03.06. – 09.06.2024
„Am Anfang glaubte ich noch, ich würde um die Kautschukbäume kämpfen, dann dachte ich, ich wolle den Regenwald Amazoniens retten. Mittlerweile weiß ich, dass mein Kampf dem Überleben der Menschheit gilt.“
von Chico Mendes
Das Frühstück zwingt uns aktuell früh aufzustehen. Immerhin sind die Ferien in Malaysia augenscheinlich zu Ende. So werden wir nicht vom Lärm auf dem Flur sondern vom Wecker geweckt. Beim Frühstück hören wir kurz in uns, um unsere Stimmung festzustellen: Wandertag!
Wir fühlen uns fit und sind guter Dinge heute wandern zu gehen. Das Wetter sieht zwar ungemütlich aus, aber darauf kann man sich hier echt nicht verlassen. Zur Sicherheit packen wir die Regenjacken trotzdem ein. Hochmotiviert starten wir Richtung Stadtzentrum. Der hier angelegte Park wird aktuell, keine Ahnung; Renoviert?! 🧐 Um einen Turm in der Mitte sind hier verschiedene Kinderspielaktivitäten installiert. An einem Häuschen lassen sich Dreiräder und andere Fahrzeuge ausleihen. Schade, dass wir schon etwas vor haben. Der Weg führt uns einmal über den Fluss am Sportplatz vorbei. Den Streichelzoo lassen wir rechts liegen und folgen einem schmalen, mit aalglatten Waschbetonplatten ausgelegten, Weg zu den Robinson Falls. Tatsächlich führt der „Wasserfall“ kühles Nass. Über einige Plateaus schnellt das Wasser Stufe für Stufe hinab. Es gibt ein kleines Häuschen um sich unterzustellen oder für das Picknick mit der Familie. Unter dichtem Moos versteckt entdecken wir den ausschlaggebenden Wegstein.
Dschungeltrail 8 liegt gut versteckt einige Stufen hoch zu unserer Linken. Der Name ist und bleibt für eine ganze Weile Programm. Es geht steil durch das Unterholz bergauf. Hier und da spülte Wasser Wurzeln frei die wir nun als Stufen nutzen dürfen. Ansonsten rutschen wir durch Laub und Sandsteinschlamm. Immer wieder haben wir das Gefühl den Weg für ein Stück zu verlassen. Umgefallene Bäume, über gewachsene Sträucher und andere Hindernisse zwingen uns nach „Umwegen“ Ausschau zu halten. Hier wurde schon lange nichts mehr freigeschnitten oder geräumt. Wir kreuzen noch ein matschiges Flussbett. Das lässt uns schon etwas stutzig werden. Im steilen Anstieg kommt uns ein Tourist entgegen der aussieht als hätte er sich verlaufen. Außerdem faselt er irgendwas von „da geht es nicht weiter“. Das lässt uns noch stutziger werden. Wir checken noch einmal Komoot; nein, wir sind auf dem richtigen Weg. Kurz vor dem heutigen Tagesziel stoßen wir auch noch auf ein unverständliches Schild. Es ist die Rede von einem Speicherwald, Weitergehen sei verboten. Wir befinden uns auf einem offiziellen Wanderweg und beim Besprechen des Wanderwegs mit unserem Hotelmanagement hat uns niemand von so etwas erzählt. Außerdem befinden wir uns nur wenige hundert Meter von unserem Tagesziel. Wir vermuten, dass der Bereich rechts vom Wanderweg gemeint sein muss und setzen unseren Weg fort. So gut wie möglich eben. Wir irren kurzzeitig durch tiefsten Dschungel bis wir wieder auf eingetretene Wege stoßen und erreichen dann den Gipfel des Gunung Berembun. Auf 1840 Metern genießen wir einen Apfel, den Ausblick, die Tierwelt und die Ruhe.
Wir haben bis auf Ed Sheeran eben niemanden getroffen. Gut erholt setzen wir unseren Weg fort. Weitere drei Kilometer folgen wir erst Trail 3 dann Trail 5 bis wir aus dem Dschungel gespuckt werden. Gut ganz so einfach war es nicht. Bergab zu „gehen“ ist bei den Verhältnissen äußerst tückisch. Gleich zweimal fällt Christians Tracktionskontrolle aus und es setzt ihn mit Schwung auf den Arsch. Nichts passiert. Als wir den Dschungel verlassen kommen wir an einem Hinweisschild vorbei welches in gutem Englisch erklärt: Seit 2017 ist das Betreten des Dschungels ohne Erlaubnis des örtlichen Forstamtes nicht mehr gestattet. Zuwiderhandlungen können Strafen bis 20.ooo EUR nach sich ziehen.


