29.01. – 04.02.2024
„Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.“
Gotthold Ephraim Lessing
Großartig! Heute machen wir uns auf ans Mittelmeer. Endlich raus aus den Großstädten. Unsere Vorfreude dahingehend ist kaum zu messen. Der Zeitplan für heute? Entspannt. Unser Bus fährt erst um 20:00Uhr, wir sind gut vorbereitet und haben bereits alle Routen offline gespeichert. Seit wir in der Türkei sind, haben wir keine mobilen Daten mehr. Bisher kommen wir damit sehr gut klar.
Check-Out in unserem „Traumpalast“ ist erst um 12:00Uhr. Wir reizen das Frühstück also bis zum Ende aus, packen dann ganz entspannt all unsere Klamotten und sind eine Stunde vor Rauswurf mit allem fertig. Wir checken aus und werden freundlich verabschiedet. Der vermeintliche Hotelbesitzer bietet uns noch an, uns zur Metro zu bringen. Vermutlich hat er etwas Mittleid wegen der großen Rucksäcke. Wir lehnen dankend ab und versuchen zu erklären, dass wir es nicht eilig haben und gerne zu Fuß gehen. So schlendern wir ein letztes Mal entlang der Küste vor Istanbul in Richtung unserer Metro-Station.
In Istanbul gibt es zum einen die Marmaray und zum anderen die Metro. Als wir in Yenikapi ankommen sorgt das kurz für etwas Irritation, wir finden den Richtigen Eingang dann doch noch. Die Metro bringt uns innerhalb von 16 Minuten zum Busbahnhof, dem Otogar. Gut. Da sind wir jetzt. Es ist kurz nach Eins. Zur Sicherheit suchen wir erst einmal den Schalter unserer Busgesellschaft und fragen nach, ob wir denn auch am richtigen Busbahnhof sind. Sind wir. Dementsprechend haben wir also eine ganze Menge Zeit. Toller Plan.


Wir finden ein Café in dem wir es uns bequem machen und verbringen die Wartezeit mit Çay, „Kaffee“, Börek und Baklava bis es uns zum Hals raushängt. Das ist etwa um 15:30 Uhr der Fall. Da das Café kostentechnisch ein Fass ohne Boden ist, wechseln wir in den Wartebereich der Buslinie. Hier sitzen wir eine ganze Weile und beobachten das Treiben. Menschen und Busse kommen und gehen und es spielen sich interessante Szenen ab. Wir beobachten das viele Reisende ein Ticket in der Hand haben. Unseres ist digital – wir fragen am Schalter nach und erhalten auch ein ausgedrucktes, welches wir nie benötigen werden. Eine halbe Stunde vor Abfahrtszeit steigt bei uns die Nervosität. Alle Linien die von hier fahren sind etwa 30 Minuten vor Abfahrt am Terminal. Unsere ist aber noch nicht da. Außerdem beginnen alle Linien mit den Nummern 34xxx oder 35xxx unsere aber nicht. Unsere beginnt mit 59xxx.
Sind wir doch falsch hier? Liegt hier ein Fehler vor? Lieber noch einmal nachgefragt. Nein. Wir sind wirklich richtig und der Bus muss gleich ankommen. Puh. Wir schultern schon einmal unser Gepäck und stellen uns nach ganz vorne um alle ankommenden Busse sehen zu können. Kurz vor Acht. Noch immer keine Spur von unserem Bus. Diesmal fragen wir lieber einen von den rumstehenden Busfahrern, vielleicht haben die am Schalter ja keine Ahnung?! Nein. Der Bus komme gleich. Man würde uns dann Bescheid geben. Immer noch misstrauisch stellen wir uns lieber nach draußen an die Abfahrtterminals, man weiß ja nie. Die Uhr schlägt Acht und die Minuten vergehen. Wir malen uns bereits aus, was wir machen wenn wir heute nicht fahren. Um 20 nach Acht fragen wir noch einmal. Diesmal die Person die hier alles im Griff zu haben scheint. Sozusagen den Oberbusaufseher. Er versichert uns, dass der Verkehr heute schwierig sei und der Bus wirklich gleich komme. In der gleichen Sekunde taucht er tatsächlich auf. Auch wenn wir Verspätungen von unseren heimischen Verkehrsbetrieben kennen und jetzt noch nicht einmal mehr Zeitdruck haben, fällt uns auf, wie ungeduldig wir noch sind.
Die Gepäckaufgabe und das Boarding verlaufen super. Wir sitzen auf unseren gebuchten Plätzen und los geht es. Und ebenso schnell stehen wir auch schon wieder. In Istanbul halten wir noch zwei Mal an, um weitere Fahrgäste einzuladen und irgendwelche Pakete, Hühner, Stoßstangen, Palmen aus Plastik und sonstiges Gedöns in den Gepäckraum zu stopfen. Das scheint hier so gängig zu sein. Es fällt uns schwer zu schlafen. Wir halten gefühlt jede Stunde einmal an. Der Bus hat keine Toilette. Außerdem haben wir bereits alle Stellungen des „Schlaf-im-Sitz-ohne Beinfreiheit“-Handbuchs ausprobiert. Keine funktioniert für uns länger als 15 Minuten. Mitternacht ist mittlerweile durch, als bei einem der unzähligen Stopps Dieselgeruch in den Fahrgastraum dringt. Jemand ist dabei im Motorraum des Busses etwas zu reparieren. Wir sind etwas verdutzt, finden aber weder raus was das Problem ist, noch werden wir darüber aufgeklärt. Jedenfalls wird die Fahrt fortgesetzt, so schlimm kann es also schon nicht sein. Da wir regelmäßig prüfen wie weit wir noch von unserem Ziel entfernt sind, können wir bereits Abschätzen, dass wir nicht wie geplant um 09:00Uhr ankommen werden.

