Reisewoche #2

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15.01. – 21.01.2024

„Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt“

Perikles

Gerne hätten wir den Check-Out an diesem Montag etwas in den Mittag verschoben, aber Katharina lies keine Diskussion zu; Check-Out um 10:00 Uhr. Also hieß es für uns Backpack schultern und voll beladen in Richtung Busbahnhof schlendern. Der Weg ist ja bekanntlich das Ziel und diese knapp 6 km waren heute besonders anstrengend. Jana hat mit Bauchschmerzen zu tun und ist dazu gesundheitlich angeschlagen, wir machen in regelmäßigen Abständen Pause, das Wetter ist auf unserer Seite, so entspannen wir uns im Sonnenschein auf Bänken in den Parks.

knapp 20kg Gepäck trägt Jana mit sich

Am Busbahnhof angekommen checken wir kurz die Lage, übersichtlich und noch massig Zeit. Da der Bahnhof keine Cafés oder Bistros mit Sitzplätzen bietet, entscheiden wir uns noch ein Stück zu laufen und landen in einem Café am Fußballstadion. Hier können wir immerhin bis 15:00 Uhr im Warmen sitzen und den Tagebuchbeitrag der letzten Woche schreiben. Die letzte Stunde vor Abfahrt verbringen wir im Wartebereich des Busbahnhofes, nur durch Zufall entdecken wir, sieben Minuten vor Abfahrt, unseren Bus. Die Flix-Busse werden hier leider nicht angeschrieben – Glück gehabt.

Die Fahrt nach Belgrad verläuft sehr ruhig, kein Stau, auch sonst keine Probleme. Etwas eigenartig für uns ist die doppelte Passkontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien. Als Europäer die hauptsächlich im EU-Inland reisen sind wir das nicht mehr gewohnt. Außerdem haben wir das erste Mal keine mobilen Daten mehr, gut das wir mit Sebastian während der Busfahrt vereinbart haben, wann und wo er uns in Belgrad einsammeln wird. Wir kommen eine Stunde früher in Belgrad an als gedacht, so bleibt nach einer herzlichen Begrüßung von Sebastian und Jelena noch Zeit den Abend bei einem Schnack ausklingen zu lassen.

Gut erholt wachen wir an diesem Morgen auf, wir freuen uns auf Belgrad, kommen aber recht spät los da wir uns so viel zu erzählen haben. Gegen 11:00 Uhr starten wir dann endlich, hungrig und mit einer Menge Tips für Sehenswürdigkeiten. Unser „Frittag“ (Wortfindung aus Frühstück und Mittag) gibt es heute im Bistro „Paradise Food“ direkt am Markt.

Das Mosaik der St.Sava

Von hier aus bewegen wir uns zur Kathedrale des St. Sava, ein beeindruckendes Gebäude welches seit Baubeginn, 1935 bis heute nicht vollständig fertiggestellt wurde. Besonderes Highlight ist das 15.000 Quadratmeter große Mosaik, an dem alleine 6 Jahre gearbeitet wurde. Es ist das größte zusammenhängende Mosaik in einem Gewölbe in Europa.

Das Fort bei Belgrad, beinahe gut zu erkennen

Weiter geht es zum Fort Belgrad, eine gut erhaltene Ruine einer Festung direkt an der Donau. Es ist zwar bitterkalt draußen, aber man kann sich gut vorstellen wie hier im Sommer das Leben tanzt. Weite, grüne Flächen zwischen vielen Bäumen mit einer fantastischen Aussicht. Da es mittlerweile spät ist und Jelena für uns kochen möchte, machen wir uns langsam auf den Heimweg. Ein leckeres Curry später lassen wir den Abend bei einer Session „Mortal Combat“ ausklingen. Sebastian ist ungeschlagen.

Der Ausblick kann sich sehen lassen

Jana ist verschnupft und Christian’s Füße haben die 18km in Barfußschuhen gestern nicht gut vertragen – die letzten Wochen waren Wanderschuhwochen, das macht sich jetzt bemerkbar. Dementsprechend schwer kommen wir los, allerdings hat Sebastian einen Friseurtermin für Christian gebucht; wird auch langsam Zeit. Im Anschluss wandern wir durch Matsch und Schnee auf einen Hügel, es soll da ein Observatorium geben… leider für die Öffentlichkeit kein Zutritt. Unsere Wanderung war trotzdem schön.

Heute haben wir uns Gedanken zu der Weiterreise gemacht, unsere ursprünglichen Pläne über Montenegro zu reisen haben wir verworfen, da es von dort aus nur zurück nach Belgrad ginge. Wir haben uns für Sofia entschieden, da wir von dort in alle Richtungen weiter kommen. Am Abend geht es in ein traditionelles serbisches Lokal, zu unserer Überraschung wird ausschließlich vegetarisch bestellt. Es wird eingelegtes Gemüse, gebackenes Brot und eine riesige Käseplatte serviert. Unglaublich lecker; auch der Nachtisch überzeugt.

das Bauland an der „Waterfront“

Auf dem Weg zur Arbeit lässt uns Sebastian an diesem Morgen an der „Waterfront“ raus. Dieses Baugebiet wird von einem ausländischen Investor finanziert. Es ist alles unglaublich prunkvoll. Gebaut werden Hochhaus-Wohngebäude, Läden, Hotels und Shoppingzentren. Wir haben Hunger und frühstücken im Kaldis, ein tolles Lokal mit angemessenen Preisen. Ein Spaziergang durch die Mall „Galerija“ mit anschließendem schlendern an der Donau führt uns nach „Novi Belgrad“, das neue Belgrad. Wir überqueren eine baufällige Brücke über die Donau und bei jeder Straßenbahn die an uns vorbeifährt rappelt und wackelt alles, bis plötzlich gar nichts mehr geht; ein Bahngleis ist gebrochen und der Verkehr auf der Brücke kommt zum erliegen. Da wir noch einkaufen wollen, um heute Abend Gemüselasagne für alle zu kochen, machen wir uns langsam auf den Heimweg. Der Abend klingt mit dem Film „Dolomite“ aus. Wir fallen zufrieden ins Bett.