Nun, hätte das gleiche Schild an unserem Einstiegspunkt gestanden, hätten wir uns eine andere Route rausgesucht. Außerdem erklärt das auch warum sich hier niemand mehr für die Wege zuständig fühlt. Als wir das später im Hotel ansprechen heißt es, das habe noch nie jemand beachtet.
Nach der Anstrengung haben wir uns jedenfalls einen Kuchen verdient. Findet ihr nicht? Kaum nehmen wir im Naux Pastry Platz beginnt es wie aus Eimern zu kübeln. Ha! Glück gehabt. Es hört auch nach Kaffee, Kuchen und Verdauungspause nicht auf zu regnen. Also stolpern wir eine Straße weiter direkt in ein indisches Restaurant, um ein vorgezogenes Abendessen zu uns zu nehmen. Der Plan geht quasi auf. Es hört kurz auf zu regnen. Ihr könnt es euch denken, auf dem Heimweg werden wir dann doch klitsch nass. Bis auf die Knochen 😆 Egal. Wir kommen gut gelaunt im Hotel an und freuen uns schon auf eine heiße Dusche und das Bettchen. Den Feierabend haben wir uns verdient!


Da wir uns bisher keine Gedanken dazu gemacht haben, wie wir zu unserem nächsten Ziel kommen, haben wir den Aufenthalt hier um eine Nacht verlängert. Das war gar kein Problem. Den heutigen Tag widmen wir also der Recherche. Dabei entdecken wir, dass es unser Hotel auch am Nationalpark Taman Negara gibt. Die Preise die wir online dazu finden sind theoretisch etwas zu hoch, aber Fragen kostet ja nichts. Also ab in die Lobby. Wie in 90% der Zeit treffen wir hier auf freundliches Personal und den Manager der Anlage, Louis. Ein freundlicher und lustiger Mensch. Als ob er etwas ahnt fragt er nach unseren Plänen und dem nächsten Ziel. Als wir den Nationalpark erwähnen überschlagen sich die Ereignisse. „Da haben wir auch ein Hotel. Ja klar haben die Platz für euch. Den Transport organisiere ich auch. So bitte schön, morgen um 08:00 Uhr geht euer Bus.“ Äh, ok. Das ging jetzt schnell. Kurz noch über den Preis gesprochen, der passt jetzt auch gerade so ins Budget. Gut, dann haben wir jetzt deutlich mehr Zeit als gedacht.



