Reisewoche #17

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29.04. – 05.05.2024

„Der Körper ist wie ein Klavier und Glück ist wie Musik. Es ist wichtig, dass das Instrument in gutem Zustand ist.“

Henry Ward Beecher

Audio zur Reisewoche #17

Der Tag fängt mit einem erfrischenden Telefonat mit unserem Freund Kay an. Das tut uns beiden zwischendurch sehr gut.

Nachdem die Erkältung von Jana abgeklungen ist, haben wir uns entschieden den Tauchbasiskurs zu absolvieren. Wenn uns das Schnupper-Tauchen zusagt, dann wollen wir einen Open Water Tauchschein machen. 🤗 Wir haben dafür den Aufenthalt auf Koh Tao verlängert. Im KoPPee – unser aktuelles Stammlokal – stellen wir den letzten Reisebericht und eine Kurzgeschichte für einen Schreibwettbewerb fertig. Nach einem Kaffee gehen wir in die Tauchschule New Heaven. Nach einer freundlichen Begrüßung, buchen wir für 3.500 Baht pP (88,65 EUR) den SCUBA-Schnupperkurs inkl. Fundive. Man, was freuen wir uns auf morgen. Den restlichen Tag verbringen wir mit leckerem Essen und chillen am Pool. Christian übt fleißig das Tauchen ohne die Nase zuzuhalten.

Tauchtag. Wir sind ein bisschen aufgeregt. Nach dem Terrassen-Frühstück gehen wir rüber. Um 11Uhr startet der Tauchkurs. Unser Tauchlehrer NT (wir haben uns seinen Namen nicht gemerkt, weil wir so aufgeregt waren und kennen nur sein Kürzel, sorry), drückt uns eine Tasche in die Hand mit einem Buchstaben darauf. Dann fängt er an das Tauch-Equipment zusammen zu suchen. Das Equipment besteht aus:

  • BCD (Tauchweste)
  • Tauchbrille
  • Atemregler (Lungenautomat mit Oktopus)
  • Finnen (Flossen)

Auf einen Wetsuit verzichten wir, da das Wasser wirklich warm ist. Auch noch bei 7 – 9 m unter der Oberfläche. Wir stehen auf einem Plateau direkt am Strand. Um uns rum wuseln andere Tauchschüler und sammeln ihre Sachen ein. NT erklärt uns wie der Auftriebskontrollregler am BCD funktioniert und wann wir ihn benutzen. Luft einblasen erst an der Oberfläche. Zum Abtauchen Luft rauslassen. Anschließend lernen wir alle wichtigen Unterwasserhandzeichen zur Verständigung. Zu den Zehn, die wir im Schnelldurchlauf lernen, gibt es noch unzählige mehr. Allein um Tiere zu beschreiben gibt es weitere 32. Direkt danach erklärt er, wie wir den Atemregler einsetzen und was die Druckanzeige am Atemregler zeigt, ab 50Bar sollte man seinem Tauch-Buddy bescheid geben und langsam auftauchen. An Board erhalten wir noch Gewichte, sagt NT. Nach ca. 15 Minuten packen wir alles zusammen und gehen ins anliegende KoPPee, setzen uns an einen Tisch und bekommen noch den theoretischen Teil zu unserem Basiskurs.

Wir erhalten von NT die wichtigsten Überlebenslektionen. Spaß? Nee nacktes Überleben und dann kommt irgendwann Spaß 😅 Unsere Lektionen sind:

  1. Ein- und Ausstiegstechniken, ins Wasser, im Wasser und aus dem Wasser raus)
  2. Regulierung der Atmung, auf keinen Fall Luft anhalten. Bei Verlust des Atemreglers, Luft langsam mit gespitztem Mund ausatmen. Sowie 3 Sekunden ein- und 4 Sekunden ausatmen
  3. Atemregler-Reinigung, nach dem Verlust des Reglers unter Wasser oder im Wechsel mit jemandem, muss der Regler einmal ausgeblasen werden, da man sonst Wasser einatmet. Das geht mit dem Mund (Auspusten) oder mit dem Purge (Auf den Regler drücken)
  4. Atemregler-Rückholung, der Arm schwingt nach hinten am Oberschenkel, der Flasche vorbei nach oben. Dann liegt der Regler wieder auf der Schulter und kann genutzt werden.
  5. Maskenreinigung unter Wasser, einatmen, zwei Finger üben Druck auf den oberen Rand der Brille aus, Kopf anheben und durch die Nase ausblasen. 
  6. Stationäre Lufverteilung, jemandem geht die Luft aus und sucht nach Hilfe. Der Taucher wird gehalten und der zweite Atemregler zur Verfügung gestellt. Langsam zusammen aufsteigen. 
  7. Ausgleichstechnik
  8. Auftriebskontrolle 
  9. Neutraler Auftrieb (Tauchposition) 
  10. Kontrollierter Aufstieg, langsam, ruhig, mit langsamen Flossenschlägen

