08.07. – 14.07.2024
„Großstädte sind die zoologischen Gärten der Menschen.“
Charles Tschopp
Audio zum Reisebericht #27
Es ist 4:30 Uhr Morgens, als unser Wecker klingelt. Wir stehen direkt auf, da um 5 Uhr unser Taxi vor der Tür steht. Alles klappt perfekt. Das Essen für unterwegs besteht aus 4 Mini-Croissants, Bananen und Wasser. Das reicht uns und im Zug gibt es ein Bordrestaurant. In Indonesien sind die Taxi-Fahrer nicht so gesprächig, was uns so früh am Morgen nur recht ist. Um 5:15Uhr sind wir am Bahnhof und können erst einmal entspannen. Wir haben „nur“ Economy gebucht, da die Züge auf den Bildern recht passabel aussahen.
Kurz vor 6 Uhr öffnet unser Bahnsteig. Es ist relativ leer und angenehm kühl. Kein Vergleich zum Check-In für das Schiff nach Jakarta. Auf dem Bahngleis stehen gelbe Metalltritte, da die Passagiere sonst nicht in die Züge gelangen. Der Verkäufer von Kereta Api Indonesia (KAI) erklärte uns, dass wir direkt am Restaurant sitzen, nur die Fahrtrichtung ist nicht so sicher. Unser Abteil ist sechs Züge vom Boardrestaurant entfernt, wir sitzen Rückwärts und es gibt nichts zu Essen außer Kekse. 😑 Die vorgefertigten Gerichte sind alle mit Fleisch. Der Zug selbst ist komfortabel und sauber. Die Aussicht ist unbezahlbar. Kaum haben wir Jakarta verlassen, fahren wir an Reisfeldern vorbei, mit Blick in die Ferne. Nach ein paar Stunden gesellen sich am Horizont noch grüne Hügel und hohe Berge dazu. Die Landschaft Javas lädt zum Träumen ein. Pünktlich um 14:30 Uhr fahren wir im Bahnhof von Yogyakarta ein.


Wir müssen den Bahnhof über zwei Gleise verlassen. Was sich für uns befremdlich anfühlt, ist hier Alltag. Unser nächster Stop ist ein Restaurant. Die Kekse während der Fahrt waren nur mäßig befriedigend. Zufällig liegt auf unserem Weg zum Homestay ein veganes Restaurant. Ein Traum und genauso schmeckt es auch. Wir essen leckes Tempeh.🤤 Tempeh ist ein traditionell indonesisches Fermentationsprodukt aus Sojabohnen und Jochpilzen. Wir lassen bei gutem Essen die Seele baumeln bis wir den Rest des 60 Minütigen Fußmarschs fortsetzen. Mit unseren Backpacks schlengeln wir uns durch die schmalen Gassen der Stadt. Schon jetzt wirkt alles sehr viel freundlicher als in Jakarta. Wir werden freundlich nickend gegrüßt, Kinder winken uns zu und jeder fragt wie es uns geht. Auch wenn niemand wirklich interessiert ist, fühlt es sich besser an.


Unser Homestay gefällt uns auf Anhieb gut. Alles ist mit dunklem Holz verziert. In der Mitte des Speisebereiches ist ein Teich, der gepflegt ist und das Zimmer hat einen Balkon und ein geräumiges Bad. Sogar einen Pool, der 24h geöffnet ist und Bikini reicht hier auch aus. An der Rezeption fragen wir nach einem Scooter. Wir können direkt hier einen buchen, mit Bring- und Abholservice. Den brauchen wir aber erst ab Mittwoch. Heute geht nichts mehr.
