Reisewoche #19

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13.05. – 19.05.2024

„Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern.“

Leo Tolstoi

Audio zum Reisebericht 19 (folgt)

Nachdem wir gestern den Muttertag mit Arbeiten und telefonieren verbracht haben, wollen wir heute noch ein bisschen Langkawi erkunden. Mit dem Roller geht es zu einem leckeren Frittag ins Smilling Buffalo. Nach einer Minute sind wir direkt nass. Also erstmal tanken. Gut kalkuliert. Nach dem Tanken hört es auf zu regnen und wir reiten weiter nach Kampung Bohor Tempoyak. Wir verfahren uns kurz in einem kleinen Hafen mit Taxibooten. Diese sind in Malaysia ähnlich der in Thailand. Der Unterschied ist der kompaktere und deutlich modernere Motor.


Bei Nasi Lemak und leckeren vegetarischen Klößen schauen wir, wo wir heute noch so hin wollen. Nicht weit entfernt finden wir einen Wellenbrecher vor der Küste. Er sieht auf den Bildern riesig aus. Mal schauen, ob wir mit dem Roller drüber fahren können. Der erste Versuch klappt nicht. Eine Seite ist gesperrt und Baugebiet. Ha, so schnell geben wir nicht auf. Wir fahren die Küste entlang, am Flughafen vorbei, auf die andere Seite des Brechers. In einer kleinen Nebenstraße gibt es einen „Zugang“. Also, es ist schon ein Tor davor, dieses steht allerdings offen und nirgendwo können wir ein Zugangsverbot sehen. Wir trauen uns, auch wenn es sich irgendwie verboten anfühlt. Mit dem Roller können wir bis ans Ende fahren, bei herrlichstem Wetter. Das Meer ist blau und der Himmel geschmückt mit Wattebällchen. Ein Traum.
Nächster Halt: Padang Matsirat (Leuchtturm). Der Weg dahin führt uns an dem Hafen vorbei, an dem wir eingereist sind. Wir setzen uns in den Schatten des Turms und genießen die Aussicht. Bis wir uns als Models probieren 😆. Wir lachen uns bei jedem „Duckface“ kaputt.

Nicht weit von uns entfernt ist einer der Touristen-Hotspots Langkawis. Die Skybridge. Das vorgelagerte „Dorf“ ist wohl ein Retorten-Dorf extra für Touristen. Man zahlt für die Seilbahn und die Brücke extra. Oben angekommen muss man Wasserflasche und Handy abgeben. Warum? Damit oben an der Skybridge Wasser gekauft wird und kein Handy, so dass sie ihre eigenen gemachten Fotos verkaufen können. Klingt nach abzocke. Klar, sollen auch die Einheimischen von dem Touristenwahn was abbekommen, doch wir müssen ein bisschen auf unser Geld achten und wir wollen auf jeden Fall noch eine Mangroventour machen. Mit Kajak kann man da wohl nicht allein rein. Das Gebiet ist riesig. Daher müssen wir eine Tour buchen. Da freuen wir uns drauf, da wir einen Guide dabei haben werden, den wir ausquetschen können.

Hinter dem Berg der Skybridge gibt es die Temurun Waterfalls, sowie schöne Strände. Da wollen wir hin. Haben wir schon erwähnt, wie schön ausgebaut die Straßen hier sind? Es geht wieder Kurve um Kurve die asphaltierten Straßen entlang. Einzig auf Warane, Affen, Warzenschweine und Hunde, müssen wir achten. Wie Ihr wisst, haben wir uns in der Vergangenheit schon einige Wasserfälle angesehen. Die, naja, eher Pfützen und Rinnsale waren. Da es die letzten Tage jede Nacht und am Tag sintflutartig geregnet hat, sind wir voller Hoffnung. Heute gibts nen richtig geilen Wasserfall. 🙌 Das Nebensaison ist, sehen wir vor allem an dem leeren Parkplatz.

