15.07. – 21.07.2024
„Das Leben ist wie eine Speise, welche uns nur ihrer Gewürze wegen schmeckt.“
von Victor-Marie Hugo
Reisewoche #28
Montag, Reisetag. Wir haben heute eine Menge Zeit. Unser Zug fährt voraussichtlich gegen 18:40 Uhr los. Nach dem Frühstück bleiben uns also noch einige Stunden. Die Rucksäcke packen wir gemütlich routiniert, pünktlich zum Check-Out um 12:00 Uhr sind wir fertig. Die Unterkunft hat uns wirklich gut gefallen und auch jetzt zeigt sich das Griya Yunika von seiner besten Seite. Wir können die Rucksäcke im Büro des Hotels abstellen und unsere Erledigungen machen. Das bedeutet in dem Fall mit Vorräten eindecken. Unsere Zugfahrt ist mit etwa 12 Stunden angesetzt, es folgt eine Fähre und dann müssen wir irgendwie vom Hafen im Westen Balis zur 80km entfernten Unterkunft im Norden gelangen. Es wird also eventuell eine sehr lange Reise und wir wissen mittlerweile ganz gut, dass zwei Dinge dabei problematisch für die Stimmung werden können: Hunger und Müdigkeit. Zumindest gegen den Hunger können wir uns wappnen 😄
Die NSA Bakery und der Indomaret (7eleveN Indonesiens) sind unsere Anlaufstellen für Gebäck und Snacks. Zurück im Hotel ist es immer noch viel zu früh um zum Bahnhof aufzubrechen. Im wunderschönen Innenhof unserer Unterkunft vertreiben wir uns noch ein wenig die Zeit bis wir das Gefühl haben aufbrechen zu wollen. Wir werden herzlichst von Bella, der guten Seele der Unterkunft, verabschiedet. Noch ein Selfie als das Taxi vorfährt und dann sind wir auch schon auf dem Weg zum Fortunate Coffee. Hier hat unsere Zeit in Yogyakarta begonnen, hier soll sie enden ☺️ Leckere Drinks, eine spannende Partie Schach und zum Schluss eine gute Mahlzeit bereiten uns perfekt auf das letzte bisschen Fußweg und die Zugfahrt vor. Die Bahngesellschaft empfiehlt eine Stunde vor Abfahrt am Bahnhof zu sein. Wir sind der Meinung, dass das viel zu früh ist da alles sehr organisiert abläuft, halten uns aber trotzdem in etwa an den Zeitplan. Bevor wir den Bahnsteig betreten dürfen, müssen wir unsere Onlinetickets noch in Boardingkarten umwandeln. An den dafür bereitstehenden Automaten geben wir unsere Buchungsnummer ein, wählen unsere hinterlegten Tickets aus und drücken auf Print. Auch dieses Mal kein Problem. Gegen 18:00 Uhr stehen wir am Bahnsteig und uns damit die Beine in den Bauch. Neben den Einheimischen beobachten wir, wie sich immer mehr Touristen versammeln. Auf den über 500 kommenden Kilometern sind wir also nicht alleine unterwegs 😆


Unser Zug fährt pünktlich ein und wir finden schnell unsere bequemen Sitzplätze der Executive Class. Uns wurde der Komfort ans Herz gelegt, da die Schlafposition in Kombination mit der Beinfreiheit gut sein soll. Wie es das Schicksal so will funktioniert zumindest ein Sitz wie er soll. Das kann ja was werden. Zu unserer Freude gibt es für jeden Sitzplatz eine große Decke. Bei der Einstellung der Klimaanlage auch zwingend notwendig. Etwa 20°C herrschen in den Wagons. Da helfen weder Pulli noch die lange Hose um warm zu bleiben. Wir wickeln uns also ein und versuchen so viel Schlaf zu kriegen wie irgendwie möglich. Dabei werden wir vom Licht im Abteil, zankenden Geschwistern, Holzfällern im Akkordbetrieb und regelmäßigen Haltestellen-Ansagen boykottiert. Gefühlt jede halbe Stunde halten wir an. Für jede Station gibt es vier Durchsagen. Sehr laut 🫣 Jana entschließt sich dann doch bis nach Mitternacht zu lesen, Christian schafft es zumindest immer mal wieder einzuschlafen. Irgendwann gegen zwei Uhr nachts kommen wir in der Küstenstadt Surabaya an. Dann bricht Unruhe aus. Ein Zugbegleiter beginnt damit jede Sitzreihe per Hand um 180° zu drehen. Der Bahnhof ist eine Sackgasse und wir fahren in die andere Richtung weiter. Damit niemand Rückwärts fahren muss, wird kurzer Hand die Einrichtung gedreht. Abgefahren. Natürlich sind jetzt alle wieder hellwach. Weiter geht es. Gegen 03:00 Uhr schreckt Christian kurz aus dem Schlaf auf. Dann gibt es ein leises Ständchen von Jana, Geburtstag!


