Reisewoche #9

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4.03. – 10.03.2024

„Ein Fluss durchschneidet einen Felsen nicht wegen seiner Kraft, sondern wegen seiner Beharrlichkeit.“

Karin Kuschik

Da wir gestern doch nicht mehr so viel gearbeitet haben, beginnen wir die Woche mit dem Ziel Reisewoche #8 fertig zu stellen. So richten wir uns wieder auf einen Arbeits-Chilltag ein. Jana sucht zwei Schreibwettbewerbe für sich raus und recherchiert noch ein bisschen. Christian optimiert unseren Blog. Am Nachmittag, als der Hunger unsere Konzentration beeinträchtig, klopft es an unsere Tür. Unsere immer lächelnde Vermieterin steht mit einem frisch gebackenem Imeretian Khachapuri (Rezept) vor uns. Ganz verlegen überreicht sie uns den Teller und verschwindet wieder. Das Khachapuri ist unglaublich lecker. Wir essen zwei Tag davon. Als Revanche wollen wir ihr demnächst einen Apfelstrudel backen. Der Tag bleibt entspannt.

Khachapuri

Heute hat Mutti-Uti Geburtstag. Wir haben ihr online ein Geschenk zugesandt und telefonieren noch kurz mit ihr. Direkt danach ist Stromausfall. Das erste Mal in Georgien. Nichts im Vergleich zur Türkei. 😏 Zeit für uns rauszugehen, wir wollen schließlich unseren Fitnesstracker nicht verärgern. Jana benötigt noch eine neue Tagescreme, so haben wir auch ein Ziel. In Georgien sind Apotheken und Drogerien ein und das Gleiche. Nivea sucht man hier vergebens, dafür haben sie hier die Eigenmarke Alterra von Rossmann. Verrückt. Die Creme wird in eine Papiertüte gestopft. Als wir aus dem Geschäft kommen und Jana die knisternde Tüte in die Jacke knüllt, werden wir von Hunden umzingelt. Nach fast zwei Wochen haben sie immer noch nicht gecheckt, dass wir Vegetarier sind 😋. Wir zeigen, dass wir nichts haben und sie ziehen ab. Gerade freuen wir uns, dass wir die Hundesache gut im Griff haben, Bang: Sieben Welpen am Straßenrand. Wieder philosophieren wir darüber, welche Möglichkeiten es zur Eingrenzung gibt. Letztendlich vermehren sie sich solange es für alle Nahrung gibt. Und Futter gibts hier genug. Manchmal auch in Form von rumliegenden abgetrennten Hühnerfüßen- und köpfen. Richtig gehört, sowas liegt hier einfach am Straßenrand rum.

Wir laufen durch die kleinen Gassen zurück nach Hause. Die Gassen sind umrandet von roten Gaspipelines. Die meisten Häuser, so auch unsere Unterkunft, werden mit Gas warmgehalten und es wird damit gekocht. Allerdings wird die Zufuhr zu den Heizungen, dem Warmwasser oder der Piezozündung am Ofen, mit Strom betrieben und so ist es kalt, als wir nach Hause kommen (Immer noch Stromausfall). Wir machen uns warme Gedanken. Nach zwei Stunden ist der Strom wieder da. Perfekt. Es gibt doch noch Apfelstrudel. Er gelingt. Wir freuen uns wie Kinder zu Weihnachten, als wir unserer Vermieterin den Strudel rüberbringen. Unsere Begegnungen mit ihr bestehen einzig aus gegenseitigem Grinsen und nickenden Bewegungen. Definitiv herzlich und äußerst weird.

Abends besprechen wir unsere Weiterreise. Iran, Russland und Aserbaidschan fallen raus. Wir haben viel recherchiert. Einige Reisende sind mit Auto oder Fahrrad und einem Transitvisum durch Russland oder nach Baku in Aserbaidschan gereist. Dies ist schon ein paar Monate her. Für diese Länder gibt es Reisewarnungen und unterschiedliche Berichte im Internet. Zudem haben wir auch die Probleme der Sprachbarriere in den letzten Monaten kennengelernt. Wir sind unsicher und definitiv noch nicht erfahren genug. Für uns ist Trampen schon aufregend 😅 Wir recherchieren weiter. Auch wenn wir es eigentlich vermeiden wollten, entscheiden wir uns im nächsten Schritt zu fliegen. Von hier aus ist Nepal recht teuer. Kasachstan, Vietnam und Bangkok sind auf unserer Liste und im Preisrahmen. Da wir nun eh fliegen, entscheiden wir uns für Wärme. Vietnam fällt raus, da wir uns im Oktober dort mit Freunden treffen wollen. Bleibt noch Bangkok Baby. Wir buchen! Ab 14.03. machen wir Thailand unsicher. Whoop, whoop! Mal schauen ob wir auch „ne Dschungelkatze im Bad“ finden 😜. Mit Vorfreude im Bauch gehts ins Bett.