Als die Sonne aufgeht passieren wir eine Bergkette vor Antalya, wir sind auf etwa 925m ü.N. als es zu schneien beginnt. Damit hatten wir jetzt wirklich nicht gerechnet. In Antalya angekommen verlassen einige Mitreisende unseren Bus. Und wir halten noch einmal an einer richtigen Werkstatt. Ein echtes Highlight als ein junger Mechaniker, vermutlich in einer Art Ausbildung, die Abdeckung des Motorraums, bei laufendem Motor, in der Fahrgastzelle öffnet. Es muss niemand aussteigen. Wir dürfen live dabei sein. Ein paar Handgriffe später läuft der Motor des Busses vorerst deutlich ruhiger. Die Fahrt geht weiter, der nächste Stopp, Kemer. Unsere Station. Wir sind etwas verwundert, dass außer uns niemand hier aussteigt. Wir sind aber einfach froh, nach 15:30 Stunden Busfahrt, endlich wieder laufen zu können.
Im nächsten Moment stellen wir fest, dass da ein Berg zwischen uns und unserem Ziel liegt. Memo an uns, neben Distanz auch das Gelände prüfen. Wir sind übermüdet, hungrig und etwas genervt. Da wir so keine Entscheidungen treffen können und wollen, steuern wir erst einmal ein Restaurant an – Frittag! In einem Kantinen ähnlichem Lokal stärken wir uns und treffen die Entscheidung die vor uns liegenden sechs Kilometer, über den Berg, zu laufen. Außerdem haben wir auch kein Internet, um nach einer Alternative zu gucken. Nur noch übermüdet laufen wir tapfer Richtung Ziel. Klar, dass es auf halber Strecke auch noch zu regnen beginnt.

Mittlerweile übermüdet, nass und mittelschwer gestresst, hoffen wir in jedem Haus unsere Unterkunft wiederzuerkennen. Wir haben festgestellt, dass an der Adresse die wir markiert haben nicht unser Apartment steht. Planlos vergleichen wir also jedes Haus mit den Bildern die wir haben. Diese Planlosigkeit bleibt zum Glück nicht unbemerkt. Pepe und seine Freundin halten mit ihrem Auto neben uns und fragen freundlich ob wir Hilfe benötigen. Sehen wir etwa so aus? 😀 Wir nehmen das Angebot an und steigen mit all unserem Gepäck ins trockene Auto. Logisch denken dauert in unserem Zustand etwas länger, so stellen wir uns weder richtig vor, noch kommen wir sofort auf die Idee nach Internet zu fragen. Stattdessen zeigen wir die nichts aussagenden Bilder von unserem Apartment und irren nun zu viert, aber immerhin im Auto, durch die Straßen und suchen nach unser Unterkunft.
Völlig verzweifelt wollen wir nun den Vermieter kontaktieren, da wir keine Telefonnummer von ihm haben fragen wir nach einem Hot-Spot. Kein Problem. Neben der Nachricht die wir schreiben, laden wir auch noch die Koordinaten und können endlich zu unserem Ziel navigieren. Ein riesiges Dankeschön an unsere hilfsbereiten Retter. Unser Vermieter wartet bereits auf uns. Er heißt uns mit einer Hand voll Mandarinen Khakis und Orangen willkommen und zeigt uns unsere Unterkunft. Diese ist diesmal ein Traum! Eigentlich sind unsere Ziele klar, duschen, Bett. Allerdings fällt uns auf, dass wir für unser Abendessen noch Öl benötigen und dass uns in den nächsten Tagen die Wäsche ausgehen wird.



