Reisewoche #44

veröffentlicht von

am

04.11. – 10.11.2024

Die Berge, die es zu versetzen gilt, sind in unserem Bewusstsein.

von Reinhold Messner

Nach einem spärlichen Frühstück in Meo Vac starten wir guter Dinge unsere dritte Etappe auf dem Ha Giang Loop. Bevor wir uns aber auf den Weg zum Tagesziel Du Gia machen, geht es erst ein paar Kilometer die QL4C zurück. Wir wollen in ein Tal fahren, um den Fluss Song Nho Que aus nächster nähe zu betrachten. Uns wurde gesagt, dieser sei mit norwegischen Fjorden zu vergleichen. Gespannt hoppeln wir auf unserer Honda Future eine nicht asphaltierte Straße runter. In geschickter Slalomfahrt geht es Meter für Meter bergab. Wir kommen an großen Baumaschinen, LKW und vielen Arbeitern vorbei. Links und rechts vom Weg können wir außerdem sehen, dass es hier an den Berghängen einige Abgänge gegeben haben muss. Wir passieren einen kleineren Flusslauf, dann geht nichts mehr. Vor uns eine Traube von etwa 60 Easyridern und ihren Sozia. Um die Lage zu sondieren stellen wir unsere Höllenmaschine am Fahrbahnrand ab. Wir fragen die Einheimischen warum es nicht weiter geht. Es wird in den Berghang gezeigt. Bei genauerem Hingucken können wir Arbeiter entdecken die nach und nach loses Geröll aus dem Berg schieben. 60m weiter unten schlägt das Material dann auf der Straße ein die unser Weg gewesen wäre. Okay. Eine Stunde sollen die Räumarbeiten noch dauern, solange geht hier nichts.

Das ist es uns nicht wert. Wir haben bereits einige blaue Flüsse auf unserer Reise gesehen und gehen davon aus, dass auch der Rest der Etappe einiges zu bieten hat. Also entscheiden wir uns umzukehren und unser Etappenziel ins Auge zu fassen. 37 Kilometer bzw. etwas über eine Stunde trennen uns von unserem ersten Halt, dem M-Shape Turn Viewpoint. Aussichtspunkte gibt es hier natürlich wie Sand am Meer. An einigen fahren wir einfach vorbei, besonders dann, wenn bereits mehr als eine Gruppe Easyrider den Punkt besetzen. Lohnt sich dann nicht. Am M-Shape haben wir Glück. Klar sind bereits einige Menschen hier, aber wir bekommen einen Drink ohne anzustehen und können aus erster Reihe den Ausblick genießen. Der Name ergibt sich übrigens aus dem, wie ein M geschwungenen, Kurvenverlauf. Demnach müsste allerdings jeder zweite Viewpoint so heißen 😆. Hier ist der Ausblick aber tatsächlich besonders schön, seht selbst.

Nach dem passieren dieser schönen Serpentine geht es wieder einige hundert Höhenmeter bergauf. Kurzer Halt, weil uns der Ausblick immer noch flasht, dann wieder bergab zu einer französischen Festungsruine. Weiter gehts. Um kurz vor zwei Uhr halten wir noch einmal für einen Kaffe. Eigentlich wollten wir eine Kleinigkeit essen, aber da im LaLaLa Café aktuell ein gewisser Zutaten-Notstand herrscht, reicht es eben so für Schokoriegel und Getränke. Eine gefühlte Ewigkeit hatten wir schon keine Snikers bzw. KitKat mehr. Ein Traum.
Es ist jetzt nur noch eine halbe Stunde bis zu unserem Ziel, dem Muong Tra Stream Homestay. Das authentische Haus liegt in einem Tal an einem kleinen Fluss. Eingeschlossen von den Bergketten, mitten im Grün, ist es für uns die perfekte Unterkunft, um einen halben Tag Ruhe zu genießen. Wir werden herzlichst von einem vierbeinigen Freund begrüßt. Nach dem Check-In spielen wir mit dem aufgeregten Kerlchen und entspannen in der Hängematte, bevor es noch einmal losgeht. Wir haben beobachtet, dass immer wieder Easyrider-Gruppen in das Tal fahren. Neugierig fahren wir ein Stückchen in die gleiche Richtung und werden dann auf einen ausgeschilderten Wasserfall aufmerksam. Den Roller stellen wir ab und wandern noch etwa 10 Minuten bis wir vor einem Naturpool, Wasserfall und etwa 30 badenen Touristen stehen. Reicht für ein paar Bilder, dann verschwinden wir wieder. So langsam ist immerhin auch Zeit fürs Abendessen. Nach einer Pizza die wir eben noch so bezahlen können, uns ist irgendwie das Bargeld ausgegangen und der nächste ATM ist zwei Stunden entfernt, entspannen wir uns und genießen das Tal in der Abenddämmerung.