Da wir gestern faul waren, sehnen wir uns heute nach Bewegung. Wir suchen eine Wanderung raus in ein kleines Dorf namens Sno. Im Dorf stehen ein paar Skulpturen, die wir uns anschauen wollen. Auf dem Weg dahin kommen wir an einigen Ruinen und einem Pool vorbei. Der Weg führt uns auf die andere Seite von Kazbegi direkt entlang der Bergkette. Als wir die Stadt und die Müllhalden hinter uns lassen, finden wir uns auf einer prärieähnlichen Landschaft wieder. In den Hängen der Berge stehen einige Wildpferde. Ein schönes Gefühl. Wir kommen zum Mineral- und Swimmingpool. Der Pool ist voller Algen. Im Sommer ist hier wohl die ganze Stadt schwimmen. Dass das Wasser mineralhaltig ist riechen und sehen wir. Der Zufluss von der Quelle zum Pool ist defekt und daher strömt das Wasser in alle Richtungen. Die Pflanzen und der Boden sind weiß von den mineralischen Ablagerungen. Natürlich wären wir nicht Christian und Jana, wenn wir nicht versuchen würden, das Rohr zu reparieren. Einer hebt das Rohr an, der andere schiebt es an die richtige Stelle, flux ein Stein drunter, fertig. Mission Complete. 🕶️

Auf den vertrockneten Rasenflächen schauen überfall kleine Krokusblüten aus dem Boden. Der Frühling ist auch im Kaukasus angekommen. Der ruhige Weg abseits der Hauptstraße ist verlassen. Wir genießen die Ruhe. Als wir das Village-Fortress Oldfansheta (Ruine im Berghang) erreichen, wollen wir natürlich auch hochlaufen. Zwei Dorfbewohner halten uns auf und signalisieren uns, dass wir da nicht lang können. Ok, dann die nächste Straße rein. Die ältere Dame läuft uns hinterher und hält uns erneut auf. Sie spricht kein Wort englisch. Mit Händen und Füßen erklärt sie uns, warum wir nicht zum Burgturm dürfen. Verstanden haben wir, dass es dort einen bissigen Hund gibt und es gefährlich ist. Wir vertrauen und lassen den Turm hinter uns. Nach ein paar Kilometern endet der Weg in Kuhkacke vor einem Zaun. Googlemaps weiß das wohl noch nicht. Bei genauerem Hinschauen sehen wir unseren Weg auf der anderen Seite. Wir haben die Wahl zwischen 2 km zurücklaufen oder im Kuhhaufenslalom über die Weide. Wir sind faul und gehen über die Weide.

Wir kommen an einen Bachlauf und folgen diesem. An Mooren und Höhlen im Felsmassiv vorbei erreichen wir die Brücke über den Fluss Terek. Auf der anderen Seite biegen wir in ein weiteres Tal Richtung Sno ab. Sno liegt kurz vor dem Nationalpark Kazbegi. Wir müssen wieder Straße laufen, da es keine Wander- oder Fußgängerwege an den Seiten gibt. Die Straße ist zum Glück wenig befahren. Auf einem Verkehrsschild sehen wir Einschusslöcher. Waffen selbst haben wir in Georgien noch nicht gesehen. Als wir an den Skulpturen in Sno ankommen, sind wir bereits 13,5km unterwegs. Die riesigen Köpfe aus Stein gehauen wirken bizarr. Sie sehen aus wie römische Götter.

Zurück entscheiden wir uns die Hauptstraße zu laufen, da wir dadurch locker 4km sparen. Es ist nicht unbedingt ungefährlich. Die LKW preschen hier durch. Die Autos schlengeln sich an allen Seiten vorbei etc. Kaum drei Schritte auf der Straße gelaufen, hält ein Delica neben uns an. Der Fahrer nimmt uns mit bis Kazbegi. Jackpot. Hitchhiking funktioniert hier super, auch ohne Daumen raushalten. Man passt halt auf einander auf.

Abends kochen wir uns leckere Nudeln mit Tomatensoße. Mit dem Rest der weißen Cremesoße aus der Tüte. Christian meint noch: Hoffentlich ist die noch gut. Es riecht gut und wird verarbeitet. Schmeckt lecker. Die Keule kommt bei Jana direkt zwei Stunden später. Hämmernde Kopfschmerzen des Todes und Bauchweh. Die Nacht wird für uns beide anstrengend.

Wie befreiend ist es bitte, keine Schmerzen mehr zu haben!? Am nächsten Morgen geht es Jana wieder gut. Draußen ist es nebelig, daher entscheiden wir uns, die geplante Wanderung um einen Tag zu verschieben. Nachmittags fängt es an zu schneien und wir gehen doch noch raus. Ein letztes Mal Winter für die nächsten Monate.