Und alles gemerkt? Ja, wir auch nicht unbedingt alles. Das ist eine Menge Input für ein Schnuppertauchen. Aber im Fall der Fälle rettet es Leben. Er erklärt uns noch die drei Übungen, die wir Unterwasser machen werden. Nummer drei und vier, sowie Nummer sechs. Alles klar. Wir füllen noch ein Quiz zu dem soeben gelernten aus. Jetzt heißt es Sachen schnappen und ab aufs Boot. Kurz wird es hektisch. Dann sitzen wir in einem Taxi-Boot mit einem riesigen Motor und einer langen Winde inkl. Schraube und schippern über das flache Wasser. Es ist Ebbe. Am Tauchboot angekommen, heißt es Sachen überladen und auf die restlichen Taucher warten.


Das Boot schippert mit uns in die Aow Luek Bay. Auf dem Weg dahin lernen wir von NT, wie wir unsere Luftflasche kontrollieren, den Atemregler (Oktopus) anschließen und riechen, ob die Luft darin noch gut ist. Wenn sie sauer oder nach Schwefel riecht, auf gar keinen Fall abtauchen damit. Dann erklärt er uns, wie wir ins Wasser gelangen. NT händigt uns die Gürtel inklusive Bleigewichte aus. Einmal 3 und 4 Kilo. Wir gucken uns kurz skeptisch an, vertrauen dann aber NT. Er weis was er tut.

Wir ankern. Trubel bricht aus. Jeder möchte als erstes ins Wasser. Dann sind wir dran. Gürtel umschnallen. BCD samt Luftflasche anziehen, aufblasen und etwas Luft wieder rauslassen. Beim Aufstehen mit den Flaschen hilft uns die Boardcrew. Maske aufsetzen. Zum Ausstieg laufen. Atemregler in den Mund. Flossen anziehen. Auf den Ausstieg steigen. Rechte Hand über Maske und Regler legen. Linke hält den Bleigürtel fest. Blick zum Horizont. Rechte Fuß nach vorne und einen großen Schritt machen. Mit dem linken Fuß leicht abstoßen. Plums. Um uns rum, Blasen. Wieder an der Oberfläche BCD aufblasen und rücklings treiben lassen, bis alle bereit sind. Den ersten Step haben wir gemeistert. Wir sind im Wasser. 🤗

In der Tauchschule hatte der Inhaber uns erzählt, dass wir die ersten Unterwasserübungen am Strand durchführen, im seichten Wasser. Da der Strand voll ist, bleiben wir beim Boot und halten uns an dem Ankertau fest. Mit zwei Kopf unter Wasser führen wir nach einander die Übungen aus dem Theorieunterricht durch. Atemregler aus dem Mund nehmen, ausatmen, Regler wieder in den Mund, auspusten und dann erst einatmen. Danach die Übung, Atemregler-Rückholung. Beide meistern wir die Übung. Dann macht NT mit Christian die Übung stationäre Luftteilung. Er simuliert, dass ihm die Luft ausgegangen ist und Christian gibt ihm den zweiten Regler etc. Jana beobachtet die Szenerie und spürt, dass sie gesättigt ist. Sie braucht eine Pause. 😑 Gerade erst Atmen unter Wasser verinnerlicht, dann Regler mehrmals aus dem Mund und wieder einführen. Sie zeigt, dass sie hoch möchte. NT hält sie fest mit Blick auf Christian. Jana zeigt wieder sie will hoch, NT hält sie weiter fest. Panik steigt in ihr auf. Es sind nur zwei Kopf unter Wasser, aber das Gefühl nicht auftauchen zu können, wenn der Wille da ist. Schwierig. An der Oberfläche sprechen wir alle über die Situation. Mit NT gehen wir die Simulation erneut in Theorie durch, dann geht es wieder unter Wasser. Jana geht die Übung mit NT durch und es klappt direkt beim ersten Mal.

