05.08. – 11.08.2024
„Reisen macht einen Bescheiden, man erkennt, welch kleinen Platz man in der Welt besetzt.“
von Gustave Flaubert
Wie schön ist es, wenn man gemütlich in den Tag starten kann. Wir genießen es sehr. So auch heute. Wir haben die Überfahrt erst zu 13 Uhr gebucht. Nach dem Frühstück packen wir gemächlich unsere Rucksäcke. Als alles gepackt ist, finden wir das Fundstück wieder. Dabei handelt es sich um eine Sonnenbrille inklusive Sehstärke. Jana hat sie bei einem Schnorchelgang im Meer geborgen. Wir hatten gehofft, dass auch die Gilis eine lost-and-found-Gruppe bei Facebook haben, um sie dort als gefunden melden zu können. Fehlanzeige. Die örtliche Polizei interessiert sich vermutlich nicht dafür, da es kein Ausweis oder eine Kreditkarte ist. Auch die Recherche im Internet bietet keine Hinweise. Wir beschließen daher, sie im Zimmer zu lassen und dem Hotel bescheid zu geben. Vielleicht haben sie noch eine Idee.
Gesagt und NICHT getan. Beim Verabschieden und dem damit verbundenen Smalltalk über Wasser und Befindlichkeiten, haben wir die Brille komplett vergessen. Wir satteln unsere Backpacks, verabschieden uns von Clara und Tipsy und laufen los Richtung Hafen. Nach bereits 20 Minütigem Fußmarsch kommt ein abgehetzter Hotelmanager auf dem Fahrrad hinter uns angerast und ruft: „Friends, you forgot your Sunglasses!“ Wie peinlich! Er hat die Wichtigkeit einer Sonnenbrille mit Sehstärke wohl auch erkannt und ist uns den ganzen Weg hinterher gerast. 🥴 Beschämt erklären wir ihm alles und bedanken uns für so viel Engagement. Was wir nicht im Kopf haben, hat er nun in den durchtrainierten Beinen.
Am Hafen angekommen tauschen wir unsere Onlinereservierung gegen Tickets. Wir haben noch vierzig Minuten Zeit und chillen uns mit Detox-Frucht-Mocktail ins gegenüberliegende Café. Wir beobachten die Abläufe am Hafen und spekulieren, welches unser Taxiboot sein könnte. In den Rezensionen hatten wir gelesen, dass der Hafen sehr chaotisch ist. Irgendwie können wir das abermals nicht bestätigen. Wir erkennen die geordneten Abläufe und wenn die Touristen nicht immer auf der Straße stehen bleiben würden, hätten die umliegenden Pferdekutschen auch keinen Stress. 🤣


Zehn Minuten vor Abfahrt schlendern wir rüber und dürfen direkt zum wackeligen Steg durchlaufen. Unser Taxiboot ist kleiner, als die Fähre zuvor. Die Backpacks werden auf das Dach gelegt und wir dürfen im Inneren platz nehmen. Jana hat nicht mehr ganz soviel Angst vor Übelkeit. Sie scheint das Schaukeln besser zu vertragen. Wir halten vor Lombok noch bei den beiden anderen Gilis, Meno und Air, an. Nach einer Weile entscheiden wir uns, dem stickigen Innenraum zu entfliehen und setzen uns zu den Matrosen aufs Dach des Bootes. Gicht und Wind sorgen für eine kühle Überfahrt.