Wir entscheiden uns dazu in die Stadt zu schlendern. Wir benötigen noch einige Dinge des täglichen Bedarfs und peilen somit den Drogeriemarkt Guardian an. Das Geschäft befindet sich in einer kleinen Mall. Kurz abgelenkt erwischen wir uns dabei wie wir durch die Etagen streifen. Friseure, Schuhgeschäfte, Kleidung, Autoscooter, Kosmetik und so wei… Moment, wie Autoscooter? Auf der zweiten Etage befindet sich in einer Ecke ein bunt beleuchteter Autoscooter. Kein Scherz. Der ist zwar augenscheinlich für Kinder gedacht, aber wir wären ja nicht wir 😆 Also wechseln wir 10 Ringit in 10 Wertmarken und freuen uns noch als der Automat uns 20 ausspuckt 🤗 Dann kapern wir zwei der etwa 10 Fahrzeuge. Der Autoscooter ist ansonsten komplett leer. Wir stellen fest, dass die Fahrzeuge über einen Hauptschalter ausgeschaltet sind. Gekonnt schalten wir ein und füttern die Flitzer mit jeweils fünf Marken. Die Enttäuschung ist groß, als wir zwar die Münzen los sind, sich aber ansonsten nichts tut! Was eine Verarsche. Bunt leuchten die zwar, aber fahren tut hier nichts. Also schieben wir uns abwechselnd über die Fahrbahn. Auch lustig.
Als wir der Erschöpfung nahe sind ziehen wir weiter in die anliegende Spielhalle. Klassiker von SEGA und anderen namenhaften Arcadespielgeräten stehen zur Auswahl. Noch bevor wir uns entscheiden können sehen wir einen Verantwortlichen in Richtung des Autoscooter gehen. Den schnappen wir uns! Mittlerweile ist auch ein anderes Pärchen am Autoscooter. Wir versuchen zu erklären was das Problem ist. Der junge Mann scheint uns nicht zu glauben, schaltet uns aber dann doch zwei Fahrzeuge frei. Wir freuen uns und rauschen im Schneckentempo los. Gnadenlos krachen wir sanft in einander. Reifen quietschen, nicht. Spaßig ist es trotzdem. Wir haben knapp fünf Minuten einen Adrenalinspiegel weit über dem Erträglichen. Dann ist die rasante Tour auch schon wieder zu Ende. Im Anschluss setzen wir uns in den Arcade-Racer in einem spannenden Rennen gewinnt Jana nach einem fiesen Foul. Dann gibt es einen Arcade-Shooter und eine Runde Airhockey. Wir finden vier weitere Wertmarken und gönnen uns noch ein spannendes Motorradrennen! Unglaublich lustig. Wir sind bestimmt eine Stunde gut unterhalten. Das ganze für etwa einen Euro pro Person 🤭


Wir schaffen es ohne Umwege in den Guardian und erledigen unsere Einkäufe. Hungrig sind wir jetzt. Die letzten Tage haben wir uns hauptsächlich indisch ernährt. Jetzt haben wir Appetit auf etwas anderes und finden ein japanisch-koreanisches Pizza Crossover. Klingt erst mal merkwürdig, ist aber eben so 😉 Jana bestellt sich eine Pizza, Christian greift zu einem Reiskuchen Gericht mit Suppe und Fingerfood. Einer von uns beiden hat eine gute Wahl getroffen 😜 Wir teilen alles und bekommen zum Abschied noch ein Dessert geschenkt. Ok – wir haben dafür eventuell eine Bewertung schreiben müssen. Da wir das aber eh getan hätten, ist das Dessert wie geschenkt. Wir werden auf dem Rückweg nicht nass und schaffen es noch unsere Rucksäcke zu packen bevor wir besonders früh ins Bett gehen.


06:30 Uhr, Mittwochmorgen. Der Wecker reißt uns sanft aus dem Schlaf. Zähnchen putzen, die letzten Sachen zusammen packen, um 07:15 Uhr am Frühstücksbuffet. Freiwillig machen wir das nicht 😁 Naja, wobei.
Wir sammeln uns pünktlich in der Lobby und werden um 07:45 Uhr an den Fuß des Berges gefahren, auf dem unser Hotel steht. Wir bedanken uns und verabschieden uns freundlich. So schnell sehen wir uns immerhin nicht wieder. Eric teilt uns noch mit, dass wir gegen 08:00 Uhr hier eingesammelt werden und dann verschwindet er auch schon wieder. So warten wir, machen Fotos und stellen uns vor, wie es im Nationalpark wohl wird. Fünf Minuten später stellt Christian fest, dass er den Zimmerschlüssel noch in der Hosentasche hat. Mist. Das bedeutet dann wohl Zeitdruck. Bekannt für seine ausdauernde Sprinteigenschaften entscheidet sich Christian zum Hotel zurückzulaufen. Bereits nach den ersten 200 Metern muss er feststellen, dass die Taktik am Frühstücksbuffet „iss so viel du kannst, keine Ahnung wann es wieder etwas gibt“ nicht unbedingt förderlich war. 200 weitere Meter beginnt die Steigung, knapp 30%. Hochmotiviert kapituliert er nach etwa 40 Metern im Berg. Soviel dazu. Schritt für Schritt geht es die letzten Meter weiter zum Hotel. Eric ist sichtlich überrascht Christian nach so kurzer Zeit wieder zu sehen. Als er den Schlüssel sieht muss er lachen.