Wir sind nun bereit weiter runter zu gehen und hangeln uns entlang des Taus nach unten. Schritt für Schritt. Druckausgleich. Weiter runter. Druckausgleich usw. Das passt. Bis Jana den Druckausgleich auf dem rechten Ohr nicht mehr hinbekommt. Wieder ein Schritt zurück. Druckausgleich. Weiter. Unten übt NT mit Christian die ersten Schwimmbewegungen und das unter Wasser „stehen“. Jana hängt immer noch am Tau und versucht den Druckausgleich. Sie beobachtet alles. Dann wird es auf einmal zu viel. Sie möchte hoch und versucht sich bemerkbar zu machen. Wackelt am Tau, macht Geräusche, NT bemerkt es erst nicht. Als sie dann langsam von selbst am Tau entlang aufsteigt, wird er aufmerksam und alle tauchen auf. An der Oberfläche fragt NT direkt, ob Jana auf das Boot zurück will. Jetzt ist sie vollends verunsichert. Christian spricht mit ihr, dass sie sich Zeit lassen soll. Unsicher und vor dem Hintergrund, dass vermutlich nicht mehr viel Zeit ist, entscheidet sich Jana dafür, aufs Boot zu gehen. So kann wenigstens Christian mit NT noch üben. Enttäuscht schwimmt sie zum Boot zurück.

Christian zieht die Übungen durch und meistert die ersten Schwimmversuche unter Wasser. Dann kommen sie an Board zurück. „Wahnsinn, du bist getaucht.“, ruft Jana Christian entgegen. Wir packen alle drei unser Mittagessen und gehen auf die zweite Etage des Bootes. Dort sitzen wir, Essen und eruieren den ersten Tauchgang. Jana erklärt die Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich im rechten Ohr und dass die Übungen für sie zu schnell hintereinander waren, ohne Verarbeitungspause. NT erklärt erneut, wie der Druckausgleich funktioniert und dass die Schiffe einen straffen Zeitplan haben, also keine Zeit für Pausen oder Auftauchen ist. Ok, verstanden. Zu dem erklärt er nochmal die Bewegungen des Körpers unter Wasser. Nach einer halben Stunden Pause geht es zum zweiten Tauchgang. Dem Fun-Dive. Dafür sind wir in die Shark-Bay geschippert. Flasche tauschen, Kontrolle und ab ins Wasser. NT steckt Jana und Christian jeweils noch ein Kilo Gewicht zu. Wir hangeln uns an dem Bootstau Stück für Stück runter. Der Druckausgleich funktioniert auch bei Jana besser, da sie effektiver presst. (Spoileralarm: Das wird sie noch bereuen 🫣). Am Boden nimmt NT uns beide an die Hand und schwimmt mit uns los. Der Hamma. So Crass. Da sind wir nun und schwimmen, also gleiten, durch die Unterwasserwelt.

Wir kommen an mehreren Metallgerüsten an, auf denen Korallen angesiedelt sind. Diese Welt wirkt mystisch und voller Geheimnisse. NT lässt Christian und Jana los. Jana schwebt wie ein Ballon nach oben. Christian hält sich gerade eben. So bleibt Jana erstmal an der „Leine“ bei NT und Christian übt fleißig das Schwimmen, was tatsächlich nicht so einfach ist. Immer wieder sackt Christian ab oder steigt auf. Jana beobachtet und möchte auch Schwimmen üben. Sie befreit sich aus NTs Griff und versucht zu signalisieren, dass sie auch üben möchte. Dabei steigt sie erneut wie ein Heißluftballon auf 😂. NT zieht sie wieder runter. NT fuchtelt mit den Armen eines von vielen Handzeichen. Jana hat keinen Plan was NT will. Ah.. ausatmen! Ausatmen ist sinken und einatmen steigen. Also atmet Jana aus, Christian ebenfalls und beide sinken ein Stück ab. Dann schwimmen wir weiter. Aus irgendeinem Grund atmen wir mehr und länger ein, als aus. Unbeholfen wie Kaulquappen treiben wir von unserem Dompteur gesteuert dahin. NT hat alle Hände voll zu tun. Jana unten halten und Christian über Handzeichen Schwimmen beibringen.