Wir laufen über die Straße. Alles ist leer. Leider auch der Fluss und der Wasserfall. Echt jetzt? Ja. Das einzige was hier fließt, ist unser Blut im Rüssel der Mücken und das nicht zu wenig. Wir werden zerstochen. Trotzdem wollen wir bis zum Ende laufen. Am Wasserfall sitzt eine Familie, die in der Pfütze badet. Die Mutter fängt ein Gespräch mit uns an und gibt uns Tipps. Die Malaysier sind wirklich sehr hilfsbereit. Sie erzählt uns, wo wir hinreisen können, um Malaysia kennenzulernen. Das deckt sich mit den Tipps von Myra. Leider müssen wir sie ein wenig abwimmeln, da wir bereits 10 Stiche an jedem Bein haben. Sie hat Verständnis. Wir verlassen die blutrünstige Mückenhölle und düsen weiter.

Wir cruisen über die Straße, bis uns ein Golfcart ausbremst. Ähm.. Woher? Warum? Der Dschungel lichtet sich und ein perfekter englischer Rasen offenbart eine freie Fläche zu beiden Seiten. Ein „Achtung Golfcarts Kreuzen„-Schild gibt uns den Rest. Wir sind in einem Luxus-Golf-Resort angekommen. Das schreckt uns nicht ab und wir schleichen weiter, bis wir zwei dekadente bewachte Eingänge sowie Stacheldraht entdecken. Auch die Straße endet abrupt vor einem riesigen Metalltor und einem Wachmann mit Maschinenpistole. Wir drehen um. An einem unscheinbaren Straßenrand stehen massig Autos und unsere Neugier ist geweckt. Wir fragen einen Einheimischen. Er erklärt uns, dass hier nichts besonderes ist, sondern das hier die Fahrzeuge der Mitarbeiter der Anlagen stehen. Natürlich muss das Fußvolk auf der Straße parken, während Golfcart um Golfcart mit betuchten Gästen ein- und ausfahren. Da es schon spät ist, fahren wir gemütlich zurück und gehen auf dem Weg noch kurz einkaufen. Abends essen wir bei unserem, zwei Minuten entfernten, Restaurant am Meer. Hier bekommen wir zwei Getränke und zwei Gerichte für 29 MYR, umgerechnet 5,69 EUR. Günstig und lecker.

Am nächsten Tag geben wir unseren Roller ab und buchen die Mangroventour inkl. Fledermaushöhle, Adlerfutterstelle und Mittagessen inkl. Transfer für morgen. Für die Tour zahlen wir 280 MYR (54,97 EUR) ingesamt. Da freuen wir uns drauf. Deshalb haben wir heute auch kein schlechtes Gewissen, zu Haus zu bleiben. Mit leckeren Softdrinks und Instantnudeln verbringen wir einen gemütlichen Tag. Unser Hotelmanager hat uns gesagt, dass wir vorab keine Karten für die Überfahrt auf das Festland buchen müssen. Es sind immer Plätze frei und die Fähre fährt alle drei Stunden. Nach unserer Recherche sollten wir in Kuala Perlis einen direkten Anschluss mit Bus nach Butterworth bekommen. Von Butterworth können wir dann mit der Fähre nach George Town übersetzen. Wir buchen daher dieses Mal nichts vor. Auch kein Hotel oder AirBnB. Das fühlt sich aufregend und frei an.

Um 9:20 Uhr stehen wir am vereinbarten Ort. Der Van ist pünktlich und wir werden in den Kilim Geoforest Park gefahren. Die Tour beginnt an einem menschenüberfüllten Pier. Im Hafen selbst stehen an die hundert Longtail-Boote. Wir bekomm von Sha, unserem Guide, einen Aufkleber. Die Tour startet um 10:10 Uhr. Wir haben noch ein wenig Zeit. Nach und nach werden Gruppen von Menschen zusammen getrommelt und auf eines der Boote geleitet. Am Pier sind mehrere Unternehmen ansässig, die Touren anbieten. Nachdem sich der erste Schwung Gewusel sortiert hat, kommt Sha mit einem Schild in der Hand, hebt es hoch und ruft seinen Schwarm zusammen. Ein riesiger Haufen Abenteuerlustige. Wir stellen uns brav in die Schlange. Der einfache Holzsteg knarzt verdächtig unter unseren Füßen. Sha läuft an der ganzen Schlange vorbei und flüstert uns dabei ins Ohr: „Boot 16„. Jau geil, ab nach vorn. Kein Anstehen mehr, wir sitzen. Mit uns 10 weitere Personen aus verschiedensten Ländern und der Kapitän. 🚤