Jana überlegt sich währenddessen die geschickteste Methode den Busfahrer davon zu überzeugen doch noch zu warten. Nur für den Fall. Vielleicht auf die Tränendrüse drücken? Oder gaaaaaanz langsam einsteigen? Erleichtert erblickt sie Eric und Christian auf einem Roller am Horizont. Glück gehabt. Kaum abgesetzt fährt ein Reisebus hupend an uns vorbei und signalisiert irgendetwas mit der Hand. Dann verschwindet er hinter der nächsten Kurve. Wir sind uns sicher, dass er nicht drehen wird und schultern das Gepäck, um ihm zu folgen. Hinter der Kurve wartet der Bus in einer Haltebucht. Wir laden ein, finden unsere Plätze und können entspannen. Viel Aufregung für so wenig Tag 😅 Der Rest ist dafür umso entspannter. Bis auf eine Toilettenpause halten wir nicht an und erreichen einen Busbahnhof vor dem Nationalpark. Alle aussteigen und registrieren! Jawohl. Keine Ahnung weswegen, aber wird schon passen. Wir werden in ein großes Büro mit vier Sachbearbeitern und etwa 40 Plastikstühlen im Wartebereich geführt. An den Wänden hängen Werbeplakate für Touren und Ressorts. Auch die Gespräche die wir ungewollt belauschen können, lassen darauf schließen, dass hier etwas verkauft wird. Zum Glück ist nichts los und wir sind schnell an der Reihe. Da wir die Fragen zur Unterkunft schnell beantworten können und auch noch keine Infos zu unseren späteren Plänen geben können, versucht die Frau uns nichts anzudrehen. Aber sie informiert uns freundlich über unsere Möglichkeiten und dass wir uns jederzeit bei ihnen melden dürfen, wenn wir etwas buchen wollten. Danke. Wir verlassen das Büro und setzen uns in das zufälliger Weise verfügbare Café, um eine Erfrischung zu uns zu nehmen. Weiter geht es erst in 30 Minuten.
Wir werden aufgerufen und mit den anderen Reisenden auf die unterschiedlichen Minivans verteilt. Für uns geht es jetzt mit fünf anderen Reisenden über eine kurvige Straße bis in den kleinen Ort Kuala Tahan. Dieser liegt direkt an der gegenüberliegenden Flussseite vom Nationalpark. Im Zentrum werden alle anderen rausgelassen, dann werden wir vom Fahrer bis vor den Eingang unserer Unterkunft gebracht. Danke Louis für die Organisation 🤩
Check-In läuft reibungslos und unser Zimmer ist auch bereits fertig. Das Resort besteht aus kleinen Häusern auf Stelzen in denen sich, je auf Eck, vier Zimmer befinden. Eine Katze schläft auf der Terrasse vor unserer Tür. Die Unterkunft besteht aus einem Schlafzimmer mit Tisch, Kleider- und Kühlschrank und ein Bad mit richtiger Dusche! Sehr gut.