Eines unserer vielen Talente ist es, genau zur Mittagszeit loszuziehen. Da müssen wir echt dran arbeiten 😆 Wir ziehen trotz der Hitze durch und laufen zum Wasserschloss des Sultans, Taman Sari. Die Region Yogyakarta ist die einzige, die noch von einem Sultan beherrscht wird. Das Wasserschloss gehört ihm und all seinen Vorgängern. Früher badeten u. a. seine Konkubinen hier und warteten blitzeblank darauf, dass der Sultan sich eine von ihnen aussucht. Die Anlage ist gut besucht. Vor allem von Influencern. Obwohl wir meist höflich bleiben und auch ab und an warten, bis eine der vielen Fotosessions vorbei ist, ernten wir immer wieder giftige Blicke, wenn wir einfach vorbei gehen. Diesmal scheinen wir auch an einem falschen Platz zu sitzen. Als wir uns im Schatten durchlesen, wie das Schloss entstanden ist und warum der Sultan es nicht mehr nutzt, steht ein Mädchen vor uns. Still und glotzt. Glotzt. Glotzt. Irgendwann fragt sie, wann wir weggehen, da sie an dieser Stelle Fotos machen will. Wir erklären freundlich, dass wir noch einen Moment brauchen. Wir dachten uns, bei der Fülle an Fotospots hier, sollte es kein Problem sein, erstmal wo anders Fotos zu machen. Sie war definitiv angepisst. Als wir fertig gelesen haben wandern wir weiter und können gar nicht so schnell gucken, wie sie zu Posen beginnt. Verrückt. 🤭 Christian hat die Theorie aufgestellt, dass der Sultan sich seine Konkubinen heute via Instagram aussucht. Er braucht dazu nur Taman Sari eingeben und kann sich eine aussuchen. 😆
Nach dem wir uns das Schlafgemach von Sultan 4 und 10, sowie die Badestelle des Sultans selbst angesehen haben, wollen wir zur Untergrund-Moschee und zu einer Plattform im Inneren des Sumur Gumuling, wo sich vier Treppen in der Mitte treffen. Das Schloss ist umgeben von einer Siedlung, die ihre Häuser direkt bis an die Mauern gebaut hat. Schmale verwinkelte Gässchen beherrschen die Anlage zu allen Seiten. Um dorthin zu gelangen müssen wir uns da irgendwie durchschummeln. Ein freundlichen Guide unterstützt uns dabei. Er führt uns zu allen gewünschten Zielen. Leider alle seit Corona geschlossen. Uns bleibt nur der Blick durch ein mit Holzstäben verschlossenes Fenster. Achja und auf dem Weg zu den Orten lernen wir seine ganzen Verwandten kennen, die zufällig ein Café, einen Kunstladen und Batikkurse anbieten. 😏 Der Ausflug war wirklich schön und wir schlendern durch die Stadt zu einem Restaurant und dann ins Homestay zurück. Ok, was heißt schlendern. Eine Prüfung auf Leben und Tod! Es gibt selten Ampeln, dafür jede Menge Fußgängerüberwege. Das interessiert nur niemanden. Die Zebrastreifen sind zwar gut sichtbar, gefahren wird trotzdem. Das Geheimnis ist: Gut sichtbar sein, Augenkontakt mit den Fahrern und laufen. Auf keinen Fall unsicher stehen bleiben. Dann bricht das blanke Chaos aus. 🤣 Wir kommen unbeschadet an. Morgen stürzen wir uns mit nem eigenen Gefährt in den Verkehr.
Wieder ist unser treuer Begleiter für die nächsten drei Tage eine Honda. Jana traut sich noch nicht in dem Chaos zu fahren. Zum Glück ist Christian mutig und erfahren und stellt sich der Herausforderung. Jana navigiert, Christian strategiert. Die Verkehrsregeln sind unklar, auch Ampeln dienen meist nur der Zierde. Beim Fahren gilt: Drängeln und Hupen. Das funktioniert erstaunlich gut. Nicht nur das. Es läuft und alle sind freundlich. Niemand meckert. Aus zwei Fahrbahnen werden fünf und auch der Bürgersteig wird regelmäßig zur Fahrbahn umfunktioniert. Unser Ziel für heute ist die bekannte Tempelanlage Prambanan.
Der Legende nach hielt ein Prinz um die Hand einer Prinzessin an. Da sie ihn nicht wollte stellte sie ihm die unlösbare Aufgabe tausend hinduistische Tempel in einer Nacht zu bauen. Der Prinz war so verzweifelt, dass er die Dämonen bat ihm zu helfen. Mit ihrer Hilfe schien das Ziel nah. Als 999 Tempel gebaut waren und der Sonnenaufgang noch fern war, bekam die Prinzessin Panik. Sie befahl ihre Diener am Horizont ein großes Feuer zu entzünden. Dieses sah aus wie der Sonnenaufgang und so glaubte der Prinz verloren zu haben.