In Lombok angekommen werden wir direkt belagert von Menschen die uns Taxifahrten, Essen oder Touren anbieten. Wir kennen das bereits und wollen uns erst einen Überblick verschaffen. Wir erklären, dass wir erst ankommen und was trinken wollen. Auch hier werden wir von zwei jungen Männern in ein Bistro begleitet. Einer von ihnen setzt sich mit dazu und bietet uns Touren, Taxi etc. an. Während Christian ihn in ein Gespräch verwickelt, recherchiert Jana die Preise für Taxifahrten auf Lombok. Die Preise im Internet decken sich erstaunlicher Weise mit denen, die uns der junge Mann anbietet. Daher gehen wir auf sein Angebot ein, nur die Touren wehren wir höflich ab. Für 8,63EUR lassen wir uns ins Hotel bringen. Auch der Taxifahrer gibt alles, um uns etwas zu verkaufen. Er spricht kaum englisch und nutzt eine Übersetzerapp, um mit uns zu kommunizieren. Wir bekommen seine WhatsApp-Nummer und können ihn jederzeit anrufen. An einem Tag wurden uns gleich vier Telefonnummern angeboten.
Am Lombok Coconut Hotel angekommen, müssen wir erst noch fünfzig Stufen nach oben steigen. Ernsthaft? Christian spricht bereits mit Habibi, als Jana schnaufend oben ankommt. Habibi und Mr. Barak bereiten uns ein kühles Getränk zu und wir schnacken bei schönster Aussicht mit ihnen. Als sie uns fragen, wie lange wir bleiben und wir zehn Tage sagen, schauen sie sich erschrocken an. Zehn Tage? Wirklich? Wir sind leicht verunsichert, warum denn nicht? Mittlerweile wissen wir, dass die meisten Gäste nur 2-3 Tage hier bleiben. Unser Zimmer ist veraltet, Holzwürmer graben sich durch Bettgestell und Fensterbalken, die Tür zum Bad ist gebrochen und quietscht und die Matratze durchgelegen. Jede Feder spüren wir. Doch mittlerweile sind wir genügsam. Die Aussicht entschädigt, dazu ist es ruhig, wir können den Kühlschrank des Hotels mitbenutzen und jederzeit den Wasserkocher in Beschlag nehmen. Dazu gibt es einen richtig schönen Pool für uns allein. Und Habibi liest uns die Wünsche von den Augen ab. Über ihn bekommen wir auch einen Roller für sieben Tage zu einem sehr guten Preis. Abends schlendern wir zum Strand und essen lecker bei Sonnenuntergang im Coco Loco.
Am nächsten Morgen bekommen wir von Habibi eine neue Matratze, obwohl wir uns nicht beschwert haben. Da fühlen wir uns direkt heimisch. Der Roller wird auch wie vereinbart geliefert. Das läuft. Den Rest des Tages liegen wir am Pool, toben im Pool und entspannen auf unserer Terrasse. Beim Verschieben des Sonnenschirms stören wir eine Ameisenkolonie und ein Wespennest mit einigen Larven die im selbigen schlummern. Gegen Abend treibt es uns doch noch aus unserer Oase. Wir finden ein Warung in Singigi, nur 5 Minuten Fahrt entfernt. Leckeres Essen zu einem schmalen Preis. Perfekt. Zurück im Hotel beobachten wir, wie ein Palmenkletterer, Kokosnüsse aus der Palme schlägt. Wir erfahren, dass das hier ein richtiger Beruf ist. Abends bekommen wir die jungen Kokosnüsse zum Trinken und Snacken. So lecker.
Der nächste Morgen beginnt mit unangenehmen Kopfschmerzen für Christian. Das heißt hoffen und vor allem ausruhen. Pausen machen, wenn man sie braucht, ist ein Privileg und Luxus pur. Zum Glück bleiben es „nur“ Kopfschmerzen.
Auch der Donnerstag bleibt ein Pausentag. Chillen und Schwimmen. Das Sein genießen. Mehr geschieht nicht.
Nach drei Tagen Pause juckt es uns nun doch in den Beinen. Unser Ziel: Mataram. Die nächstgrößere Stadt liegt gut 16km von uns entfernt in der Provinz West Nusa Tenggara und ist dessen Hauptstadt. Sie ist ein selbstständiges Munizipium. Wie? Noch nie das Wort Munizipium gehört? Wir auch nicht! Ein Munizipium ist eine Verwaltungseinheit und den Kreisen untergeordnet. Es hat einen Gemeinderat und einen Bürgermeister. Diese sind in verschiedene Ebenen unterteilt. Mataram gehört der Ebene 2 an. Die Ebene wird durch Bevölkerungsdichte etc. entschieden. Mataram gehört zu dem größten Bevölkerungszentrum der Insel. Das merken wir, sobald wir mit dem Scooter einfahren. Der Verkehr wird dichter.
Die Sehenswürdigkeit unseres Begehrens, zeigt ein ganz anderes Bild. Der Narmada Park ist vereinsamt. Wir können die Grillen zirpen hören, so wenig ist hier los. Wir zahlen Parkgebühren (0,17EUR) und Eintritt (5,75EUR). Die Anlage ist zum Teil gepflegt und lädt zum Entspannen ein. Der Park wurde 1727 durch den König von Mataram errichtet. Er diente zur Ruhestätte der Königsfamilie in der Trockenzeit und wurde für Zeremonien genutzt. Wir schlendern um die Teiche und beobachten die Fische. Der Park ist nett, aber gelohnt hat es sich nicht wirklich. Bevor wir zurückfahren, gönnen wir uns noch einen leckeren Apfelkuchen.