Als Boot 16 voll ist, wird der Motor gestartet und wir schippern 5 Minuten bis zum schwimmenden Restaurant. Zwei Longtails werden an einander gebunden und Sha stellt sich vor. Er ist ein Ranger für das Mangrovengebiet. Wir erfahren, wie wir uns verhalten sollen. Sitzen bleiben und nur rumrennen, wenn der Kapitän es erlaubt, alle mit Rückenproblemen und Schwangere sollten nach hinten ins Boot, da es vorne teilweise ganz schön knallt, wenn wir über die Wellen springen. Sha erklärt, dass wir Westen tragen sollten, er allerdings davon absieht und wir keinen Müll verteilen sollen. Alles was reingeht in die Wälder, geht auch mit raus. Kein Füttern der Affen. Wenn Affen ins Boot springen, sollen wir sitzen bleiben. Wenn eine Schlange ins Boot fällt, sollen wir rausspringen und und und. Sha ist wirklich super. Streng und witzig zu gleich. Wir haben noch kurz Zeit einen Toilettengang einzulegen und dann geht sie los die wilde Fahrt. Unser junger Kapitän kennt sein Boot und die Gegend. Er lässt es sich nicht nehmen, zu zeigen was er drauf hat. Vollgas. Wir springen über die kleinen Wellen und heizen mit Höchstgeschwindigkeit um die Kurven. Erst in den Mangroven, legt er ein milderes Tempo ein.

Unsere ersten Ziele haben wir erreicht, den Gorilla-Mountain und die Adlerfutterstelle. An der Adlerfutterstelle erklärt uns Sha, dass die Adler hier nicht gefüttert werden. Auch, dass sie hier in den Mangroven nicht leben oder nisten. Sie kommen tagsüber in die Mangroven und fischen. Die Motorboote kennen aber einen Trick. Sie touren ihre Motoren kurz hoch und treiben so eine Menge Sauerstoff ins Wasser. Das wiederum lockt die Fische nach oben und die Adler jagen. Gesagt getan und auf einmal sind ein dutzend Adler über der Stelle und schießen pfeilartig zum Wasser. Sha erklärt dazu noch, dass die Fischer sich früher nach den Adlern richteten. Bevor es das Internet gab waren sie ein guter Indikator dafür, wann die Flut und mit ihr die Fische kamen. Wir können uns nicht satt sehen.

Mit Vollgas geht es weiter zu den Makaken. Sie sind etwas schüchtern. Nach einer Weile kommen sie dann doch auf das Boot. Sha erklärt uns, dass auf der einen Seite des Flusses ein Clan und auf der anderen ebenfalls einer lebt. Sie lassen sich in Ruhe, aber niemals würde ein Makake die andere Seite betreten, selbst wenn das Futter zu Ende gehen würde. Zudem gibt es in den Mangroven keine Süßwasserquellen. Deshalb fressen die Affen die Flusskrebse, um an Flüssigkeit zu kommen. Dafür haben sie schwimmen und tauchen gelernt. Wir stehen immer mit zwei Booten an den Hotspots, so kann Sha allen Touristen Input geben. In dem anderen Boot lässt ein Tourist versehentlich eine Plastikflasche ins Wasser fallen. Da hört bei Sha der Spaß auf. Jana hechtet nach vorn, um die Flasche zu bergen. Sha hält sie auf, dass soll der selbst machen. Sowas geht gar nicht. Wie recht er hat.