Wir schlafen noch ein paar kurze Male ein, bis die Morgendämmerung anbricht. Wir sind bereits in Küstennähe und nur noch wenige Minuten vom Ziel entfernt. Zu unserer linken beobachten wir wie die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel der umliegenden Berge und Vulkane berühren. Mit den Nebelschwaden über den Reisfeldern ein unglaublich schöner Anblick.
Endstation Ketapang. Die Morgenluft tut gut, hat aber Mühe uns wach zu kriegen. Erholung ist jedenfalls anders. Am Bahnhof wimmeln wir die wartenden Taxifahrer ab und machen uns zu Fuß auf den Weg zum naheliegenden Hafen. Das Gelände wirkt verlassen. Die Geschäftsräume links und rechts am Durchgang sind alle leer, die Glasfronten verstaubt. Der Ticketschalter ist nicht besetzt aber ein Mitarbeiter teilt uns mit, dass wir Tickets im Café kaufen könnten, da vorne rechts. Tatsächlich sitzt an einem Stand eine Frau mit Handy und Drucker und verkauft uns Fährtickets für knapp zwei Euro. Stolz, dass das so einfach war machen wir uns auf zur Fähre. Wir können sofort zusteigen und müssen nicht lange warten, dann legen wir auch schon ab.


Wir sind nicht sicher, ob wir es mit dem Kahn auf die andere Seite schaffen, das Deck ist überall durchgerostet, verbeult oder provisorisch geflickt. Außerdem ist die See heute relativ rau. Bestimmt zwei Meter geht es auf und ab, links und rechts. Wir genießen die Fahrt trotzdem. Der Wind ist frisch, die Energie der Sonne kribbelt schon im Gesicht. Die Aussicht auf das kleiner werdende Java, grandios. Bei dem Anblick sind wir etwas traurig, dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, die Berge und Vulkane Javas zu besteigen. Im nächsten Moment freuen wir uns aber riesig auf die Natur Bali’s.