Immer wieder zeigt NT Jana seine Arme und schlägt darauf. War das ein Zeichen, was soll sie tun. Sie versteht ihn nicht. Jana signalisiert, dass sie aufsteigen möchte. Boah war das cool. NT fand es nicht cool, wir können nicht immer aufsteigen und haben nur noch 15 Minuten. NT erklärt, dass Jana zu angespannt ist und deshalb immer aufsteigt. NT fragt Jana ob sie zum Boot möchte. Christian sagt, komm wir tauchen noch einmal ab. Jana hat keine Ahnung, was genau los ist. Sie war schon tauchen und das war großartig. Heute klappt es irgendwie nicht. Damit wenigstens Christian den Kurs noch voll auskosten kann, schwimmt sie zum Boot zurück und NT taucht mit Christian wieder ab.

An Board, zieht Jana schnell alles aus, schnappt sich die Taucherbrille und Flossen und hüpft wieder ins Wasser. Sie versucht die beiden zu finden, um von oben beobachten zu können. Fehlanzeige. Das Schwimmen und Schnorcheln genießt sie in vollen Zügen und beobachtet andere Taucher unter sich.

Christian lernt derweil, wie er sich unter Wasser fortbewegen kann. Das klappt kontinuierlich besser. Und dann sieht er noch einen riesigen Kugelfisch. Völlig unbeeindruckt treibt der etwa 80cm große Fisch im Wasser. So cool. Die verbleibende Unterwasserzeit vergeht viel zu schnell und nur einen Augenblick später finden wir uns alle auf dem Tauchboot wieder.

Wir hatten einen schönen Tag und haben beide auf verschiedene Weise Grenzerfahrungen gemacht. Christian hat eine Grenze überschritten und für sich den Ozean erobert. Jana eine Grenze gefunden, die es gilt aufzuklären. Einen Open-Water-Schein machen wir auf Koh Tao nicht. Wir werden noch einen Schnupperkurs an einem anderen Ort machen und das Erlernte vertiefen. Dann werden wir über einen Tauchschein erneut nachdenken. Völlig geschafft und glücklich sprechen wir über die abgefahrene Erfahrung und gehen zufrieden ins Bett. Die Nacht ist für Jana nicht so gut. Sie lag mit Ohrenschmerzen wach. 🤒

B-DAY. Jana hat Geburtstag und was gibt es schöneres, als den Geburtstag im Medical-Center zu verbringen? Vermutlich einiges. 🤣 Doch was wären wir für Weltreisende, wenn wir nicht auch die medizinische Infrastruktur eines Landes kennenlernen. Die Ohrenschmerzen sind zu stark, um sie ignorieren zu können. Wie in der Hochburg der Skigebiete, der Schweiz, überall Spezialisten für Brüche jedweder Art zu finden sind, gibt es auf Koh Tao, der Insel für Taucher und Schnorchler, natürlich auch für Ohren Spezialisten. So auch diese Ärztin. Wir melden uns an und warten eine Stunde. Die freundliche, total übermüdete, Ärztin ruft: Jjjan…chan.. Jana. Jana erklärt, was sie hat. Die Ärztin gähnt und drückt ihr ein Handy in die Hand und ein Otoskop ins Ohr. Über das Handy können Christian und Jana sehen, wie es um ihr Ohr steht. Rot. Die gute Nachricht, dass Ohr muss nicht amputiert werden. Obwohl, so ein cooles Mister Gadget Cyberohr, hätte auch was. Die schlechte Nachricht: Barotrauma. Zur Erklärung, wer keine Lust auf selbst googeln hat: Ein Barotrauma ist eine Verletzung, die durch Änderungen des Umgebungsdrucks und dessen Auswirkungen auf Luft- oder gasgefüllte Hohlräume und deren Hüllen bei Lebewesen einschließlich des Menschen verursacht wird. Kurz und einfach ausgedrückt: Durch den Schnodder der Erkältung war ein größerer Druck für den Ausgleich nötig, um das Trommelfell zurück zu drücken. Ergebnis: blauer Fleck, Schwellung und Entzündung.