Wir richten uns ein und erkunden dann die Gegend. Wir haben auch noch eine Mission für heute; Bargeld besorgen. Sollte ja kein Problem sein. Wir fragen an der Rezeption nach dem nächsten ATM; soweit sie wüsste gebe es keinen. Ähm ok?! Auch die Frage ob wir im Hotel an Bargeld kommen würden verneint sie. Aber vielleicht bei den Minimärkten, einfach mal fragen. Also spazieren wir los und klappern einen Markt nach dem nächsten ab. Fehlanzeige. Drei haben nicht einmal ein Kartenlesegerät, der eine mit, verneint unser Gesuch auch. Wir zählen unser Bargeld – Knapp 280MYR also weniger als 60EUR. Bei fünf Tagen etwa 12EUR am Tag 😬 Leicht frustriert schlendern wir zum Fluss und besichtigen die Floating Restaurants für die das Dorf auch bekannt ist. Dann entdecken wir an einem ein Visa Symbol! Was ein Glück wir werden nicht verhungern 🙃 Erleichtert entscheiden wir uns erst einmal etwas Trinken und Essen zu gehen. Wir werden von fünf halbstarken Jungs begrüßt, auf ihrer eigenen Sprache amüsieren sie sich köstlich über die Touristen und äffen uns nach. Etwas unangenehm, aber der Wunsch nach Erfrischung lässt uns das aushalten. Die Pommes und der Crepes sind mittelmäßig gut, dafür können wir den kleinen Betrag mit unserem Plastikgeld begleichen. Als wir weiterziehen fragen wir noch an zwei weiteren schwimmenden Restaurants nach, Kartenzahlung ist kein Problem. Sehr gut. Erleichtert und erfrischt geht es für uns zurück in die Unterkunft. Wir haben für heute Abend vorgesorgt und gestern noch vier frische Maiskolben gekauft. Glücklicherweise ist für eine Veranstaltung ein Buffet aufgebaut. Wir fragen freundlich nach, ob wir uns daran beteiligen könnten. Für zwei Euro pro Person dürfen wir mitessen. Sehr gut. Das ziehen wir unseren Maiskolben natürlich vor 😉 So geht der Tag doch noch kulinarisch zu Ende.
Das Frühstück am nächsten Morgen schmeckt gut und gibt Energie für unsere heutige Planung. Wir wollen den Nationalpark erkunden. Die Vorbereitung dafür: lange Hose, lange Socken, knöchelhohe Wanderstiefel, eine Menge Trinkwasser und Regenjacken im Rucksack. Auch wenn wir noch nicht wissen was uns erwartet, wir wissen von den Giftschlagen, Blutegeln, Moskitos und dem wechselhaften Wetter. Da gehen wir auf Nummer Sicher. Am Fluss angekommen werden wir für 20 Cent pro Person zum anderen Ufer gebracht. Neben einem 3 Sterne Resort befindet sich hier auch das Headquarter des Parks an dem wir unseren Besuch und die Tour anmelden müssen. Außerdem zahlen wir einen Euro für jede Kamera die wir dabei haben. In unserem Fall zwei Smartphones. Die Parkwächter teilen uns mit, dass ein Teil unserer Tour, der Canopy-Walkway, nicht möglich ist, weil der Weg wegen Regenfällen gesperrt sei. Zum Gipfel des Terisek können wir aber gehen. Gut.



Komoot zeigt noch Alternativen die wir uns vor Ort angucken werden. So geht es los. Äußerst Touristenfreundlich ist der Trail mit einem Steg versehen. So laufen wir auf einem befestigten Weg, 30 – 40 cm über dem Dschungelboden. Wir haben den Eindruck, dass wir uns die Stiefel hätten sparen können. Der Steg ermöglicht es uns aber unser Umfeld genauer zu beobachten, da das Gehen weniger Konzentration erfordert. So erblicken wir interessante Pilze, bunte Schmetterlinge und Vögel. Das Klima fordert uns trotzdem, als wir den ersten Aussichtspunkt erreichen kann Christian sein T-Shirt das erste mal auswringen. Außerdem hört auch der Steg an dieser Stelle schlagartig auf und wir wandern über rutschigen Dschungelboden weiter. Wir erreichen den Gipfel auf 334m 😂 und genießen die Aussicht. Der Dschungel zeigt eine komplett geschlossene Baumkronendecke in der hier und da Nebel feststeckt. Die Geräusche sind geprägt von Affen, Grillen und Vögeln. Der Rundweg den wir über Komoot rausgesucht haben endet für uns an dieser Stelle. Ein äußerst deutliches Schild weißt darauf hin, dass der Weg ab hier nicht mehr ohne einen Guide zu begehen ist. Die aufgezählten Strafen, aber auch die Vernunft wirken und wir entscheiden uns, das Schild ernst zu nehmen. Aber; wir haben etwas weiter unten eine schlecht beschilderte Kreuzung gesehen an der es keinerlei Verbotsschilder gab. Also laufen wir ein gutes Stück zurück und begeben uns dann auf einen abenteuerlichen Rundweg. Der Weg ist erwartet schlecht und steil, aber sehr schön. Wir treffen hier auf keine anderen Touristen. Etwa 1200m vor dem Ziel, stoßen wir an einer Fluss-Badestelle wieder auf den Steg. Und auf Touristen. Willkommen zurück in der Zivilisation
Nach rund sieben Kilometern schließt sich der Kreis und wir kommen wieder am Hauptquartier raus. Ein drittes mal wringt Christian sein T-Shirt aus, bevor wir uns zu einer völlig überteuerten Erfrischung im Restaurant des 3 Sterne Hotels niederlassen. Tut zwar was sie soll, macht aber nicht glücklich. Wir entscheiden uns schnell die Flussseite zu wechseln und in eines der Floating Restaurants zu gehen. Unsere Wahl fällt, aufgrund der ganzen Pflanzen und der netten Optik, auf das Family Restaurant. Zwei Gerichte, Getränke und Nachtisch kosten uns hier soviel 34MYR, 32 haben wir zuvor für eine Cola und einen Orangensaft bezahlt und es ist super lecker.