Beim Anlegen in Gilimanuk stellen wir begeistert fest wie klar das Wasser hier ist. Der Vulkansand wird von der Strömung kaum aufgespült und es schimmert wirklich schön. Wir verlassen die Fähre über eine Brücke und werden vor dem Hafen direkt in Empfang genommen. Wir haben keine Informationen zu Busverbindungen finden können und uns darauf verlassen, dass wir schon irgendwie von A nach B kommen werden. Unser Empfangskomitee weiß jedenfalls Bescheid und begleitet uns direkt zum Busbahnhof den wir eh angesteuert hätten. Die gewünschten Linienbusse und einen Ticketschalter finden wir hier zwar nicht, dafür wird uns aber die Fahrt mit einem Bemo, den Minibussen der Einheimischen, angeboten. Für „nur“ 100.000IDR, etwa sechs Euro, wären wir dabei. Wir haben weder einen Preisvergleich, noch kommt uns das für knapp zwei Stunden Fahrt zu viel vor, also schlagen wir ein. Die Bemos sind klapprige, löchrige, alte Minibusse, Platz für Gepäck, eher unwichtig. So werden unsere Rucksäcke auf „Kofferraum“ und Fahrgastzelle aufgeteilt. Wie die meisten Minibusse in ganz unterschiedlichen Ländern, fahren diese erst wenn sie voll sind. Das heißt für uns: warten. Etwa eine Stunde später werden zwei weitere Fahrgäste zum Bus begleitet. Noch einmal zehn Minuten später kommen der Fahrer und ein weiterer Mann zum Fahrzeug und teilen mit, dass wir sofort losfahren könnten, wenn wir insgesamt weitere 100.000IDR zahlen würden. Weil der Bus nicht voll sei. Und auch in naher Zukunft nicht voll würde. Zögerlich stimmen wir zu, macht schon mal neun Euro pro Person.


Immerhin geht es umgehend los. Die Tür zu Christians linken wird nicht geschlossen und so rappeln wir bedrohlich durch die Gegend. Zwischendurch steigen Menschen ein und wieder aus, das kennen wir so. Der alte Bus hat ordentlich zu tun sobald es bergauf geht. Und es ist unheimlich laut. Ein Glück sind wir zumindest in die richtige Richtung unterwegs 😆 Auf etwa der Hälfte der Strecke steigen die anderen beiden Reisenden aus. Unseren aufmerksamen Blicken entgeht nicht, dass sie 150.000IDR zahlen. Kommt also hin. Als wir völlig durchgeschüttelt in Lovina ankommen fragt der Fahrer nach weiteren 100.000IDR. Wir schütteln verwirrt den Kopf und erklären, dass wir ja schon extra gezahlt haben. Unverständnis auf beiden Seiten und eine Sprachbarriere, keine gute Mischung. Der Busfahrer spricht einen Mann am Straßenrand an und der versucht sichtlich irritiert zu übersetzen. Hinter dem Bus hält ein Roller an und ein weitere Mann gesellt sich dazu. Was im ersten Moment recht bedrohlich wirkt, hilft uns am Ende zu verstehen.
Der zweite Mann begrüßt uns erst einmal freundlich auf der Insel und erklärt dann, dass er sich nicht einmischen wolle, sonder lediglich übersetzen hilft. Wir verstehen, dass unsere Nachzahlung nicht beim Fahrer angekommen ist, sondern bei der „Agentur“ und der Fahrer jetzt nicht genug Geld habe. Wir geben zu verstehen, dass das Problem die Abläufe betrifft und nicht uns. Wir haben gezahlt, was mit uns vereinbart wurde. Wir haben schon davon gelesen wie auf Bali versucht wird, an das Geld der Touristen zu kommen und wie die Bereiche sich das Geld gegenseitig wegnehmen. Wir können hier nicht unterstützen und verlassen den Busfahrer ohne weiteres Geld zu zahlen. Unser Übersetzer hat natürlich auch nicht ohne Hintergedanken angehalten und möchte uns Touren, Fahrzeuge usw. verkaufen. Wir werden ihn los als wir seine Visitenkarte annehmen.
Da wir besser durchgekommen sind als geplant und zu früh für den Check-In sind, machen wir es uns in einem Restaurant bequem. Auf dem Weg werden wir noch zwei Mal angesprochen. Typischer Indo-Smalltalk der immer mit Angeboten für irgendetwas endet. Im Restaurant stoßen wir voller Freude darauf an, dass wir es hergeschafft haben. In der Unterkunft, dem Binaria Museum Hotel, werden wir mit einem Erfrischungsgetränk und einer Obstplatte begrüßt. Das Zimmer ist bezugsfertig und mit Blüten der heimischen Bäume dekoriert. Wir vereinbaren zur Feier des Tages noch einen Massagetermin und gehen dann erst einmal ein Nickerchen machen.