Bis auf die drei Haupttempel in der Mitte der Anlage sind viele durch ein Erdbeben zerstört worden. Nur die Steinhaufen erinnern noch daran. Die drei größten huldigen den Göttern Shiva, Brahma und Vishnu. Als wir Pause im Schatten eines der Tempel machen, kommt eine Gruppe von zehn indonesischen Frauen und einem Mann auf uns zu. Sie lachen, sagen freundlich hallo, fragen wo wir herkommen und ob sie ein Foto mit uns machen dürfen. Eine Frau lacht glücklich und leicht schüchtern, als Jana den Arm um sie legt. Der Mann gesellt sich direkt neben Christian und versucht sich so groß wie möglich zu machen. Als sie sich bedanken und wir mit „Sama-Sama“ (sehr gern) antworten, können die Frauen sich kaum noch halten vor Freude. So lustig und genauso befremdlich. 🫣
Das Areal selbst ist wirklich schön. Es gibt noch drei weitere Tempel u.a. auch buddhistische. Ein Museum, Cafés und ein Restaurant. Wir verbringen den ganzen Tag hier. Pünktlich zum Berufsverkehr winden wir uns in einheimischer Manier zum Abendessen und zurück in die Unterkunft.
Um der Mittagshitze zu entgehen, wollen wir heute erst gegen 14 Uhr losziehen, daher chillen wir auf dem Balkon und im Zimmer. Wir haben zwar einen schönen Pool und einen Teich, der Mückenreichtum schreckt uns aber ab, uns dort abzulegen. Wir wollen heute zu einem Wasserfall ins Hochland. Nachdem wir den Stadtbereich hinter uns gelassen haben geht es endlich in die Natur. Reisfelder, wenig befahrene Straßen und die hohen Berge Javas. Bergauf kommen wir immer wieder an kleinen Dörfern vorbei. Mit ihren Häusern aus Bambus und Holz, sowie den dichten Wäldern und üppigen Feldern dazwischen fühlt es sich an, als wären wir durch die Zeit gereist. Wir könnten tagelang durch das Hochland fahren.
Irgendwann haben wir weder Empfang noch GPS und hoffen auf Beschilderung, um den Wasserfall zu finden. Das klappt zum Glück. Tadaaa! Im ersten Augenblick vermuten wir, dass wir die einzigen Besucher hier sind. Wir zahlen den Eintritt von drei Euro und die Parkkosten von 0,17 EUR und bahnen uns den Weg in den Dschungel. Als wir an einem leeren Stein-Schwimmbecken vorbeiziehen drängt sich der Verdacht auf, dass wir wieder einen No-Waterfall finden. Zum Glück nicht. Es gibt einen Schwimmbereich und mehrere Wasserfälle MIT Wasser. Der Bereich darum ist eher eine Art Naturbad. Es gibt Bambusbrücken und Sprungtürme. Vor allem den fast größten Bambus, den wir je gesehen haben. Apropos ein Freund von uns (Flo) schrieb uns folgenden Witz dazu: „Geht ein Panda über die Straße: Bam Bus.“ 🤣 Badesachen haben wir leider nicht dabei, schön ist es trotzdem. Auf dem Rückweg verfahren wir uns dann, bis uns die Intuition wieder auf Kurs bringt. Die Reisfelder in der Abenddämmerung laden zum Träumen und auf Bananafritters ein. 😋








Auf dem Weg zurück in die Stadt frieren wir uns den A… ab. Ja richtig, wir frieren. Anders als in Thailand und Malaysia gehen die Temperaturen hier in Indonesien nachts auf 18-19 Grad runter. Auf dem Scooter fühlt es sich sogar noch kälter an. Wir sind froh, als wir das Blackforest Restaurant erreichen und uns aufwärmen können. Heute wollen wir auch früher ins Bett, da wir uns vorgenommen haben morgen den Sonnenaufgang über dem Vulkan Merapi anzuschauen. Wir wollen um 4:30Uhr aus den Federn. Das erzählen wir auch im Hotel und ernten dafür ein vehementes Kopfschütteln. „Zu spät.“ Sie kennt sich hier besser aus und tatsächlich ist der Sonnenaufgang früher als erwartet. Wir müssen demnach um 3:30 Uhr aufstehen um pünktlich da zusein inkl. eine Stunde Fahrt, Parken und Aufstieg auf den Berg. Wir bekommen sogar ein Frühstück mit. Wir geben zu, kurz haben wir darüber nachgedacht, dass es ja nur ein blöder Sonnenaufgang ist. 😅 Wir bleiben bei unserem Plan und gehen schlafen.
