Reisewoche #46

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am

18.11. – 24.11.2024

„Ohne Regen kein Regenbogen“

Hawaiianische Volksweisheit

Für den letzten Tag unseres Aufenthalts in Osaka haben wir uns den wundervollen Nara-Park vorgenommen. Weltbekannt für die, im Park und Umgebung, lebenden Nara-Hirsche. Wir verlassen die Kintetsu-Nara Station nach rechts und laufen in Richtung des Parks. Bereits in der Stadt entdecken wir die ersten, recht gelassene Exemplare. Sie liegen auf der Straße, auf den Grünfläche oder spazieren in der Gegend rum. Jana behauptet, diese Tiere würden sich vor den Menschen verneigen, um an Futter zu kommen. Christian ist äußerst skeptisch. Abwarten.

Als erstes folgen wir den Schildern zum Isuien-Garden. Die Parkanlage in direkter Nähe zum Nara-Park kostet uns 7,40€ pro Person. Dafür werden wir von einem schön angelegten japanischen Garten inklusive einiger Teezeremonie-Häuser, einer beeindruckenden Teichanlage und Bäumen in den schönsten Herbstfarben begrüßt. Der japanische Ahorn leuchtet in den Farben Grün, Gelb und Rot. Fließende Übergänge im Blattkleid lassen uns staunen. So schlendern wir langsam durch die Anlage. Im Anschluss besuchen wir noch das inbegriffene Museum. Hier werden Keramiken, Gemälde und Bronzen aus China, Korea und Japan ausgestellt.

Jetzt aber zurück in den Nara-Park. Über eine kleine Seitenstraße kommen wir auf das Gelände um den Todai-Ji. Dieser beeindruckende buddhistische Tempel beinhaltet eine der größten Buddha-Statuen Japans. Leider völlig überlaufen, sparen wir uns den Eintritt für diese heilige Stätte und starren stattdessen durch die massiven Holztore. Es zieht uns weiter zum Mount Wakakusa. Wir sind etwas irritiert als wir feststellen, dass das Gelände um den Berg abgezäunt ist und auch hier Eintritt verlangt wird. Also lassen wir uns mit unseren Onigiri vor dem Zaun nieder und genießen den Snack in der Sonne. Um uns herum weiterhin einige der heiligen Hirsche und eine Menge Touristen die sich immer wieder vor ihnen verneigen, in der Hoffnung die Tiere würden es ihnen gleichtun. Fehlanzeige.

Gestärkt spazieren wir durch einen 1300 Jahre alten Shinto-Schrein bevor wir uns auf den Weg zum Botanischen Garten machen. Hier lassen wir noch einmal sechs Euro Eintritt liegen, um dann festzustellen, dass die Anlage zwar wirklich schön ist, aber im November einfach nicht viel zu sehen ist. Die Kräuter und Blumen die gezeigt werden sind ausgeblüht bzw. zurückgezogen, die Schilder mit wissenswerten Informationen leider nicht auf englisch verfügbar. Wir erfreuen uns aber an den mächtigen Karpfen in der Teichanlage. Und als wir uns schon auf den Rückweg in die Stadt befinden treffen wir doch tatsächlich auf Rehe, die sich vor uns verneigen. Doch kein Mythos 😏 Und das obwohl wir ihnen statt der Kekse, die man hier teuer kaufen kann, einfach ein paar Eicheln zu futtern geben.
Zurück in der City gönnen wir uns Kaffee und Kuchen für etwa 20 EUR. Lecker wars 🤗 Mit dem Zug geht es zurück nach Osaka, wo wir nur noch ein kleines Abendessen einkaufen und uns auf die morgige Weiterreise vorbereiten.

Wir sind unheimlich gespannt auf die Fahrt mit dem Shinkansen. Der Hochgeschwindigkeitszug mit dem unzählige größere Städte Japans verbunden sind. Vermutlich hat jeder mal davon gehört. Die Fahrt von Osaka nach Tokio kostet uns etwa 90 EUR p.P. und dauert etwa 2 1/2 Stunden. Fliegen wäre günstiger, und etwa genauso schnell. Der Bus wäre günstiger, benötigt aber etwa 6-8 Stunden. Und sind wir mal ehrlich, was ist schöner als Zugfahren? 🚅Am Bahnsteig sind die Wagons gekennzeichnet und für jeden gibt es zwei Eingänge. Je nach gebuchter Sitzreihe stellt man sich an. Als der Shinkansen pünktlich einfährt dauert es keine 30 Sekunden bis alle auf ihren Plätzen sitzen. Das ist auch gut so, denn die durchschnittliche Haltedauer beträgt gerade einmal 50 Sekunden.