Dienstag, vierte Etappe. Wir haben hervorragend geschlafen und genehmigen uns zum Frühstück, neben fabelhaftem Omelett im Brötchen noch eine Portion Pfannkuchen. Dann kann es losgehen. Wir müssen wieder erst ein Stückchen zurück fahren, bevor wir auf die schmale DT181 treffen. 20 Kilometer folgen wir der anfangs schlecht ausgebauten Straße. Erst durch eine Siedlung die sich entlang der Straße gebildet hat, dann wieder durch unglaubliche Serpentinen und atemberaubende Natur. Wir erwischen den richtigen Abzweig auf die Thai An. Die nächste Stunde folgen wir der engen und gewundenen Straße. Dabei begleitet uns die meiste Zeit ein Flusslauf auf der rechten Seite. Außerdem kommen wir an zwei Staudämmen mit Kraftwerken vorbei. Kurz vor Ende des Loops, kommen wir noch einmal in eine Polizeikontrolle. Die Beamten sind nett, wissen genau wonach sie suchen und lassen uns schnell wieder ziehen nachdem wir den internationalen Führerschein vorgezeigt haben. Die Natur bleibt weiter unbeschreiblich schön. Insgesamt, über die gesamten vier Tage, die kompletten 370 Kilometer, elf Stunden reine Fahrzeit, dieser Ausflug hat sich richtig gelohnt. Wenn ihr mal in Vietnam seid und die nötige Zeit mitbringt, begebt euch auf dieses Abenteuer. Egal ob als Beifahrer, in einer Gruppe oder auf eigene Faust. Wenn ihr euch unsere Route noch einmal im Detail angucken wollt, hier der Link ☺️ Ha Giang Loop

Wir kommen zur besten Kaffee- und Kuchenzeit in Ha Giang an. Also erst einmal ins Café. Statt Kuchen gibt es frischen Yoghurt mit Obst und Müsli. Das schmeckt für gerade einmal 1,30 EUR so gut, dass es noch einmal Nachschlag gibt 😋 Zurück im Hotel werden wir herzlich begrüßt und über unsere Erfahrungen ausgefragt. Wir buchen außerdem, direkt über das Hotel, die Weiterfahrt nach Sa Pa für morgen. Ist nicht wesentlich teurer und wir werden vom Hotel abgeholt. Besser kann es kaum laufen. Lisa, ihr eigentlicher Name ist Chá, hat uns die gesamte Zeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wirklich eine tolle Mitarbeiterin. Generell hat es uns im Sun Ha Giang sehr gut gefallen.
Nachdem wir uns den Staub und Schweiß der letzen Tour abgewaschen haben, gehen wir jetzt noch ein letztes mal in unserem Lieblingsrestaurant in Ha Giang essen. Das Nha Hang Chay ist ein ausgezeichnetes vegetarisches Restaurant. Jetzt aber husch ins Bett. Unser Bus soll morgen bereits gegen 06:45 Uhr abfahren und Christian möchte vorher unbedingt noch einen Kaffee trinken.