Wir bleiben beide vorne im Bug bei Sha sitzen als es weiter geht. Sha fragt, wo wir herkommen. Germany. Oh, entweicht es ihm. Sha sagt vor zwei Wochen waren 3000 Deutsche an einem Tag auf Langkawi. Ein Kreuzfahrtschiff hat hier Halt gemacht. Wie eine Flut überfielen sie die Insel.
Weiter erzählt er das er in Lagkawi geboren wurde. Sein Vater hat ihn immer mit zum Fischen genommen, als er ein kleiner Junge war. Die Mangroven sind sein Zuhause. Mitten im Gespräch sagt er plötzlich: „Riecht ihr das?“. Wir riechen Moder und Fisch. Sha riecht eine Schlange. Keine Ahnung ob er uns verarscht hat, eine Schlange hat er trotzdem gefunden. Sie chillt entspannt auf einen Baum und lebt tatsächlich. Konnte Sha die Schlangen so eindeutig riechen? Was denkt ihr?

Nach der Schlange heizen wir zur Krokodile-Cave. Eine Höhle, die bei Flut aussieht wie ein liegendes Krokodil. Wir fahren hindurch, dass ist auch das spektakulärste daran. Der nächste Punkt ist eine Fischfarm. Hier fühlen wir uns etwas unwohl. Sie haben Rochen, Krebse und Fische in allen Formen. Obwohl uns gesagt worden ist, dass dies ein Hilfsprogramm ist, haben wir nicht das Gefühl, dass hier besonders auf die Tiere Rücksicht genommen wird. Ein Beispiel: Sie haben Pfeilschwanzskrebse (Hufeisenkrebse), diese heben sie aus dem Wasser, drehen sie hin und her, biegen an ihnen rum und setzen sie auf die Köpfe der Kinder. Zweifelhaft das Ganze. Wenigstens gibt es eine Toilette und einen Watermelonshake.

Wir könnten stundenlang mit dem Boot über das Wasser heizen und freuen uns schon darauf auf das offene Meer zu fahren. Zuvor halten wir noch an der Fledermaushöhle. Uns wird gesagt, dass wir bei den Affen vor Ort vorsichtig sein müssen, da sie gefährlich sind. Sie haben hier andere Erfahrungen mit Menschen gemacht. Wir zahlen 4 MYR (0,78 EUR) Eintritt und gehen den schmalen Pfad durch die Höhle. Unsere eine Fledermaus am Green Canyon (Türkei) ist dagegen fast lächerlich. Über uns an der Decke hängen hunderte. Einige Besucher haben Taschenlampen dabei. Sie leuchten in die Richtung und ein wildes Gefiepe übertönt die Stille. Die Geräusche sind mysteriös und einzigartig. Ansonsten sehen wir noch Stalaktiten und Stalagmiten.

Unser letzter Stop, bevor es endlich Essen gibt, ist ein Strand zum Schwimmen. Dafür müssen wir einmal über das offene Meer. Jippi. Sha hatte uns zuvor erklärt, dass wir da auf jeden Fall Westen tragen müssen. Das haben aber alle vergessen. 😂 Unser Käpitän gibt dem Boot noch einmal richtig die Sporen. Bis wir an einem „geheimen“ Strand ankommen, mit uns fünf andere Boote. Wir setzen uns in den Schatten, da wir beide keine Schwimmsachen dabei haben. Nach dreißig Minuten geht es weiter und der Kapitän gibt nochmal alles. Er rast mit uns auf eine Felsenwand zu. Wir kennen seinen Fahrstil mittlerweile und sind uns sicher, dass er weiß was er tut. Weiß er doch, oder? Weiß er? Felsen! Vor uns da… Wir sehen uns und das Boot schon zerschmettert im Meer treiben, als sich die optische Täuschung verschiebt und sich ein kleiner Spalt offenbart, durch den wir ungedrosselt durchrauschen. HA HA HA, lustig.. alle lachen erleichtert und tauschen unsichere Blicke hinterher. Genie und Wahnsinn!