Zurück im Hotel geht es erst einmal in den Pool. Eine willkommene Abkühlung? Leider nicht so wirklich. Das Wasser hat Umgebungstemperatur, wir halten es trotzdem eine ganze Weile aus. Der Blick aus dem Pool auf den umliegenden Dschungel ist einfach unbeschreiblich. Zum Abendessen gibt es die Maiskolben. Lecker.
Über dem Freitag hängen leider Kopfschmerzen. Christian quält sich durch den Tag und so bleiben wir hauptsächlich im Bett liegen. Wir schaffen es gegen 15Uhr zum Fluss, um ein Mittagessen im Familiys zu uns zu nehmen und ein paar Einkäufe im Minimarkt zu erledigen. Unter anderem besorgen wir zwei 5-Minuten Terinen für heute Abend. Den Rest des Tages wird ausgespannt.
Viel besser startet der Samstag. Wir kaufen erst einmal Busticket, um nach Kuala Lumpur zu kommen. Morgen ist bereits Abreise, da wollen wir auf jeden Fall noch einmal etwas unternehmen. Zwar bleiben nicht viele Möglichkeiten, aber wir gucken mal was so kommt. Die Idee ist mit einem Boot den Fluss ein Stückchen zu folgen, absetzen lassen und zurück laufen. Die Idee ist hervorragend, allerdings stellen wir schnell fest, dass niemand daran interessiert ist, sie umzusetzen. Am Fluss liegen unzählige kleine Boote mit denen die Touren hier angeboten werden. Eine solche möchte man uns auch verkaufen, aber an einer Individualtour ist keiner interessiert. So entscheiden wir uns, den Nationalpark zu betreten und die Parkwächter nach Lösungen zu fragen. Weitere Wege als die Gipfeltour sind für die Öffentlichkeit nicht freigegeben. Aber der Canopy-Walkway sei heute geöffnet. Allerdings wären bereits 400 Gäste dorthin unterwegs. Gut was solls. Wir bezahlen die entsprechenden Gebühren und machen uns auf den Weg. Vorbei an einem Ausguck führt der Weg durch ein Sumpfgebiet bis wir wieder auf den uns bekannten Weg kommen. Diesem folgen wir diesmal ohne zum Gipfel abzubiegen. Unterwegs treffen wir auf Verhältnismäßig wenig Besucher, was uns für unser Ausflugsziel hoffen lässt. Am Wegesrand entdecken wir erst einen Tausendfüsser und später eine Schlange! Wir erfahren von einem vorbeikommenden Tourguide, dass es sich um eine Paradise Tree Snake handelt. Diese seien nicht giftig (Google sagt da was anderes) und können auf der Jagd von Baum zu Baum gleiten! Richtig cool oder nicht? Zum Glück ist die Schlange kaum dicker als der kleine Finger und maximal 40cm lang. Wie gefährlich kann das schon sein?! 😏
Weiter geht es. Der Canopy-Walkway ist eine Hängebrückenkonstruktion in den Baumwipfeln des Dschungels. An der höchsten Stelle stolze 47m über dem Boden. Wir erreichen den Startpunkt und stellen erleichtert fest, dass hier keine 400 Menschen auf Einlass warten. Unsere Tickets werden mit der Nummer 51 versehen, aufgerufen wird 37. Kann so lange nicht dauern. Wir treffen auf Dominica, vorgestern haben wir uns beim Mittagessen kennengelernt. Wir quatschen kurz über Reisepläne da wird sie auch schon ausgerufen; 47! Jeder Hängebrückenabschnitt darf zeitgleich von maximal vier Personen betreten werden. So kann sich das hier schon mal stauen, aber wir sind nach nicht einmal 25 Minuten Wartezeit an der Reihe. Über einen kleinen Turm gelangen wir zur ersten Hängebrücke. Circa 30m lang geht es über einem Hang in die Baumgipfel. Es folgen vier oder fünf weitere Brücken die jeweils an einer Plattform im Baum enden. Jana, mittlerweile recht schwindelfrei, schwingt über die Brücke bis hinter ihr ein erwachsener Mann das kreischen beginnt. Das war wohl zu viel für ihn 🫣 Wir genießen mit 10m Sicherheitsabstand den Blick durch die Baumkronen, auch wenn wir bis auf ein paar Vögel keine besonderen Tiere zu Gesicht bekommen. Der Eintritt für dieses Abenteuer beläuft sich übrigens auf fünf Ringet, also einen Euro. Das ist es auf jeden Fall Wert. Wir sind etwa 15 Minuten über Hängebrücken gelaufen. Fotografieren ist dabei übrigens „untersagt“. Klar – bei Hochbetrieb halten die Influenzer sonst ja den ganzen Verkehr auf, aber wir haben natürlich ein paar Bilder für euch:
Zurück geht es dann über den gleichen Weg den wir gekommen sind. Pünktlich zum Nachmittagessen treffen wir im Familys ein. Jap, unser Stammlokal. Und ratet mal, nach dem Packen der Rucksäcke kommen wir für ein letztes Abendessen zurück 😄 Zwei Gerichte, zwei Getränke, für sechs Euro kann man das schon mal machen, oder?