Auf geht die entspannte und ereignislose Fahrt. Laute Unterhaltung oder Telefonieren? Untersagt. Lediglich ein kleines Kind ist zwischendurch zu hören. Wir ziehen an Städten, Feldern, dem Meer und dem Fuji vorbei. Letzterer ist zum einen leider nur ein paar Minuten zu sehen und in unserem Fall vollständig von Wolken verdeckt. Da müssen wir wohl noch einmal wieder kommen 😄
Wie angekündigt erreichen wir den Bahnhof in Tokio. Wir finden uns schnell zurecht, wechseln das Gleis und steigen in die S-Bahn die uns in die Nähe unserer Unterkunft bringt. Wir saugen die ersten Eindrücke von der Megametropole in uns auf, wie sie an uns vorbeifliegen. Bahn fahren ist in Japan wirklich eigenartig. Keiner spricht, jeder starrt aufs Smartphone. 100% Smombies.

Die Unterkunft liegt nur wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Tokio in Kita. Mit der Bahn erreichen wir die Station Oji in knapp 22 Minuten. Die restlichen Meter schaffen wir trotz des Gepäcks in wenigen Minuten. Die Wohnung die wir gemietet haben ist klein aber aufgeräumt und genau so wie man sich eine Wohnung in Japan vorstellt 😊 Der Boden ist mit traditionellen Tatami-Matten (Reisstrohmatte) ausgelegt, es gibt Tokonoma (Wandnischen) die mit Reispapier-Türen verschlossen sind und geschlafen wird auf Futons (Rollmatratzen). Die Räume sind durch Fusuma (Schiebetüren) getrennt. Die Wohnung besteht aus zwei „4 1/2 Tatami-Räumen plus Bad und Küche. Wirklich süß. Den Tag beenden wir mit indischem Essen um die Ecke. Die einzige kurzfristige Möglichkeit an vegetarisches Mahlzeiten zu kommen 🫣

Der Mittwoch beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück am flachen Tisch, der oft ein zentrales Element in traditionellen Wohnungen ist. Gemütlich trinken wir Tee und Kaffee bevor es mit der Bahn zur Tokio-Station geht. Vom Hauptbahnhof aus lassen wir uns Richtung Hafen treiben. Wir haben uns Ziele auf den kleinen Inseln im Hafenbecken vor Tokio rausgesucht. Wie kommen an kleinen Gärten in einer Flutmauer vorbei, schlendern durch eine Mall in der Christian eine Modellbauausstellung vermutete, überqueren die Dreambridge und begegnen der Freiheitsstatue. So wandern wir heute schlappe 17 Kilometer durch die Stadt. Als die Dämmerung einsetzt, haben wir einen tollen Blick auf die Rainbowbridge und die Skyline Tokios. Beeindruckend.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stop in Akihabara, der Electric Town. Große Leuchtreklamen, Anime- und Mangabilder zieren die Kaufhäuser. Hier gibt es reichlich Reizüberflutung für unsere Nerdherzen. Bevor wir uns, eigentlich schon erschöpft, in das Abenteuer stürzen gönnen wir uns in einem Döner-Laden noch Falafeltaschen 😄 Wir konnten keine vegetarischen Ramen ohne Fischflocken finden.
Im „Radio Kaikan“ kämpfen wir uns im Anschluss durch zehn Etagen, vollgestopft mit Sammelkarten, Figuren, Elektroartikeln, usw.. Ja! Zehn! Dann ruft auch schon das Bett.

Kalt nasses Wetter und die gestrigen Kilometer lassen uns heute wieder an unserem Frühstückstisch versacken. Gegen Mittag starten wir dann durch. Erstes Ziel, der Kaiserpalast. Tenno (himmlischer Herrscher) ist die Bezeichnung für diesen. Den Palast des Kaisers kann man zwei Mal am Tag besichtigen. Einmal am Morgen, einmal am Mittag. Wir sind theoretisch pünktlich für die 13Uhr Führung. Allerdings zieht sich die Warteschlange über den gesamten Parkplatz der Anlage. Die geführte Tour dauert 2 1/2 Stunden und passt aktuell nicht in unser Stimmungsbild.