Um es mit den Worten von Sha zu sagen: Nun kommt der beste Teil der Tour, Mittagessen. Wir konnten vorher schon mitteilen, dass wir Vegetarier sind und erhalten Reis mit Gemüse. Irgendwie zu wenig und so teilen wir uns noch eine Pommes. Nach dem wir aufgegessen haben, kommt Sha zu uns und flüstert: „Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt schon zurück.“ Ok, machen wir. Wir bedanken uns bei Sha und werden mit einem Privatboot rüber zum Pier gefahren. Hier wartet auch schon ein Kombi auf uns. Der Fahrer ist interessiert, wo wir herkommen und begeistert von unserem Trip. Wie so oft auf unserer Reise ist es gerade die junge Generation, die begeistert zu hört, fragen stellt und träumt. Der schöne Tag neigt sich dem Ende. Wir konnten Langkawi durch diese Tour noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten und würden sie jedem mit Begeisterung empfehlen. Heute gehen wir nur noch schlafen. Morgen müssen wir erst um 11:30 Uhr auschecken. Genug Zeit zum Packen, Frühstücken und Grab bestellen.

Ein letztes überteuertes Frühstück im Kelapa Café nebenan. Wir verabschieden uns vom Red Coral Village und steigen ins Grab zum Pier. Für nur 12 MYR (2,35EUR) fährt uns unser Fahrer 20 Minuten quer über die Insel. Nicht nur das, er ist sehr gesprächig. Wir haben uns angewöhnt, jeden Einheimischen, mit dem wir ins Gespräch kommen zu fragen, wo sie in ihrem Heimatland hinreisen würden bzw. welcher Ort hier der schönste ist. Mohammad ist gewillt uns alles über sein Land zu erzählen. Wir erfahren, dass der ehemalige Premier, mit 97 Jahren, immer noch nach Langkawi kommt, obwohl er in KL (Kuala Lumpur) lebt. Er habe viel für sein Land getan und war sei sehr beliebt. Alle Geschenke von Ministern anderer Länder stellt er in einer Galerie auf der Insel aus. Mohammad erklärt uns, wie wir reisen sollten. Von allen Malysiern, werden die gleichen Orte genannt: George Town, Cameron Highlands, Ipoh, Malakka, Johor und die Ostküste mit all den schönen Inseln. Falls Ihr Euch wundert, warum Kuala Lumpur nicht aufgelistet ist. Die Malaysier winken meist ab. Große Stadt und arrogante Menschen. Auch Borneo /Sumatra, sowie Sabah zählt er auf. Wir erklären, dass wir gelesen haben, dass diese Orte aufgrund von Piraterie schwierig sind. Die Einheimischen beschwören, dass es sicher ist und die Marine alles im Griff habe. Borneo wäre schon ein Traum von uns. Mal schauen, was wir aus der Info machen.

Am Jetty Point (Fährhafen) angekommen, gibt er uns noch seine Rufnummer. Wir können uns immer bei ihm melden, er hilft uns gern. Der Jetty ist riesig, wie ein Flughafenhangar. Wir bekommen für die nächste Fähre Tickets. Abfahrt in einer Stunde. Die Fähre zum Festland kostet insgesamt 54 MYR (10,60 EUR).
Wir holen uns noch schnell Getränke und begeben uns dann zum Check-In.
Bei der letzten Landesgrenze Thailand-Malaysia wurden wir nicht kontrolliert. Dafür aber jetzt. Mehr oder weniger. Eher desinteressiert wird auf den Bildschirm geguckt, während unser Gepäck durch den X-Ray rollt. Da sind wir nun. Diesmal haben wir auch wieder Sitzplätze zugewiesen bekommen. Alles entspannt. Beim Einsteigen in die Fähre geben wir unsere Backpacks ab und fahren entspannt zum Festland. Einen Moment der Traurigkeit erfasst uns, als wir den ganzen schwimmenden Müll auf der Wasseroberfläche sehen. Eine schwimmende Müllkippe. Das nervt einfach nur. Wir schämen uns und philosophieren darüber, wie es wäre, wenn jede Fähre einen schwimmenden Müllsammler hinter sich herziehen würde.