Janas erstes Geburtstagsgeschenk ist eine Tüte voller Medikamente. Ein Traum wird wahr. Vier verschiedene. Die Ärztin hat sich viel Zeit genommen und alles genau erklärt. Wirklich super. Für alles inkl. Medikamente, die wir direkt von der Ärztin erhalten, zahlen wir 2.600 Baht (65,74 EUR) und dürfen nun auch unsere Auslandskrankenversicherung testen. 😉

Nach einem kräftigen Frühstück laufen wir noch zur ansässigen Polizei, um eine Kreditkarte abzugeben, die wir vor ein paar Tagen gefunden hatten. Über Facebook und die Gruppe: Koh Tao Lost & Found hatten wir keinen Erfolg, aber den Tipp bekommen die Karte der Polizei auszuhändigen. In dem Office sitzen zwei Polizisten. Beides durchtrainierte Bootcampabsolventen. Der jüngere „Bruce Lee“ nimmt uns die Karte ab und sagt, dass er sie bei Facebook in eine Gruppe stellen würde. So lustig. Wir erklären unseren Versuch. Lachen und verabschieden uns respektvoll. Den Rest des Ehrentages verbringen wir mit fröhlichen Telefonaten, leckerem Essen und Kuchen von Croissants & Ko, sowie einer wohltuenden Ölmassage. Die Massagen hier sind so gut. Wenn wir fertig durchgeknetet sind, schauen wir uns immer sabbernd und verschlafen an. Wirklich entspannend. Der Rest des Tages verläuft mit einem entspanntem Lächeln im Gesicht.

Am nächsten Tag machen wir nichts. Gar nichts. Ende 🤪 Ok. Stimmt nicht ganz. Wir haben den 02.05. und in zwei Tagen verlassen wir Koh Tao, daher wird es Zeit die Überfahrt und Unterkunft auf Koh Lipe zu buchen. Natürlich geht das nur im KoPPee bei leckeren Shakes.

Den letzten Tag auf Koh Tao wollen wir damit verbringen noch ein bisschen rumzucruisen. Wir kennen zwar schon fast alle Flecken hier, aber Scooter fahren geht immer. Außerdem sind Christians Schuhe, die wir auf Koh Lanta gekauft hatten, hinüber. Bei einem fehlt die komplette Sohle und der andere sieht aus, als ob die Sohle geplatzt wäre. Wir leihen uns einen Roller im Hotel und ziehen los. Nachdem wir am Sairee Beach in sieben Läden waren und uns schon gefragt haben, ob denn hier niemand Schuhe kauft, bekommen wir einen Tipp und finden ein Schuh-Billig-Geschäft. Besser als nichts. Wir werden fündig. Tag1 des dritten Paars beginnt. Wer möchte mit uns wetten, wie lange dieses hält. 🤭

Wir haben die Tendenz, immer zur Mittagssonne loszukommen, daher gehts nochmal zurück ins Hotel. Nach einer einstündigen Hitzepause wollen wir zu einem Viewpoint. Am Scooter angekommen sehen wir, dass das Vorderlicht gebrochen, der Lack drumherum zerkratzt und auch das Luftfiltergehäuse beschädigt ist. Verdammt. So ein scheiß. Wir gehen auf die andere Straßenseite zum Hotel-Manager/-Rezeptionisten. Wir zeigen ihm alles und erklären, dass jemand den Scooter umgeworfen haben muss. Er erklärt uns, dass das nicht hier passiert sein kann, dass hätte er mitbekommen. Er inspiziert alles und meint, dass wir „nur“ für die Vorderlampe aufkommen müssen. „Nur“ ist in dem Fall 3.000 Baht (75,80 EUR) wert. Für uns ist das mehr als ein ganzer Tag Weltreise. Ärgerlich. Der Manager gibt uns den Tip, dass wir zurück zum Sairee Beach fahren können, um nach Kameras Ausschau zu halten oder vielleicht Zeugen.

Also fahren wir erneut zum Parkplatz. Der Roller von zuvor, der sehr dicht an unserem stand, steht immer noch an Ort und Stelle. Wir inspizieren den Tatort und finden schwarze Kratzer an der Mauer. Das ist der Ort des Geschehens. Keine Kameras, keine Zeugen. Der Rollen neben uns ist ein Mietfahrzeug. Wir machen Fotos und fahren zur Vermietung. Dort schildern wir unser Anliegen. Die Dame telefoniert. Ernüchternd erklärt sie, dass es jeder hätte gewesen sein können. Wir erkennen, dass wir auf den 75 EUR sitzen bleiben. Einen Versuch wagen wir noch und hinterlassen einen netten Zettel am Scooter.