Nach dem Frühstück bleibt noch ein wenig Zeit, sodass wir uns von den Katzen verabschieden können, die hier durchs Resort streifen und fester Bestandteil der Familie wahrgenommen werden. Dann sammeln wir uns gegen viertel vor Zehn am Busbahnhof. Wir können uns noch kurz von Dominica verabschieden, dann geht es schon los. Erster Halt ist die Stadt Jerantut. Hier treffen die Minivans des Reiseunternehmens aufeinander, es wird Mittagspause gemacht und anschließend geht es im korrekten Minivan zum Endziel.


Für uns ist es Zeit nach einer kleinen Erfrischung Ausschau zu halten. Wir kommen am Gypsy Garden Jerantut Cafe vorbei. Der Außenbereich wirkt einladend. Kunstvoll gestaltet und vollgestopft mit Kram und Pflanzen. Zwischen den Tischen tollen Katzen. Wir nehmen mit einer anderen Mitreisenden aus Österreich an einem Tisch Platz und werden vom Chef bedient. Er sieht aus, als sei er soeben vom Woodstock Festival 1969 heran getanzt. In seinem beigebraunen Overall sieht er aus, wie ein Mechaniker aus einer vergessen Zeit. Wir werden herzlich begrüßt. Seine Frau nimmt unsere Bestellungen entgegen. Nachdem die Gerichte serviert sind schnappt er sich die Gitarre und gibt darauf Songs von Bob Dylan zum Besten. Eine wirklich nette Begegnung. Wir werden herzlich gebeten uns in das Gästebuch einzutragen. Solltet ihr mal die Möglichkeit haben, macht einen kurzen Halt und grüßt nett von uns 😀
Leider ist es bereits Zeit wieder aufzubrechen. Die Haltestelle ist keine 200m entfernt. Wir haben eigentlich erwartet hier auch wieder einzusteigen, es dauert eine ganze Weile bis wir realisieren, dass unser Van auf der anderen Straßenseite steht und bereits alle auf uns warten. Auf dem Weg von Jerantut nach Kuala Lumpur sagt Myra unser Treffen gesundheitsbedingt ab. Das ist in sofern doof, dass wir uns zum einen natürlich gefreut haben, sie wieder zu sehen und zum anderen, weil wir auch zum Übernachten eingeladen waren 😑 Gut jetzt heißt es also eine neue Unterkunft suchen. Wir stellen schnell fest, dass das aktuell gar kein Problem ist. In KL gibt es unheimlich viele AirBnB’s. Ab 20EUR die Nacht geht es los. Die meisten liegen in einem der Hochhäuser und bieten zusätzlich Fitnessstudios, Pools und so weiter. Wir buchen ein Apartment für etwa 26EUR pro Nacht mit Blick auf die Petronas Towers.
Kurze Zeit später kommen wir Nahe Chinatown an. Wir orientieren uns kurz und entscheiden dann erst einmal etwas zu essen. Fußweg zur Unterkunft 30 Minuten. Das könnten wir schaffen. Durch Zufall entdecken wir einen Portugiesen der neben leckeren Gerichten auch frisch… gebackenes… Brot… anbietet. Echtes… Brot… 🙌 Wir können nicht anders als hier einzukehren. Sauerteig Brot, Baguette, und Steinofenbrot. Dazu Knoblauchbutterdip, Pesto, Olivenöl und Salz. Wir sind im Himmel. Das super leckere Blumenkohlsteak rückt da schon fast in den Hintergrund. Wir sind so begeistert, dass wir noch ein ganzes Leib Brot zum mitnehmen kaufen. Manchmal sind es eben die einfachen Dinge.