So holt uns der Wecker um 05:45 Uhr aus dem Schlaf. Eine halbe Stunde später stehen wir an der Rezeption, checken aus, lassen uns unser Frühstück als Take-Away einpacken und schlürfen einen Kaffee. Zu unserer Überraschung kommt Lisa sich extra noch von uns verabschieden. Eigentlich hat sie heute Vormittag frei. Der Bus fährt gegen 07:00 Uhr vor, wir verstauen das Gepäck und steigen ein. Das Fahrzeug hat schon deutlich bessere Tag gesehen. In Linkskurven öffnet sich die Tür einen zehn Zentimeter breiten Spalt, in Rechtskurven schließt sie wieder. Das Getriebe klingt als wolle es bei nächster Gelegenheit rausspringen und die Verkleidungspanele klappern was das Zeug hält. Also alles wie immer. 🤣 Wir sammeln nach und nach weitere Mitfahrer ein und starten dann unsere sechs stündige Fahrt nach Sa Pa. Außer, dass auf den hinteren Rängen zwei Mitfahrerinnen zu Kotzen beginnen, bleibt die kurvenreiche Fahrt recht ereignislos. Wir erreichen Sa Pa um 13 Uhr. Die Pullover, die wir während Busfahrten wegen der Klimaanlagen anziehen, lassen wir diesmal an. Es ist frisch in den Bergen. Die kleine Stadt liegt auf etwa 1600m. Mit unseren, mittlerweile nicht mehr ganz so schweren Backpacks, spazieren wir in Richtung unseres Hotels. Es ist noch zu früh um im Hotel einzuchecken, also gibt es erst einmal ein heißes Getränk und etwas essbares im Le Gecko Café.
Da wir einige Tage vor uns haben, das Wetter nicht berauschend ist und um die Erlebnisse der letzten Tage gut zu verdauen, verbringen wir den Rest des Tages im Hotel. Das Zimmer ist geräumig, hat ein bequemes Bett und eine kleine Sitzecke.

Ebenso entspannt startet auch der Donnerstag. Wir stehen zwar recht Zeitig auf, da es Frühstück nur bis 09:00 Uhr gibt. Verziehen uns dann aber wieder ins Zimmer. Vorgestern war Präsidentschaftswahl in den USA, gestern wurde der Lindner als Minister entlassen. Es gibt eine Menge zu lesen, aufzuarbeiten und neben dem Weltgeschehen müssen wir uns noch Gedanken zur Weiterreise machen. Wir entscheiden uns, wenn wir schon einmal in diesem Teil der Welt sind, einen Traum zu erfüllen. Wir werden nach Japan fliegen. Dementsprechend buchen wir zumindest schon einmal die Flugtickets für den 14.11.2024.
Gegen 15 Uhr bekommen wir Apetit auf ein Heißgetränk und eine Kleinigkeit zu essen. Außerdem wollen wir zumindest mal durch den Ort schlendern. So landen wir erst im Café Baocap um dann durch den Ort zum Moana Sapa zu schlendern. Die vermeintliche, an Bali erinnernde, Sehenswürdigkeit entpuppt sich als Fake. Hinter einer Paywall befinden sich eine Ansammlung von Installationen, um eine Menge Influenzer-Fotos zu schießen. Nichts für uns, schon einmal gar nicht bei drei Euro Eintritt pro Person 😏.

Wir spazieren weiter, landen versehentlich auf einem Friedhof und dann im SU-Vegeterian. Ein magisches Restaurant. Die Anlage erinnert an einen japanischen Garten. Beim Betreten des Restaurants ziehen wir die Schuhe aus, um dann über aufgeschüttete Kieselsteine zu unserem Tisch begleitet zu werden. Vor einem Kamin, in dem ein kleines Feuer schwelt. Warme Farben, Holzmöbel, Pflanzen und buddhistische Deko, hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Auch das Essen ist ausgefallen und aufwendig angerichtet. So vornehm haben wir lange nicht mehr gespeist 🤗. Beim Verlassen des Restaurants sehen wir am anderen Ende der Stadt einen schick beleuchteten Tempel. Wir fragen das Personal, was das für ein Ort sei und markieren ihn uns für morgen.

Der Freitag startet mit einem Frühstück im Hotel. Es gibt hier genau zwei Gerichte für uns; aufgewärmtes Baguette mit Omelett und gebratene Nudeln mit Gemüse. Es schmeckt immerhin ganz okay 🫣. Gegen Mittag können wir uns aufraffen und spazieren zum Truc Lam Dai Giac Zen Kloster. Ein sperriger Name. Das Kloster wird von einem buddhistischen Orden unterhalten und betrieben. Leider gibt es nicht viele Informationen zu dem Ort, auch die Website ist leider nur auf vietnamesisch verfügbar. Wir nehmen uns trotzdem die Zeit uns den Ort in aller Ruhe anzugucken. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir aber durch damit. Die Bronzeglocke und ein kleiner Hinterraum waren besonders schön anzusehen.