Weiter ärgern wir uns nicht. Wir freuen uns, dass es „nur“ ein wenig Geld ist und ziehen weiter. Der abenteuerliche Weg durch den Dschungel hebt unsere Stimmung immens. Wir fahren an so vielen Viewpoints vorbei, dass wir Mühe haben uns zu entscheiden. Hinter uns fährt ein PickUp, der Wasser liefert. An einer Kreuzung, an der fünf verschiedene Viewpoints angezeigt werden. Zeigt er auf ein Schild und grinst. Schulterzuckend entschließen wir uns, seinem Rat zu folgen.

Atemberaubend. Wir werden nicht enttäuscht. Nachdem wir 100 Baht Eintritt zahlen, inkl. Freigetränk, machen wir es uns auf einem Holzplateau in Hängematte und Liegekissen bequem und genießen die Aussicht. Eine kleine Katze gesellt sich zu uns und schmust und spielt abwechselnd mit uns. Vor uns erstreckt sich in verschiedenen Grüntönen der Dschungel. Palmen mischen sich mit tropischen Bäumen an dessen Ästen Lianen herunterhängen. Dahinter der türkiesfarbene Golf von Thailand und ein schmaler Streifen hellbrauner Strand. Wir lassen die Seele baumeln. An solchen Orten vergisst man Raum und Zeit.


So lange, bis weitere Touristen auftauchen und uns auf die Erde zurückholen. Wir verlassen vor Sonnenuntergang den Viewpoint, um den Abend bei Sonnenuntergang am Strand ausklingen zu lassen. Danach heißt es Sachen packen. Morgen gehts nach Koh Lipe.

Um 10 Uhr checken wir aus. Unsere Nachtfähre nach Surat Thani legt um 21Uhr ab. Wir müssen demnach 11 Stunden überbrücken. Den Tag verbringen wir in verschiedenen Cafés und Bars. In einem beobachten wir, wie ein Thai einen anderen Scooter umwirft, aufhebt und wegfährt. Anscheinend ein alltägliches Geschehen. Gegen 20 Uhr erhalten wir unsere Tickets. Wir haben wieder über 12GOAsia gebucht und für die 18 Stunden Überfahrt haben wir 6.460 Baht (151,58 EUR) bezahlt. „Second Boat“ wird uns gesagt. Es liegen drei im Hafen, daher einfach zu finden. Das Schiff ist eine große Fähre, die unter anderem auch Autos, Scooter, Post und Müll auf die andere Seite bringt. Direkt bei Ankunft werden unsere großen Backpacks abgenommen und in einem Raum gelegt. Ohne Markierung o.ä.. „Trust the Process“ (Vertrau dem Prozess) ist definitiv eine Sache, die wir auf Reisen gelernt haben. Auf unseren Tickets stehen Platznummern. Der Portier des Schiffes erklärt uns, dass wir Schuhe ausziehen müssen und wo sich unser Schlafsaal befindet. Es gibt zwei durch Klimaanlage tiefgekühlte Schlafsäle mit ca. 25 Doppelstockbetten und zwei VIP-Cabinen. Die beiden Toiletten sind super sauber und geräumig. Wir lassen unsere Betten erstmal links liegen und gehen nach oben an Deck.

Direkt vor dem Steuerraum lassen wir die Beine baumeln und beobachten den Ablegeprozess. Wir freuen uns riesig und entscheiden, so lange wie möglich hier oben zu bleiben. Nach einer Weile befinden wir uns auf dem offenen Meer und hören nur noch das gleichmäßige Brummen des Dieselmotors. Auch die Lichter der Krabbenkudder um uns herum verschwinden allmählich. Wir holen eine Decke und ein Kopfkissen aus der Kajüte und kuscheln uns aneinander. Bis ein Uhr schlafen wir an Deck, dann wechseln wir in den Tiefkühlschrank. Keine Ahnung, warum die Klima auf 24 Grad gestellt wird. Klingt für Euch erstmal warm, ist es hier aber nicht. Es ist arschkalt. Da eines unserer Betten von einer Blondine annektiert wurde, kuscheln wir uns zusammen in das Zweite.