Dementsprechend eilen wir noch in den nächsten BIM und besorgen Öl, Wasch- und Spülmittel. Wir schaffen es an diesem Tag noch den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen, zwei Wäschen zu waschen und Abendessen zu kochen. Ganz schön belastbar.


Als uns am nächsten Tag der Entdeckergeist packt, steckt uns die Anreise noch leicht in den Knochen. Wir entscheiden daher, nur ein kleines Stück barfuß am Strand von Camyuva spazieren zu gehen. Der Ort ist noch wie in einem Winterschlaf. Wir treffen keine Touristen und auch die Hotels und Läden sind noch geschlossen. Das Wetter ist unglaublich gut. Als wir feststellen, dass wir den gesamten Strand Richtung Süden abgelaufen sind, müssen wir leicht schmunzeln. So viel zu ein „kleines Stückchen.“



Wir legen uns noch für eine Weile ans Wasser und lauschen dem Meer dabei wie die Wellen am Kiesstrand brechen. Auf dem Heimweg kaufen wir noch ein paar Zutaten. Die Nudeln mit Gemüsesoße von gestern werden heute noch um Naanbrot ergänzt. Erschöpft und satt fallen wir ins Bett.

Ausgeschlafen müssen wir an diesem Morgen feststellen, dass Christian leicht erkältet ist. Wir haben uns noch nicht an die Klimaanlagen gewöhnt und auch um uns herum sind viele Menschen am husten. Macht aber nichts, da das Wetter weiterhin auf unserer Seite ist bleiben wir heute im Garten liegen. In der Sonne wird uns schnell warm und etwas Ruhe tut uns auch sehr gut. Gegen 16 Uhr raffen wir uns dann doch noch zu einem Spaziergang auf – wir laufen den ganzen Strand in die andere Richtung ab 😀
Wie zu erwarten geht es Christian am nächsten Tag noch weniger gut. Nach einer Stunde Sonnen verzieht er sich erst auf die Couch, dann ins Bett. Außer zum Abendessen kommt er da auch nicht mehr raus. Jana nutzt den Tag zum Arbeiten.
Als wir heute aufstehen steht für uns bereits fest: Heute gehen wir wandern. Wir frühstücken und wollen eigentlich schon los als uns „unsere“ Katze ihre zwei Kitten vorstellt. Haben wir euch schon von ihr erzählt? Seit dem ersten Tag in Camyuva kommt sie jeden Tag mehrfach vorbei, fragt freundlich nach Fressen und ruht sich kurz bei uns aus.



Wir geben den dreien eine Kleinigkeit und bleiben einen Moment, um das lustige Treiben zu beobachten. Jetzt aber los! Wir wandern heute nach Kemer, neben der Wanderung am Strand und spannenden Klippen wollen wir vor Ort einen Roller mieten. Wir kommen zuerst durch den kleinen Ort Kiris. Hier ist bereits etwas mehr los als in unserem Dorf, es finden Ausbesserungsarbeiten an Hotelanlagen statt, Geschäfte werden gereinigt, saniert und es laufen bereits vereinzelt Touristen durch die Straßen. Von Kiris geht es als nächstes endlich in die Natur. Auf unserem Weg kommen wir vorbei an Zitrus- und Olivenbäumen und durch abwechslungsreiche Wälder. Mit jedem Schritt geht es ein kleines Stück weiter bergauf, bis wir einen fantastischen Ausblick über ganz Kiris und das Mittelmeer haben. Wie können noch kurz einen Blick auf eine Schlange erhaschen, die wir wohl beim Sonnenbaden gestört haben. Wir laufen weiter und biegen von unserem eigentlichen Weg ein Stück ab. Wir wandern oft mit den Karten von Komoot und hier scheint es eine kleine Bucht zu geben, die wir uns gerne angucken wollen. Da wir bereits auf Barfuß-Schuh unfreundlichem Untergrund bergab stolpern, lässt uns hoffen, dass es nicht mehr weit ist. Schon im nächsten Augenblick liegt der verlassene Strandabschnitt vor uns.