Zurück im Stadtzentrum besuchen wir das Sun Plaza. Ticketstation, Bahnhof, Luxushotel und Shoppingmeile in spe. Wir wollen uns über Ticketpreise für einen Ausflug auf den Fansipan informieren. Leider ist die Ticketstation bereits geschlossen. Die Geschäfte in der Shoppingmeile sind leider noch gar nicht bezogen, also gehen wir wieder. Auf dem großen Platz vor dem Sun Plaza wird ein Event vorbereitet, weil uns nichts anderes einfällt setzen wir uns und gucken dem geschäftigen Treiben der Arbeiter zu. Erst als uns der Hunger heimsucht machen wir uns auf in das Thong Dong Vegan. Wir sind echt überrascht wie groß die Auswahl an rein vegetarischen und veganen Restaurants ist. Leckere Kürbissuppe, Kürbisspaghetti und ein Salat, passend zur Saison. Zum Nachtisch gibt es eine Kuscheleinheit mit Minitiger.

Als wir an diesem Samstag aufstehen und aus dem Fenster blicken ist klar: Heute ist der Tag für den Fansipan! Wir können weit gucken, der Himmel ist blau, die Temperaturen sind angenehm. Frühstück im Hotel? Heute nicht. Wir hätten doch ganz gerne wenigstens ein bisschen Abwechslung. So landen wir wieder im Le Gecko wo wir uns eine leckere Granolabowl gönnen. Außerdem beschäftigen wir uns kurz mit dem Thema Unterkünfte für Osaka Japan. Gar nicht so einfach und deutlich teurer als gedacht. Das schieben wir erst einmal auf.

Gestärkt finden wir uns am Ticketschalter des Fansipan im Sun Plaza wieder. Für schlappe 38€ pro Person kaufen wir Tickets für die Standseilbahn und die Seilbahn selber. Jetzt heißt es erst einmal 40 Minuten anstehen. Die Standseilbahn bringt uns von Sa Pa zur Talstation der Seilbahn. Von da aus geht es mit der Seilbahn über eine Strecke von sechs Kilometern und 1500 Höhenmetern bergauf. Die Seilbahn hält damit angeblich zwei Weltrekorde:
1. für das längste Dreiseil-Seilbahnsystem
2. für die Seilbahn mit dem größten überwundenen Höhenunterschied

Was bereits in der Theorie beeindruckend klingt, ist in der Praxis noch eine Schippe krasser. Nach etwa 20 Minuten kommen wir auf der Bergstation des Fansipan an. Von hier aus heißt es noch einmal 600 quälende Stufen bis zum Gipfel. Also los; wir passieren kleine Tempel, einen gigantischen Glockenturm, die höchste installierte Buddha Statue der Welt, eine riesige Pagode und kommen dann auf dem Gipfel des Berges an. Während des gesamten Aufstiegs hatten wir besten Ausblick mit Sonnenschein. Es ist auch gar nicht so kalt wie befürchtet. Wir genießen den Aufenthalt, trinken ein Käffchen und genießen wieder den Aufenthalt 😁. Berge haben einfach eine magische Anziehungskraft. Hier ein paar Eindrücke 😍

Gegen Nachmittag machen wir uns zurück ins Tal. Die Eindrücke müssen erst einmal sortiert werden, dann ist es außerdem auch schon Zeit fürs Abendessen. 100% vegan gibt es heute gebratenen Tofu in Tomatensoße und Bo Luc Lac Chay, brutzelndes, gebratenes Gemüse mit Soya Schnetzeln auf heißer Gußeisenplatte. Das Essen ist so gut und günstig, dass wir planen morgen wieder herzukommen. Abends entscheiden wir uns noch für eine Unterkunft in Osaka. Es wird ein Zimmer in einer Privatunterkunft für „günstige“ 95€ die Nacht. Wir sind gespannt 😅
Zurück im Hotelzimmer hören wir zwar das Stadtfest welches gestern aufgebaut wurde, wir sind aber fix und alle. Heute geht nichts mehr.

Letzter Tag dieser Woche, wieder einmal. Die Sonntage kommen und gehen in einem unglaublichen Tempo. Seit 44 Wochen sind wir jetzt unterwegs – das klingt echt abstrakt und wir können es selber kaum glauben. Wir verbringen den Tag im Office, Reisebericht schreiben, Geschichten verfassen, mit Freunden und Familie telefonieren. Wir freuen uns immer, wenn wir aus der Heimat hören. 💞

Stroll on,
Christian & Jana

Abonnieren


2 Antworten zu „Reisewoche #44”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    …wie immer… schön zu lesen… und tolle Fotos zum Bericht… 🫶

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von cjstrollaway

      ❤ Danke. Wir drücken Dich

      Like

Hinterlasse einen Kommentar

Previous Post
Next Post