Um 5Uhr geht das grelle Licht im Gemeinschaftsraum an. Laaaannnddd in Sicht! Naja eigentlich sind wir schon in einem Flusslauf und umgeben von Land. Übermüdet gehen wir an Deck, ziehen unsere Schuhe an und beobachten, wie wir anlegen. Unsere Backpacks können wir auch schon sehen. In Thailand läuft es immer gleich ab. An einem „Personen-Umschlagsplatz“ steht immer ein/e KoordinatorIn (Nimm das Söder 😏). Wir werden in Empfang genommen und gefragt wo wir hin wollen. Lipe. Ein anderer Taxifahrer bringt uns zu einem typischen Pickup mit überdachten Sitzplätzen auf der Ladefläche. Es sitzen bereits drei Reisende samt Koffer und Backpacks drin. Der Wagen ist voll. Na gut Einer geht noch. Oh.. ähm. Ja ok noch Eine inkl. Gepäck. Passt schon, wir quetschen. Wer mitgezählt hat, weiß, dass sich sieben Personen inklusive Gepäck auf der Ladefläche befinden. Der Fahrer sagt „Ten Person“. Was?? Wie soll das gehen. Was im ersten Moment unmöglich erscheint, funktioniert irgendwie. Wer Berührungsangst hat, ist hier falsch. Das gesamte Gepäck wird in der Mitte und auf dem Schoß gestapelt. Jeder muss irgendwas festhalten, so dass niemand erschlagen wird und ab geht die wilde Fahrt. Wo wir hinfahren wissen wir nicht. „Trust the Process“.

Wir landen wieder an dem Reiseoffice in Surat Thani. Das kennen wir bereits. Hier gibt es eine Toilette inkl. Kakerlake und Ameisen, Aufkleber für die Weiterfahrt (Die Tickets werden hier abgenommen) und einen 7Eleven neben an. Christian bekommt frischen Kaffee und wir teilen uns ein Milchbrötchen. Dann kommt ein Van nach dem anderen. Irgendwann ruft jemand „Lipe“ und unsere neue Reisetruppe nimmt Platz.


Da wir bereits einige Erfahrungen mit Fahrten in Thailand haben, wissen wir, dass die Fahrer zwischendurch ihre eigenen Geschäfte machen. Sie halten an um Kinder wegzubringen, Reparaturen zu organisieren etc. Dieser Fahrer hält im Nirgendwo mitten auf der Autobahn an, nimmt ein Handtuch, geht auf die andere Straßenseite, sucht den Straßengraben ab. Springt hinein und rollt etwas ins Handtuch. Dann wirft er das „Etwas“ samt Handtuch in den Fußraum. Wir fragen besser nicht. Ach und Pausen gibt es auch nicht. Egal, wir holen Schlaf nach.

Lipe liegt direkt vor der Straße von Malacca, in der Provinz Satun im Süden Thailands kurz vor der malaysischen Grenze. Satun ist wunderschön. Wir fahren durch dschungelbewachsene Berge, sehen wassergetränkte Wiesen auf denen Wasserbüffel grasen und überall gibt es Schilder mit dem Hinweis einer naheliegenden Höhle. Wir nehmen uns vor, diesen Teil Thailands sowie den Norden zu einer anderen Zeit zu erkunden. Nun geht es erstmal zum Pier, wo ein Speedboat auf uns wartet. Bei Ankunft heißt es Zeit für eine Pause, Essen und Toilette.

Oder auch nicht. Nach fünf Minuten sagt die nette Dame, die hier alles organisiert, dass wir auf das nächste Boot kommen. Abfahrt in 10 Minuten. Während Jana noch schnell zur Toilette sprintet, erhält Christian ein Ticket, auf dem sieben Personen stehen. Er läuft rum und versucht die Reisetruppe wieder zusammen zu sammeln. Teilweise haben sich einige Essen bestellt, dass sie nun bezahlen müssen, aber nicht essen können. Alle beisammen bekommen wir die Anweisung. Geht zum Pier. Die Dame meinte, sie komme nach. Kam sie nicht.