Uns zieht es in die Natur und damit zum Meiji-Schrein. Von der Bahnstation zum Park laufen wir durch die teuerste Shoppingmeile die wir seit langem gesehen haben. Rolex, Gucci und Prada reihen sich hier aneinander. Wir erreichen den Park und betreten ihn durch ein riesiges Torii. Die Nationalblume Japans, die Chrysantheme, ziert den Weg links und rechts. Unter Zelten stehen Sträucher, Bonsai und allerlei interessante Formen dieser Pflanze. Am Schrein selber finden Vorbereitungen für eine Art Erntedankfest statt. Überall stehen die unterschiedlichsten Gaben sauber aufgereiht. Wir schlendern eine Weile durch den angrenzenden Wald bevor wir uns zum Meiji Jingu Gyoen, einer Gartenanlage begeben. Von einer Quelle, der Kiyomasa Quelle, wird hier ganzjährig ein Flusslauf gespeist. Die Quelle ist, vermutlich damit man sie nicht übersieht, ausgebaut. Wir stellen uns in eine Schlage und warten brav bis wir an der Reihe sind. Foto machen und einmal das frische Wasser ins Gesicht spritzen, dann den Platz für die nächsten Räumen 😄 Zum Garten gehört außerdem ein Tee-Haus und ein kleiner See an dem wir kurz einen Blick auf einen Eisvogel werfen können. Zum Abendessen gibt es super lecker vegane Ramen im Vegan Bistro Jangara. Weiter geht es zur Shibuya Alle Gehen Kreuzung. Ihr wisst schon, bekannt aus Resident Evil und 2F2F Tokio Drift. Fällt in die Kategorie „muss man mal gesehen haben“. Was man auch mal gesehen haben muss, ist der immer präsente Tokio Tower. Erinnert leicht an den Eifelturm und ist besonders nachts, wegen der auffälligen Beleuchtung, nicht zu übersehen. Wir machen einen kurzen Halt und ein paar Bilder, dann geht es für uns wieder nach Hause. Morgen heißt es schließlich früh aufstehen.

Am heutigen Freitag ist es nämlich so weit. Die Wettervorhersage ist vielversprechend. Also haben wir eine richtige Touristentour zum Mt. Fuji gebucht. In aller Früh stehen wir auf, torkeln im Halbschlaf zur Bahn und lassen uns mit all den anderen Smombies zur Tokio Station fahren. Pünktlich am Treffpunkt treffen wir auf unseren Tourguide und dann geht es auch schon los. Mit dem Bus 2 1/2 Stunden zum ersten Tagesziel. Bereits auf dem Weg zum Arakurayama Sengen Park zeigt sich der höchste Berg Japans immer wieder am Horizont. Mit seiner unverkennbaren, weißen Spitze ist er Motiv für so manche Postkarte 😉
Wir haben wirklich Glück mit dem Wetter und können freie Sicht genießen. Am Park angekommen geht es im Gänsemarsch durch diverse andere Gruppen zum Schrein und dann einige Stufen zur Pagode und einer Aussichtsplattform einen Berg hoch. Es ziehen einige Wolken auf und als wir ganz oben sind ist der Fuji futschi. Pech gehabt 🤣 Zum Glück haben wir bis dahin schon einige schöne Augenblicke gehabt. Wir entscheiden uns noch einen Abstecher zu einem ganz berühmten Fotospot zu machen. Die Einkaufsstraße an dessen Ende der Fuji ragt. Leider auch von hier keine bessere Sicht und da die Zeit eh schon knapp ist, geht es schnell zurück zum Bus. Nächster Halt: Oshino. Die Gegend ist stark geformt durch die vergangen Vulkanausbrüche des Fuji. Die ursprüngliche Seenlandschaft ist Vergangenheit und übergeblieben sind acht kleine Teiche die aus unterirdischen Quellen gespeist werden. Durch Flüsse verbunden leben in diesen Teichen Regenbogenforellen. Das klare blaue Wasser lockt Touristen für Fotos an. Uns locken außerdem Reisteigbällchen und vegetarische Corndogs mit Käse 🤤