3.. 3.. 3:30 Uhr. Gähn. Oh man. Wo? Wer? Warum? Achja, wir, ein Vulkan, Sonnenaufgang und Tempelanlage Borobudur. In Turnschuhen, dickem Pulli und langer Hose schwingen wir uns samt Takeaway Frühstück auf den Scooter und düsen in Richtung Hochland. Wir kommen pünktlich zur Dämmerung an. Sprinten den Berg hoch bis Jana fast die Lunge aus dem Hals springt und genießen zusammen mit hundert anderen Verrückten das Spektakel. Der Vulkan ist immer noch aktiv, was man gut an der Rauchschwade erkennen kann. Der Himmel wechselt von Rot auf Orange zu Gold. Die Nebelschleier der Nacht verteilen sich in den Wäldern und ganz weit entfernt kann man die Glocke des Tempels Borobudur durch die Nebeldecke hindurch erkennen. Auch wenn das laute Gerede der anderen kurzweilig nervt, ist es ein schöner Anblick. Bevor wir weiter in die Tempelanlage ziehen, genehmigen wir uns noch einen Kaffee mit herrlicher Aussicht.
Der Tempel ist nur 15 Minuten entfernt. Er öffnet um 7:30 Uhr und der Parkplatz erst gegen 8 Uhr. Wir werden auf die gegenüberliegende Straßenseite verwiesen. Dort stehen zwei Männer und erklären uns, dass wir für 5.000Rupien (0,28 EUR) vor dem Laden parken dürfen. Das fühlt sich wieder alles andere als korrekt an. Eine Alternative gibt es rund um den Tempel nicht. Wir zahlen und gehen in der Hoffnung, dass der Scooter nach dem Besuch noch da ist. Der Eintritt für Ausländer liegt bei 455.000 IDR (25,84 EUR), Einheimische zahlen 120.000 IDR (6,81 EUR). Da wir unser Essen nicht mit aufs Gelände nehmen dürfen, gibt es erstmal Frühstück auf einer schattigen Parkbank. So früh am Morgen lassen sich die Temperaturen aushalten. Dann geht es ans Erkunden. Die Anlage ist nicht ganz so schön, wie die Prambanan, finden wir. Wir dürfen auch leider nicht auf den Tempel rauf, da es dafür keine Tickets mehr gibt. Die sollte man zwingend eine Woche vorher buchen. So laufen wir zweimal drum herum und dann zu einem Hügel, wo wir eine fantastische Aussicht über die Berglandschaft und den Tempel haben.




Als wir die Anlage verlassen wollen wundern wir uns, warum es nur einen Exit gibt und dieser auch noch auf die gegenüber liegende Seite des Eingangs führt. Schnell wird klar, dass es sich hierbei um eine Touristenfalle handelt. Der Exit besteht ausschließlich aus Souvenir- und Essensständen und es gibt keinen Weg daran vorbei. Wir sind gezwungen durchzulaufen. Wir werden auch nicht aus dem Gelände geführt. Vorerst führt der Weg einmal am Rand der Anlage entlang, fast komplett zurück zum Eingang und es gibt kein Entkommen. Nach dem Zwanzigsten freundlichen „No Thanks“ können wir nur noch mit dem Kopf schütteln. Natürlich wissen wir, dass viele hier darauf angewiesen sind, dass jemand etwas kauft, die Art und Weise ist dennoch anstrengend. Wir kaufen nichts und auch unser Scooter ist noch an Ort und Stelle. Wir sind müde und fahren einen Umweg durch einige kleine Dörfer. So brauchen wir zwar länger, die Fahrt ist aber entspannter und schöner. Den Rest des Tages holen wir Schlaf nach und fahren noch in ein mediteran-europäisches Restaurant mit leckerer Pizza.
Es ist Samstag und wir sind Faul. So faul, dass wir uns abends sogar Essen bestellen. 🤣 Wir machen uns Gedanken über unsere Weiterreise. Java ist so schön, vor allem das Hochland und die Vulkane. Mittlerweile vermissen wir aber das Meer und wir müssen frühestens 14 und spätestens 7 Tage vor Visa-Ablauf die Verlängerung beantragen. Hier in Yogyakarta konnten wir diese noch nicht machen. Wir entscheiden uns daher mit dem nächsten Zug direkt nach Bali durchzufahren.
Am Sonntag suchen wir nach einem geeigneten Immigration-Office, einer Zugverbindung und einer Unterkunft. Wir entscheiden uns für den Norden Balis und wollen nach Lovina. Hier gibt es ein Immigration-Office, Meer, Berge und eventuell Delfine. Wir buchen eine Nachtzugfahrt von 12h zum Fährhafen.
Stroll on,
Christian & Jana




















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