Da wir durch die noch vorhandene Schneedecke nicht richtig hoch auf die Berge können, bleibt uns hier nicht viel zum Wandern. Wir haben hier gefühlt schon alles abgegrast. Wir freuen uns darauf bald wieder einen Tapetenwechsel zu bekommen. Heute laufen wir aber nochmal unseren kleinen Berg Elias nach oben. An den Hängen vorbei können wir in der Schneedecke Fußspuren mitten im Berg sehen. Diese führen zu einer Turmruine. Diese stehen hier in regenmäßigen Abständen im Bergmassiv. Wir sind neugierig. „Wenns nicht weiter geht, gehen wir halt zurück.“ Also stapfen wir durch den hohen Schnee. Ab und an sacken wir bis zu den Knien ein. Der Hang an dem wir wandern wird immer steiler, doch die Schneedecke hält. Also weiter. Unter der Schneedecke befindet sich loser Schiefer. Das können wir an einigen freieren Stellen sehen. Auch als uns ein alter Flusslauf den Weg erschwert. Wir schauen uns genau an, wie wir rein und vor allem wieder rauskommen und klettern den kleinen Abhang runter und wieder hoch. Ein weiteres Schneefeld und noch steiler. Natürlich. Am nächsten Hang gehen wir noch hoch, dann kapitulieren wir. Der nächste Bereich wird noch steiler und unsicherer. Man darf auch mal auf seine Vernunft hören.

Trotzdem haben wir uns ein leckeres Abendessen verdient. Wir landen im Khevi. Bis auf Khinkali hat das Restaurant typisch georgische Gerichte. Super lecker. Voll gefressen – wir haben vielleicht zu viel bestellt – quälen wir uns den Weg zur Unterkunft hoch. Wir genießen den Abend und schlafen gegen 24Uhr ein. Oder auch nicht. Obwohl der Ort sehr ruhig ist und die Wohnung richtig gemütlich und schön, kommen wir nicht richtig zur Ruhe. Wir können ewig nicht einschlafen und wenn, dann schlafen wir bis 11Uhr vormittags. Das nervt uns irgendwie. So richtig verstehen wir auch nicht warum das so ist. Eine Überlegung ist, dass wir die drei Stunden Zeitverschiebung noch nicht verarbeitet haben 😅

Am nächsten Tag werden wir nicht so richtig wach. Heute ist der letzte Tag in Kazbegi, doch es zieht uns nicht raus. Wohin auch? Wir haben alles was zu dieser Jahreszeit möglich ist in der Gegend gesehen. Nochmals mit der Marshrutka in einen anderen Ort reizt uns nicht. Wir bleiben heut in der Unterkunft und buchen die nächsten Übernachtungen für Tiflis und Bangkok. Unsere verblümte Idee: Ab jetzt wird alles günstiger! Wir hatten schon mitbekommen, dass Bangkok in den letzten Jahren teurer geworden ist, aber unsere Vorstellung war trotzdem etwas anders. Luxus zum Sparpreis is nich mehr. Wir finden dann eine Unterkunft für knapp 40EUR die Nacht inkl. Frühstück. Naja es würde auch günstiger gehen. Nach dem Erlebnis in Kutaisi, wollen wir uns die Hostels nun aber erst vor Ort anschauen, bevor wir buchen.
Resteessen, Sachen packen und eine letzte Nacht in Kazbegi. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal herkommen im Frühjahr oder Herbst, irgendwann und dann auch im Nationalpark wandern. Morgen geht es erstmal nach Tiflis.

Aufstehen, duschen und packen. Alles läuft routiniert ab. Wir verabschieden uns von unserer Vermieterin. Sie bleibt draußen stehen und winkt uns noch ein bisschen hinterher. Einfach herzlich. Pünktlich 15 Minuten vor Abfahrt sind wir am Maschrutka. Alles läuft. Außer uns sind noch zwei Männer im Minibus. Dem Fahrer sind es anscheinend zu wenig Mitfahrer und daher dürfen wir noch eine ganze Stunde länger in Kazbegi bleiben. Zu unserem Glück tauchen noch zehn weitere Mitfahrer auf, sonst hätten wir vermutlich noch eine Stunde gestanden. Wenigstens zahlen wir nur 15GEL pro Person (Nicht 50 GEL p.P. wie auf dem Hinweg). Mit uns fahren noch zwei deutsche Backpacker. Sie verkriechen sich in ihre eigene Welt und setzen Kopfhörer auf. So ergibt sich leider kein Gespräch zwischen uns. Das erste Mal, dass wir seit Serbien, deutsche Reisende treffen.

Winkamaaaa.. CU Kazbegi

Wir kommen heil mit dem gesamten Gepäck in Tiflis an. Reisen kann so einfach sein. Natürlich landen wir wieder am anderen Ende der Stadt. Ganze 7,5 km bis zur Unterkunft. Das Wetter ist schön und wir haben noch nichts gegessen, also laufen wir wieder und suchen unterwegs ein nettes Restaurant. Frühstück lohnt sich um 15 Uhr nicht mehr. Daher gibt es eine georgische Platte für 2-3 Personen. Den Rest nehmen wir für abends mit. Das Hotel ist an einer Hauptstraße in der Altstadt. Das Zimmer ist ausreichend komfortabel. Wir freuen uns darauf, Tiflis morgen zu erkunden.

Stroll on
Christian & Jana









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