die alte Brücke in Belgrad – etwas unheimlich

Diesen Freitag haben Sebastian und Jelena freigenommen. Wir besuchen Novi Sad, eine Stadt etwa eine Fahrstunde entfernt. Christian lenkt Sebastians Mini durch den anfangs recht unruhigen Verkehr in Belgrad bis auf die Burg in Novi Sad, ein spaßiges Fahrzeug. Das Wetter wechselt von Sonne auf Schneeregen, sodass wir uns auf der Burg nur für ein Foto aufhalten, um dann Richtung Innenstadt zu eilen, wir finden ein tolles Café und genießen hier fast den ganzen Tag 😀 Abends noch kurz Mexikanisch bestellt einen Film gestartet und der Tag endet gemütlich.

Die Zeit in Belgrad neigt sich ihrem Ende. Am nächsten Morgen stehen wir spät auf; Sebastian hat sich etwas eingefangen und wir entschließen uns Frühstück zu bestellen. Grundsätzlich könne man hier alles bestellen woran man denken kann, so Sebastian. Nach dem Frühstück ist die Zeit des Abschiedes schnell gekommen. Wir haben eine halbe Stunde extra eingeplant, um uns am Busbahnhof zu orientieren, gut so. Wir stellen fest, dass man uns gar nicht auf den Bahnhof lässt, ohne noch einmal ein „Bahnsteigentgelt“ zu bezahlen. Das kostet alles Zeit, letztlich erreichen wir unseren Bus rechtzeitig, ein alter Mercedes ohne W-Lan, ohne WC; dennoch haben wir eine gute Fahrt, der Fahrer hält zwischendurch für einen Toilettengang an. Die Grenze zu Bulgarien passieren wir ohne Umstände und mobile Daten gehen auch wieder. Wir kommen wieder viel früher an als geplant und machen uns auf den Weg zu unserem Apartment, 10 Minuten Fußweg.

Das Zimmer ist günstig, zurecht 😀 Für 30 € die Nacht haben wir 4x4m, zur Hälfte mit Dachschräge. Das WC ist in die Dusche integriert oder die Dusche ins WC; wie man es sehen möchte. Ohne laufende Klimaanlage sinkt die Temperatur innerhalb von Minuten auf Außentemperatur und es stinkt nach Klostein, Jackpot.

Wir schlafen trotzdem gut und machen uns gegen 11:30Uhr auf, Sofia zu erkunden; als erste Anlaufstelle gibt es erst einmal Frittag; die Begrüßung „Good morning“ wird mit einem Schmunzeln beantwortet. Eine ältere Frau kommt ins Bistro16 und stellt sich aufgrund fehlender Sitzmöglichkeiten an einen Stehtisch. Nach kurzem zögern bieten wir Theresia einen Sitzplatz an unserem Tisch an, gute Entscheidung. Mit Händen, Füßen und einer Übersetzerapp unterhalten wir uns – eine schöne Erfahrung, mit gutem Frühstück.

Auf unserem Weg zur St. Alexander Newski Kathedrale können wir am Horizont immer wieder den Berg Tscherni Wrach sehen. Wir merken, dass es uns so langsam wieder in die Natur zieht. Dennoch schlendern wir für heute erst einmal weiter, wir kommen an tollen Gebäuden und schönen Parks vorbei. Die dicke Schneedecke verzaubert Sofia in ein Wintermärchen. Wir können uns gut vorstellen wie es hier im Frühjahr und Sommer sein muss 🙂

Den Rest des Tages verbringen wir in einem Café und arbeiten an diesem Beitrag 🙂 Die zweite Woche war zusammenfassend recht ruhig und wir haben die Zeit in Belgrad genossen. Außerdem haben wir festgestellt, dass wir wirklich gerne mit dem Bus fahren – wir freuen uns auf die Touren die da noch kommen werden.

Stroll on
Christian & Jana

4 Antworten zu „Reisewoche #2”.

  1. Avatar von Staubfinger
    Staubfinger

    Hej ihr zwei, sonnige Grüße aus PB ☀️😎. Nachdem ich heute das erste Mal in eurem Blog gelesen habe, staune ich über euer Reisetempo. Viele Länder in kurzer Zeit bedeuten sehr viele Eindrücke und Begegnungen, für die ich euch Zeit zum Verarbeiten wünsche. Danke für die authentischen Texte und guten Fotos!
    Viel Freude in Asien und … passt auf euch auf ✌️

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    1. Avatar von cjstrollaway

      Hey Staubfinger, schön, dass Du Dir die Zeit zum Lesen nimmst. Die europäischen Länder wollten wir recht schnell durchwandern, um mehr Zeit in Asien zu haben. Du hast absolut recht viel zu schnell für so viele Eindrücke. Deshalb haben wir uns aktuell eine kleine Wohnung für die nächsten 2 Wochen in Kamyuva am Mittelmeer genommen. Hier verarbeiten und entspannen wir 😀

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  2. Avatar von Mhaty

    Sehr schön zu lesen!
    Ich hoffe ihr seid wieder wohlauf.
    Wünsche euch weiter viel Spaß!

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    1. Avatar von cjstrollaway

      Vielen Dank für die Blumen 🙂 Ja wir sind wohlauf, wir erholen uns von den Strapazen der letzten Wochen 😀 Viele Grüße vom Mittelmeer

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