Dann geht es schon bald weiter zu einer eher merkwürdigen Sehenswürdigkeit. Einem Lawson (stinknormaler Supermarkt) der günstig gelegen ist und im Hintergrund den Fuji erkennen lässt. Touristen mögen das und machen von diesem tollen Ort unzählige Bilder. Sorry, wir haben leider keine für euch 😀 Wir bleiben für den fünfminütigen Stopp einfach im Bus sitzen.
Zu guter Letzt halten wir noch am Kawaguchi See. Er ist der bekannteste der fünf Fuji-Seen. Und; der Fuji ist wieder fast wolkenfrei zu sehen! Jetzt noch schnell ein Softeis und dann den Anblick so lange wie möglich aufsaugen 🤩
Gegen 16 Uhr machen wir uns mit unserem Bus auf den Rückweg und landen direkt in der Rushhour. Somit werden aus 2,5 Stunden satte vier. Auf dem Weg in die Unterkunft gibt es noch eine heiße Margherita-Tasche aus dem 7-Eleven und dann ist Schicht.

Am heutigen Samstag planen wir unseren weiteren Reiseablauf. Wir haben uns entschieden Japan zu verlassen und für eine Reisepause, quasi Urlaub vom Reisen, nach Thailand zurück zu kehren. Wie der Zufall es so will werden wir dort auf zwei Freunde treffen und uns im Anschluss auf Ko Chang niederlassen. Wie lange? Wissen wir nicht. Vorerst buchen wir 20 Tage in Thailand voraus. Für den Rest des Tages haben wir keine großen Ideen mehr. Am Hauptbahnhof in Tokio besuchen wir noch eine Aquaristikausstellung und dann zieht es uns noch einmal nach Akihabara in die Electric Town. Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten ein, suchen eine ganze Weile ein gescheites Café und kommen dann doch nur in einem Keller unter. Zurück in der Unterkunft erledigen wir noch etwas in geheimer Mission bevor es am Abend noch einmal zu unserem Inder vom ersten Tag in Tokio geht.

Sonntag – und nein, heute ist nicht Arbeitstag 😆 Wir packen unsere Rucksäcke und begeben uns dann ganz entspannt zum Flughafen. Dieser ist mit der Bahn übrigens knapp 1 1/2 Stunden entfernt. Am Check-In wird unsere Geduld auf den Prüfstand gestellt, die Angestellten befinden sich vermutlich in der Einarbeitung. Jedenfalls dauert alles mächtig lange, obwohl acht Schalter geöffnet sind. Gut, dass wir Zeit mitgebracht haben. Am Securitycheck wird unser Handgepäck einmal auseinander genommen, weil wir vergessen haben die Laptops rauszulegen, danach entspannen wir im Wartebereich. Es ist überhaupt nicht voll und die Sitzgelegenheiten sind wie in einer Lounge. Das Boarding startet pünktlich und in zwei Gruppen, wir dürfen zuerst eintreten. Unser Flugzeug, eine Boeing 787.8 ist größer als die Flieger die wir bisher hatten. Es gibt ausreichend Beinfreiheit für Christian und wir haben drei Sitzplätze für uns. 6,25 Stunden später landen wir in Bangkok. Das fühlt sich schon fast vertraut an. Wir sind das dritte mal in Bangkok gelandet. Wir kennen den ÖNPV und finden auch ohne Internet ganz einfach in unser Hotel im Stadtteil Samsen Nok. Es ist mittlerweile Mitternacht. Dementsprechend geht es für uns direkt ins Bett 😴

Wir sind natürlich etwas traurig, dass wir unser Abenteuer Japan nach wenigen Tagen vorläufig für beendet erklären. Aber in unserer jetzigen Verfassung und mit Blick auf die restliche Zeit unserer Reise, ist es für uns die richtige Entscheidung jetzt auf die Bremse zu treten. Wir freuen uns total auf das Weiterreisen, aber eben erst in ein paar Wochen.

Stroll on,
Christian & Jana

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Eine Antwort zu „Reisewoche #46”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    und wieder mal toller ausführlicher Bericht von Euch… 😃

    …und was Eure Auszeit vom Reisen betrifft, macht Ihr alles richtig… 😘

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