Orientierungslos stapfen wir mit der Truppe Richtung Pier und folgen den Schildern. Eine weitere Frau nimmt uns das Ticket ab und zeigt, dass wir uns anstellen sollen. Alles geht wieder sehr schnell. „Trust the Process“. Dazu müssen wir auf einmal nochmal 220 Baht pP (5,55 EUR) bezahlen, da Koh Lipe und das gesamte Archipel ein Nationalpark ist. Trotz des Gefühls, dass uns Geld aus den Taschen gezogen wird, zahlen wir. Sonst können wir anscheinend auch nicht auf die Inseln und vermutlich wird das Geld in Naturerhalt angelegt. Hoffen wir. Eine andere Frau drückt uns zwei Nummern in die Hand. Wir versuchen die Truppe zusammen zu halten. Das ist nicht einfach zwei diskutieren, da sie das Zusatzgeld nicht zahlen wollen, andere stehen schon in der Boardingschlage. Dann ruft ein Mann und zeigt, dass wir ihm folgen sollen. Wir folgen. Eine andere Frau ruft unsere Nummern auf und zeigt, dass wir uns anstellen sollen. Wieder eine andere nimmt uns fast zeitgleich die Nummern ab. Die Truppe ist auch wieder vollzählig und wir besteigen das Speedboot. Egal wie wuselig und schnell diese Prozesse sind. Irgendwie ist es doch gut organisiert und wir heizen mit vier Außenbordmotoren Richtung Koh Lipe.

Auf dem Weg dahin wird es kurz hektisch, da es anfängt zu regnen. Das jüngste Crewmitglied muss bei voller Fahrt aus dem Boot steigen, um von außen die Regenverkleidung zu befestigen. Hinter uns entsteht über dem offenen Meer ein Trichter aus den Wolken. Wahnsinn. Die restliche Fahrt ist fast langweilig 🤭

Koh Lipe hat keinen Pier. Nur ein paar Bootsstege aus luftgefüllten Pontons. Die sind allerdigs alle belegt. Unser Boot muss demnach nah an den Strand fahren und wir steigen durch das Wasser an Land. Barfuß mit Backpack auf dem Rücken wandern wir die Walkingstreet entlang zu unserem Hotel. Checken ein, machen uns frisch und suchen uns was leckeres zu Essen. Es ist 13:30 Uhr und wir haben bis jetzt nur getrocknete Mangostreifen zu uns genommen.


Auf den ersten Blick ist Lipe sehr klein und flach. Vor allem schmal. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir auf die andere Seite der Insel am Strand entlang und gönnen uns noch ein Eis. Zurück im Zimmer fängt es heftig an zu regnen. Für uns der erste Regen seit Monaten. Bevor wir mit Tante Brigitte telefonieren, wollen wir noch etwas Schlaf nachholen.

Irgendwie ist es nicht Janas Woche, was die Gesundheit angeht. Sie wacht mit hämmernden Kopfschmerzen auf und übergibt sich kurz danach mehrfach. Zum Glück nur an diesem Abend. Wir schlafen beide extrem gut und freuen uns auf die nächste Woche.

Stroll on

Christian & Jana

4 Antworten zu „Reisewoche #17”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    🐠..🐟..🐡 so cool…

    Danke, dass ich im Blog erwähnt wurde… 😅😊😘

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    1. Avatar von cjstrollaway

      ❤️

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  2. Avatar von Joda
    Joda

    wow, ihr schreibt super viel und sehr gut! Ich komme leider meistens nicht dazu, alles zu lesen. Aber heute hab diesen Beitrag 1,5h gelesen auf der Hin & Rückfahrt vom Klettern mit den anderen aus PB. Eure Abenteuer lesen sich wirklicht gut! Genießt die Inseln und gemeinsame Zeit. Es feut mich, dass ihr so gut klar kommt mit den vielen anderen kulturellen Herrausforderungen. Lg joda, mema, staubfinger, Robert und Dita

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    1. Avatar von cjstrollaway

      Hey Ihr lieben. Danke für das Feedback und wir freuen uns riesig, dass ihr die Reiseberichte lest. ❤ Hier in Ipoh (Malaysia) gibt es tatsächlich 2 Klettergebiete, die wir uns gern anschauen wollen. Wir grüßen Dich/Euch und freuen uns auf das gemeinsame Klettern mit Euch. LG Christian & Jana

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