Angekommen in Kuala Perlis müssen wir nur noch unser Gepäck schnappen. In dem kleinen Vorraum vor dem Ausstieg stopfen sich alle um das Gepäck. Ein Stau entsteht. Christian kämpft sich vorsichtig durch, Jana bleibt stecken, kann von da aus aber das Backpack von Christian entgegen nehmen. Keiner wurde zerquetscht. Hier wird nie jemand laut oder unruhig. Alle wahren ihr Gesicht und sind geduldig.


Der Busbahnhof ist nur wenige Meter vom Pier entfernt. Es stehen zwei Busse bereit. Insgesamt befinden sich vielleicht sieben weitere Personen hier. Wird schon. Nach George Town selbst fährt kein Bus, aber nach Butterworth. Super, nehmen wir. Die Fahrt wird ca. vier Stunden dauern. 16 Uhr geht es los. 15:30 Uhr ist Check-In. Für die Tickets zahlen wir insgesamt 40 MYR (7,8 EUR). Unglaublich wie günstig das ist. Da wir mit den fetten Backpacks nicht erneut durch die Hitze traben wollen und der Bus gleich kommen sollte, teilen wir uns auf. Jana geht zurück zum Pier und organisiert irgendetwas zum Essen. Christian passt auf die Backpacks auf. Wir haben die Wahl zwischen Fleisch, Backwaren und Chips und decken uns mit Backwaren und Chips ein. Der Bus kommt nicht wie geplant, aber auch nicht zu spät. Anhalten, einladen und los. Exakt in dem Moment, wo wir starten fängt es heftig an zu regnen. Das Gewitter und der flutartige Regen wird uns, bis wir im Bett liegen, verfolgen.

Wir nutzen die Zeit der Fahrt und buchen uns eine Unterkunft über AirBnB. Wir finden ein Zimmer, welches gut aussieht und nur 19 EUR die Nacht kostet. Zudem ist noch ab heute ein Zimmer frei. Perfekt. Nehmen wir. Für eine Woche zahlen wir 121EUR. Voll gut. Das spektakulärste an der Fahrt ist das Gewitter draußen. Wir erkennen nun, warum wir für 171 km Strecke vier Stunden benötigen. Es ist viel Stau an den Mautstationen und wir halten in den größeren Städten um Reisende abzuholen. Wir nutzen die Zeit und schreiben mit unserem Vermieter Raymond. Er ist uns noch einen Schlüsselcode schuldig. Nur leider weiß er nicht, wer wir sind. Christian schreibt per WhatsApp mit ihm. Schickt ihm alle Unterlagen etc. Es dauert eine Stunde, bis wir endlich die Codes bekommen. Puh, sonst hätten wir noch ein Luxushotel buchen müssen für eine Nacht 😏.

Nur eine Situation während der Fahrt ist für Jana unangenehm. Vor uns nehmen zwei Männer platz und einer starrt Jana an. Sie grüßt freundlich, er reagiert nicht, schaut aber weg. An einer Raststätte geht Christian zur Toilette. Bisher nie ein Problem. Kaum hat er den Bus verlassen dreht sich der Mann um und starrt Jana lange an. Sie spricht ihn offensiv an, ob alles ok sei. Er reagiert nicht, dreht sich um und tuschelt mit seinem Kumpel. Als Christian den Bus wieder betritt ist sie erleichtert und erzählt ihm davon. Beim Aussteigen passiert exakt das Gleiche, er starrt Jana eindringlich an. Diesmal starrt Christian ihn aber auch an und er schaut verlegen und unsicher weg. Das ist ein komisches Gefühl, wenn man zu dem auch nicht kommunizieren kann. Eine bekannte von uns, Eva, die wir auf Reisen kennenlernten und aktuell in Vietnam rumturnt, hat uns von ähnlichen Situationen berichtet. Wir können uns gut vorstellen, wie unwohl sie sich als allein reisende Frau gefühlt hat. Bisher die einzige merkwürdige Situation.