Der nächste Morgen beginnt mit einer freudigen Nachricht. Eine von Janas Kurzgeschichten, die sie in einem Schreibwettbewerb eingereicht hatte, wird in einem Buch veröffentlicht. 🥳 Darauf wollen wir mit fluffigen Pancakes in Kuta anstoßen. Nach dem Frühstück starten wir Richtung Kuta. Die Fahrt dauert fast zwei Stunden und geht mächtig aufs Sitzfleisch. Schonmal nen eingeschlafenen Popo gehabt? 😅 Doch die Pancakes entschädigen einiges.
Es gibt sowohl auf Lombok, als auch auf Bali einen Ort der Kuta heißt. Beide haben schöne Strände und einladende Wellen zum Surfen. Kuta auf Lombok soll ein Backpacker-Surfer-Paradies sein und genauso wie Bali vor zwanzig Jahren. Keine Ahnung wie es auf Bali vor zwanzig Jahren war, doch der Ort ist wirklich sehr gemütlich und ursprünglich. Zwischen modernen Hotels und Cafés finden sich die Holz-Wellblech-Häuser und kleinen Stände der Einheimischen. Der Strand erstreckt sich weit bis zum Horizont. Paradiesisch. Teilweise Idyl.. Idyl… Nee, irgendwie nicht. Von allen Seiten kommen VerkäuferInnen mit allerlei Krams auf uns zu. Zwei Schritte und der nächste steuert bereits in unsere Richtung.


Wir lassen uns nicht abschrecken. Wir setzen uns unter einen Baum und beobachten die Kitesurfer. Die Luft schmeckt salzig. Hier könnten wir es entspannt aushalten. Wenn da nicht die Verkäufer wären. Einige setzen sich einfach vor uns hin und bieten uns ihre Waren an. Bei jedem „Nein, Danke.“ von uns, folgt eine Preisreduzierung oder ein wehleidiges „Bitte, nur für dich.“ Wenn wir es schaffen, sie abzuwimmeln, folgt der Nächste. Höhepunkt des Tages, waren zwei Jungen, die mit uns XOX spielen wollten. Jana spielt drei Runden und stellt klar, dass sie nichts kaufen wird. Christian spielt mit dem anderen Jungen nicht, dafür fragt er ihn über seine Schule aus. Der Junge erklärt, dass er Mathe mag und Samstag nur kurzer Unterricht ist. Als der Junge schnallt, dass auch Christian nichts kaufen wird, simuliert er ein Schluchzen. So sitzt er vor uns und schluchzt. Ehrlich! Dabei ist seine Darbietung extrem schlecht. Da können wir nur mit dem Kopf schütteln. So schnell das Schluchzen begann, endet es auch und er zieht mit seinem Kumpel wieder ab.
Gerade verarbeiten wir noch die Kinder und wie gut es viele Kinder in Europa haben, da kommt schon die Nächste. Eine ältere Frau. Sie hat mitbekommen, dass zwei Mädchen zuvor mit Jana Fotos gemacht haben und sie uns beigebracht hatten „Nama saya adalah…“ (Ich heiße…) auf indonesisch zu sagen. Die ältere Frau versucht daran anzuknüpfen und wollte uns indonesisch beibringen. Nur konnte sie kein Wort englisch und wir haben keine Ahnung, was sie uns alles erzählt hat. Wir haben versucht zu erklären, dass wir kein Wort verstehen. War ihr egal. Penetrant schwankt sie zwischen was verkaufen wollen und uns indonesisch beibringen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hält hinter uns ein Mann auf einem Moped. Ein kurzes Pfeifen und die Frau schwirrt ab. Vermutlich wurde sie weitergeschickt, damit sie sich nicht an Touristen aufhängt, die eh nichts kaufen.
Nach einer leckeren Pizza verabschieden wir uns von Kuta. Wir haben noch zwei Stunden Fahrt vor uns. Nach einem kurzen Einkauf, fallen wir erschöpft ins Bett.


Da das Frühstück in unserem Hotel eher sperrlich ist und wir unser eigenes Obst bereits aufgegessen haben, gönnen wir uns heute richtig. 😋 Wir frühstücken im nahegelegenen Hotel Sheraton. Ein Fünf-Sterne Luxus Resort. Für 12 EUR kann man hier frühstücken. Das Buffet ist erstklassig. Es gibt alles und dann auch noch aus verschiedenen Ländern. Dazu spielt ein Pianist klassische Lieder einer Lounge. Wir fühlen uns etwas deplatziert, obwohl wir unsere schicksten Sachen angezogen haben. Das Essen ist erstklassig und unsere Mägen definitiv zu klein. Theoretisch dürfen wir mit unserem Zahlbeleg auch den mächtigen Pool des Hauses nutzen. Wir entscheiden uns dennoch dagegen. Viel zu vielen Menschen. 🤣
Stroll on
Christian & Jana













Hinterlasse einen Kommentar