letzten beiden Sitzplätze für einen Bus der um 09:00 statt 08:00Uhr fahren soll. Glück gehabt. Wieder einmal. Jana ist zwar mit den Sitzplätzen nicht glücklich, da ihr in den letzten Reihen des Busses bisher schlecht geworden ist, aber wir kommen weiter und sind außerdem mit entsprechenden Kaugummis ausgestattet. Pünktlich um 08:45Uhr rollt der Bus an sein Gate. Wir geben das Gepäck auf und können gleich einsteigen. Es handelt sich bei dem Bus um einen Tourismo 2+1 von Mercedes.

Wir haben noch mehr Glück, die Beinfreiheit in der letzten Reihe ist größer und der Sitz zum Gang ist eine ganz Zeit lang frei, also breit machen. Die Fahrt verläuft erst einmal ohne Zwischenfälle. Zudem hält er nur alle 2-3 Stunden und nicht alle 45Minuten. Jippi. Außerdem haben wir aus den letzten Fahrten gelernt und vorsorglich Filme heruntergeladen. Zwar haben wir überraschender Weise auch W-Lan an Bord, aber sicher ist sicher. Zeitweise wirkt es als wäre der Bus überbucht, da Fahrgäste im Gang stehen müssen. Die Situation löst sich aber Innerhalb kurzer Zeit auf, als andere Reisende im Nirgendwo aussteigen. Wir kommen bis zur Türkisch-Georgischen Grenze gut durch. Jetzt heißt es aussteigen und mit dem gesamten Gepäck die Grenze zu Fuß überqueren. Ein großes Gebäude mit langen Rolltreppen verbindet die beiden Seiten der Grenze. Wir reisen ohne Schwierigkeiten aus der Türkei aus. Am Grenzübergang zu Georgien wird es für Jana kurz spannend, als die Grenzbeamtin ihr einige Fragen zu ihrem Namen, dem Reiseziel und dem ersten Einreisen nach Georgien stellt. Christian bleiben die Fragen erspart, dafür macht ihm die Gepäckkontrolle schon wieder zu schaffen. Diesmal ist das Schweizer Taschenmesser das Objekt der Besorgnis. Das Gepäck geht zwei mal durch den Scanner bis eine Grenzmitarbeiterin den Rucksack öffnet und nach Begutachtung des Taschenmessers Entwarnung gibt. Vielleicht sollten wir wenigstens ein Multitool ablegen.

Nach der Einreise warten wir eine ganze Zeit auf den Bus. Unsere Begeisterung darüber, wie weit wir mit Bus und Bahn schon gekommen sind und die Freude, dass wir endlich in einem unserer Traumreiseländer stehen, überwiegt in diesem Moment der Müdigkeit. Wir fahren noch etwa 20Minuten bis Batumi und kommen nach weiteren 10Minuten Fußweg in unserer Unterkunft an. Erschöpft und zufrieden fallen wir gegen 03:00Uhr Ortszeit ins Bett.

Stroll on
Christian & Jana

Eine Antwort zu „Reisewoche #6”.

  1. Avatar von Staubfinger
    Staubfinger

    Die Keçiören Falls sind übrigens ‚man made‘.
    Liebe Grüße aus good old Paderboan 🙂

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