Das Wasser schimmert in den unterschiedlichsten Blautönen, die Wellen brechen sachte im Kies. Volltreffer. Vorsichtig steigen wir die letzten Meter ab, um die Szene aus nächster Nähe zu genießen. Natürlich machen wir unzählige Fotos und stapfen im Wasser herum. 😀





Eigentlich könnte es kaum schöner sein, wenn wir nicht dauernd über menschengemachten Müll stolpern würden. Es liegen überall Plastikflaschen, Seile, Stoffreste, Dosen, Dreck und Müll rum. Kram, den der Mensch mit zum Strand schleppt, nutzt, konsumiert und achtlos liegen lässt. Das lindert unsere Laune, um ein ganzes Stück und wir wünschen uns, dass jeder etwas mehr auf seine Umwelt achten würde.
Mittlerweile ist es bereits halb vier, die Sonne geht aktuell gegen 18:30 Uhr unter und wir haben noch ein ganzes Stück vor uns. Wir brechen auf. Es geht weiter durch schöne Waldabschnitte und über spannende Wege. Unser ursprüngliches Wanderziel, eine Klippe kurz vor Kemer entpuppt sich als ein etwas höher gelegener Ausguck über das Mittelmeer und kann unser Stranderlebnis nicht mehr toppen. Unser Tagesziel Kemer lässt sich schon bald durch die Bäume erblicken und wir kommen sogar ganz in der Nähe unseres Car-Rentals raus.


In der Nebensaison in einem Urlaubsort zu sein, hat seine Vor- und Nachteile. Jedenfalls kommen wir heute zu früh und zu spät zugleich. Zu früh weil kaum eine Autovermietung bereits geöffnet hat und zu spät, weil die, die bereits geöffnet hatten schon Feierabend haben. Wir treffen noch auf hilfsbereite Bewohner die für uns sogar den Besitzer der Autovermietung anrufen. Hier kriegen wir heute keinen Roller mehr gemietet. Etwas enttäuscht, aber noch hoffnungsvoll gehen wir noch ein Stückchen weiter, wir bekamen den Tipp, dass wir bei IMO-Rent alles kommen würde. Tja – der hat auch schon oder noch Feierabend. Es fahren auch Busse zwischen den Dörfer hin und her. Wir finde weder einen Fahrplan, noch haben wir Internet zum recherchieren.
Langsam wird uns bewusst, dass wir wohl die Strecke nach Camyuva zu Fuß zurücklegen werden. Es gibt noch ein Motivations-Käse-Sesamkringel auf die Faust, dann machen wir uns auf den Heimweg – den kennen wir ja bereits von unserem ersten Tag…Auf der Bergstraße zwischen Kemer und Camyuva ist das Glück dann auf unserer Seite. Wir halten einen, erst wenig begeisterten, Kleinbusfahrer an und überzeugen ihn durch unverständliches Gerede den gequälten Worten „Camyuva please“ uns mitzunehmen. Wir bedanken uns einige Male als er uns an einer Kreuzung verständlich macht, dass sich unsere Wege hier trennen. Unser Geld will er allerdings nicht annehmen. Den Rest des Heimweges legen wir erleichtert, stolz und zufrieden zurück.


Auch wenn der letzte Tag der vierten Reisewoche ganz entspannt startet liegt eine merkwürdige Stimmung in der Luft. Christian hat sich gestern am Fuß verletzt, ein Schnitt im Zeh und allgemein ist er auch noch nicht wieder ganz gesund. Trotzdem starten wir zu einer Wanderung. Um den Fuß etwas zu schonen entscheiden wir uns nicht über den Strand zu gehen, sondern durch den Ort. Der Weg zieht sich und man merkt, dass Christian seine gewählte Route nicht passt. Die Straße wird zu einer Art Autobahn – Jackpot.


Es ist laut, windig, hektisch und alles andere als angenehm. Normalerweise finden wir in diesen Situationen in einen Modus, um das beste draus zu machen. Heute fällt uns das recht schwer. Besser wird es erst, als wir die Straße verlassen können und über einen Schotterweg zum Ausflugsziel kommen. Die Landzunge die hier in das Mittelmeer ragt ist hügelig, wechselhaft bewaldet und rahmt einen schönen Strand ein.


Wir beobachten Angler und Familien die hier dem Alltag entfliehen. Es macht den Eindruck als würden wir teilweise auf alten, abgestorbenen Korallenriffen laufen. Die Steine sind porös, scharfkantig und haben interessante Zeichnungen. Auch die ausgespülten Vorsprünge lassen vermuten, dass hier die Kraft des Wassers die Landschaft geformt hat. Wir bleiben eine ganze Weile und sammeln tolle Eindrücke. Als es Zeit wird zu gehen entscheiden wir uns über den Strand zurück zu schlendern – der schönere Weg.

Insgesamt stellen wir immer wieder fest, wie hilfsbereit, höflich und freundlich alle sind.
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Stroll on
Christian & Jana








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