Gegen 20 Uhr landen wir am Busbahnhof in Butterworth. Immer noch regnet es sintflutartig. Zu unserem Glück ist der Fährhafen direkt an dem Busbahnhof angeschlossen. Wir werden nicht nass und bekommen die nächste Fähre. Für umgerechnet 0,79 EUR dürfen wir beide auf die Insel Penang. Gegen 21 Uhr sind wir endlich da. Zwei hungrige, müde Reisende, die nur noch mit einem Grab in die Unterkunft wollen. Von einem Einheimischen, der uns auf der Fähre seine Religion näher bringen wollte, erfahren wir, dass es einen kostenlosen Bus von hier in die Innenstadt gibt. Sehr gut, nur nicht unsere Richtung. Die anderen Busse fahren auch in unsere Richtung. Wir hatten ihn so verstanden, dass eine Busfahrt 3 MYR pP kostet. Dann noch 5 Minuten durch den Regen latschen? Nee wir bedanken uns bei ihm und passen. Das Grab kostet uns nur 12 MYR (2,35 EUR) und ist in 10 Minuten hier. Vor allem setzt es uns direkt vor der Haustür ab.

Alles steht unter Wasser, auch unsere Einfahrt und so werden wir doch noch platsch nass. Erst beim Aussteigen aus dem Taxi und dann noch auf der Suche nach Eingang und Schlüsselkasten. Gegen 22 Uhr betreten wir das Zimmer. Übermüdet, hungrig und genervt, versuchen wir angezickt noch essen zu bestellen. Alles ist geschlossen. Keiner von uns hat mehr Bock durch den strömenden Regen in ein Restaurant zu hetzen. Also snacken wir die letzte Hand voll Käsechips und schlafen. Also Christian schläft. Draußen gibts ein Konzert von hunderten quakenden Fröschen. Aber irgendwann schläft auch Jana ein.

Mit hungrigen Mägen laufen wir am nächsten Morgen zum Love a Loaf. Es gibt hier einiges an Backwaren aus aller Welt. Also eigentlich nicht. Es heißt nur so und kann nicht mit Backwaren aus Frankreich oder Deutschland verglichen werden. Lecker ist es allemal. Zufrieden ziehen wir los. Wir nehmen den Bus vor der Tür. Für nur 3 MYR (0,58 EUR) insgesamt fährt er uns in die Innenstadt. Wir erkunden Chinatown, Little India und freuen uns über die Kunstwerke der Streetartisten. Als nächstes schlendern wir zu den Clan Jetties of Penang. Eine über hundert Jahre alte Siedlung direkt auf dem Meer. Diese beherbergt noch heute chinesische Einwanderer. Insgesamt ist die Hauptstadt der Insel Penang sehr farbenfroh und multikulturell. Hier reihen sich chinesische Tempel neben Moscheen und hinduistischen Bauten. Dazwischen findet man moderne Bars und Restaurants, sowie Kunst.

Jetzt erstmal Essen auf dem Jetty Foodcourt und wir nehmen uns noch die Zeit und schnacken eine Stunde mit Sebastian aus Serbien. Das Essen gibt wieder Energie und wir laufen zum Fort Cornwallis. Wenn wir das so schreiben, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir bei der Hitze auf 12 km Fußweg kommen 😅. Das Fort wurde von Captain Francis Light erbaut. Da wir uns in der Nebensaison befinden, ist das Fort leer. Leider sind dadurch auch keine Stände offen. Also kein Eis für uns. Ein Guide spricht uns an und erzählt uns, dass Malaysia mit Thailand im Krieg stand. Malaysia hatte keine Chance. Also verkaufte der König von Malaysia für 20.000 Pfund Penang Island an das britische Empire mit der Bedingung, dass sie Malaysia vor Thailand beschützen. So konnte Francis sein Fort bauen. Da es keine Abbildung von ihm gibt, steht auf dem Platz im Fort eine Abbildung seines Sohnes. Wir schlendern ein wenig rum, viel können wir uns leider nicht anschauen. Vorbei am Victoria-Denkmal geht es ab zu Wonkies. EIS! Yummi.