Gestärkt machen wir uns auf den Weg zur Unterkunft. Wir müssen aufpassen, dass wir den Blick zwischendurch wieder auf den Gehweg richten. Mächtig beeindruckend ist die Skyline und das bunte Treiben auf den Straßen. Tatsächlich erreichen wir unser Hochhaus in der angegeben Zeit. Mit Hilfe der 26-seitigen Anleitung finden wir unser Appartement in der neunten Etage. Etwas kleiner als unsere ehemalige Wohnung, aber mit allem was man benötigt. Couch, bequemes Bett, Küche und Waschmaschine. Eine anständige Dusche und ein toller Ausblick vom Balkon. Sehr cool. Noch bevor wir irgendwas anderes machen ziehen wir uns unsere Schwimmsachen an und begeben uns in den 35.Stock. Zum Infinity-Pool. Von hier können wir über ganz Kuala Lumpur gucken. Wir sehen alle Wahrzeichen der Stadt und können unser Glück in der Abenddämmerung kaum fassen. Das Wasser ist richtig kalt und der Pool so leer, dass wir ordentlich Bahnen ziehen können und müssen 🥶


Leicht unterkühlt aber glücklich ziehen wir uns um. Bevor es Zeit fürs Abendessen ist, müssen wir noch einkaufen. Brot haben wir ja, aber für die nächsten Tage brauchen wir noch einiges. Also ab in die angrenzende Mall. Den Eingang zu finden ist schon einmal nicht ganz so leicht, wenn man an der Warenannahme startet. Als wir dann über den „Ost-Eingang“, ihr könnt euch vorstellen wie groß das Ding sein muss, eintreten, sind wir kurz offline. Mindestens sieben Etagen, vor uns ein Arrangement aus Luftballons, das eine Dinosaurier Szene zeigt. Unglaublich.
An dieser Stelle machen wir, vermutlich geblendet, einen kleinen Fehler. Anstatt zu erledigen weswegen wir hergekommen sind, beginnen wir durch die Gegend zu schlendern. So irren wir eine ganze Zeit doch die Etagen bis uns ein Spielwarenladen verschluckt der sich auf POP! Wackelkopf Sammelfiguren spezialisiert hat. Ihr wisst schon, diese Figuren mit den viel zu großen Köpfen. Die gibt es hier aus jeder Film- oder Serienreihe. Tausende.



Wir schaffen es uns aus der Situation zu befreien und stolpern zurück auf den Ring der Hölle. Bevor wir weiter durch die Gegend irren erkundigen wir uns bei einem Mitarbeiter wo sich denn das Lebensmittelgeschäft versteckt. Eine Etage unter dem Erdgeschoss lautet seine verwirrende Antwort. Oh Gott, dass geht im Keller weiter?! Tatsächlich bringt uns der Lift in eines der Kellergeschosse, wo sich Lebensmittelgeschäfte und Imbissbuden befinden. Wir straucheln durch die Tierabteilung des Lebensmittelgeschäfts, sammeln unser Obst und Aufstriche ein und flüchten dann zurück in die Unterkunft. Geschafft. Nach dem Abendessen wird noch etwas an dem Wochenbericht gearbeitet, dann fallen wir müde ins Bett. Wir sind gespannt was die Hauptstadt Malaysias für uns bereit hält.
Stroll on
Christian & Jana

































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