Am nächsten Morgen gibt es Frühstück im Bett. Gestärkt schlendern wir zum Strand. Hier finden wir einen alten Kriegsbunker aus dem zweiten Weltkrieg und riesige Steine in perfekter Harmonie mit blauem Meer, Sand und Müll. Wir klettern über die Steine, laufen am Strand lang. Die Sonne brennt heute erbarmungslos. Wir machen Pause auf einer kleinen Insel und schlendern danach weiter. Wir kommen an riesenhaften Hotel- und Wohnanlagen vorbei. Die Küste von George Town ist gespickt von diesen Kolossen. Alle mit abgesperrten Bereichen und Security. Wir klettern weiter über die Felsen, bis wir an einem Strandbereich kommen, der ausnahmsweise richtig sauber ist. Schön. Wir sehen eine Segelschule und eine Restaurant namens The Captain`s Restaurant. Jackpot. (Ja wir schlemmen gern, Pausen sind bei dem Wetter auch wichtig 😋) Wir laufen rein und fragen ob offen ist. Die freundliche Bedienung fragt ob wir Members sind. Zögerlich verneinen wir. Sie erklärt uns, dass der komplette Bereich, Strand und Café nur für die Memberchips ist. Wir werden von einem Security vor die Tür gesetzt.

Na dann halt ins Ang Angs, da werden wir bedient, auch ohne Clubkarte. Auf dem Rückweg gibts noch einen vegetarischen Corndog auf die Faust. Abends bekommen wir noch im Bett liegend ein buntes Feuerwerk zu sehen. Schönes Ende für diesen Tag… Oder auch nicht, denn heute Nacht werden noch vier Menschen vor Schreck schreien. 😱 Folgendes ist passiert:

Die Nacht war stickig und schwer, die Hitze Malaysias ließ uns kaum schlafen. Unerwartet, gegen vier Uhr morgens, rissen uns laute Stimmen aus dem Schlaf. Das Licht im Flur flackert durch den Türspalt unseres Homestay-Zimmers. Frauen, Männer und ein Kind – alle klangen hektisch und aufgeregt, als ob ein unsichtbarer Wirbelsturm durchs Haus fegte. Wir lagen still im Bett, die Ohren gespitzt, als die Geräusche näher kamen. Plötzlich sprang unsere Tür auf, und helles Licht flutete den Raum. Ein Mann steckte seinen Kopf hinein, seine Augen weit aufgerissen, um besser sehen zu können. Jana`s Herz setzte einen Schlag aus. „Was zum…?“, brachte Christian heraus, doch die Worte verhallten im Raum. Wir schrien beide, unser Entsetzen verschmolz zu einem einzigen Laut, der die Luft zerriss. Der Mann starrte uns für eine endlose Sekunde an, dann schrie er ebenfalls, ein wilder, panischer Schrei. Er riss den Kopf zurück und knallte die Tür von außen zu. Jana und Christian sprangen wie Ninjas, nackt wie Gott sie schuf, auf und rannten gleichzeitig zur Tür. Zu allem bereit. Jana reißt die Tür auf und schreit raus „Quiet“ (Ruhe), da ertönt ein weiterer Schrei einer Frau aus dem Treppenhaus. Ins Bett zurückgekehrt liegen wir da, unsere Herzen rasen, die Stille nach den Schreien war fast greifbar.

In der Regel schließen wir ab, sobald wir das Zimmer betreten, doch dieses Mal haben wir beide nicht überprüft, ob die Tür zu ist. Unsere Überraschungsgäste haben wir am nächsten Tag nicht mehr gesehen.

Den restlichen Sonntag verbringen wir im Zimmer und gehen nur kurz aus dem Haus. Nach zwei Tagen sonnengebraten werden, ziehen wir uns gern mal zurück.

Ob wir heute Nacht wieder Besuch bekommen, z.B. über die Kletterwand neben unserem Zimmer, erfahrt Ihr im nächsten Bericht. 😜

Stroll on

Christian & Jana

Eine Antwort zu „Reisewoche #19“

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    …“vier Menschen schreien vor Schreck“… spannend geschrieben… das hätte auch aus einem Thriller von meinem Lieblingsautor stammen können… 😂

    …freue mich jetzt schon auf Euren nächsten Bericht… 😊

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