Der Mittagsschlaf hat richtig gut getan und wir sind bereit, uns die Seele aus dem Leib massieren zu lassen. Eine Stunde lang wird jeder Muskel unserer Körper angenehm behandelt. Das tut richtig gut und wir können uns gar nicht genug bedanken als das Ganze viel zu schnell zu ende ist 🫠 Währenddessen ist die Sonne untergegangen. Zeit ein Abendessen zu uns zu nehmen. Im Hotel eigenen Restaurant gibt es leckere vegetarische Gerichte und ausnahmsweise ein Bier. Das Singaraja ist ein Pils das einen Ort weiter gebraut wird. Das muss natürlich zumindest mal gekostet werden. Zum Abschluss des Tages spazieren wir noch kurz am Strand entlang bevor es für uns ins Bettchen geht.
Der Mittwoch startet am Frühstücksbuffet des Hotel. Gebratene Nudeln, Reis, Gemüse, Obst und Toastbrot. Wir haben das asiatische Frühstück mittlerweile richtig gern. Gegen 08:30 Uhr wird, wie gestern an der Rezeption bestellt, ein Roller für uns geliefert. 110ccm, eine Honda. Eigentlich gehört die wohl schon in den Ruhestand. Den Tacho kann man nicht mehr ablesen, die Verkleidung ist völlig verrammelt und auch sonst ist nichts positiv hervorzuheben. Doch der Motor läuft. 🤣 Für etwa 4,40EUR am Tag beschweren wir uns darüber allerdings nicht. Zumindestens sind wir jetzt Startklar für unsere heutige Mission; Ab ins Immigration-Office, das Visa verlängern. Vorher müssen wir aber noch einige Dokumente kopieren bzw. ausdrucken. Das freundliche Personal eines Supermarkes hilft uns beim Anfertigen der Dokumente und dann düsen wir auch schon weiter. Wir wundern uns schon ein wenig, dass hier so wenig los ist. Die Straße ist quasi leer und die Läden scheinen alle noch nicht geöffnet zu haben.
Wir erreichen das Amt und freuen uns über einen komplett leeren Parkplatz. Nur ein paar Menschen laufen hier rum. Das Licht ist auch aus, sehr merkwürdig. Dann werden wir darüber aufgeklärt, dass heute ein Feiertag auf Bali ist. Das Amt hat geschlossen 😅 Wäre auch zu schön gewesen. Wir fragen noch nach, was gefeiert würde und erfahren, dass es sich um eine Zeremonie namens Pagerwesi handelt die im Stadttempel zu beobachten sei. Gut, wir haben für den Rest des Tages nichts mehr vor, also steuern wir umgehend den Pura Jagatnatha Singaraja Tempel an. Wir stellen den Roller ab und fest, hier sind alle traditionell gekleidet. Außer uns. Wir betreten das Gelände des Tempels und fühlen uns etwas fehl am Platz. Wir fragen am Eingang zum Tempel nach, ob wir eintreten dürften. Nein, so wie wir gekleidet sind nicht. Aber wir können zu einem Nebeneingang und von dort die Zeremonie beobachten. Das machen wir dann auch. Der Tempel hat eine Art Vorhof, hier sammeln sich die Gläubigen. Während im inneren des Tempels die Zeremonie mit der vorherigen Gruppe stattfindet.
Es ist wichtig die Konzentration beim Beten nicht zu verlieren, deswegen ist währenddessen kein Ein- oder Auslass. Ist die Zeremonie durch, verlassen die Betenden den Tempel über einen Ausgang und die nächste Gruppe darf eintreten. Wir beobachten das Treiben eine ganze Weile, dann werden wir von einem Einheimischen angesprochen. Der anfängliche Smalltalk endet damit, dass man uns eine Schärpe besorgt (ein Dekotuch in Streifen geschnitten sollte genügen) und umbindet. Damit sollen wir durch den Eingang eintreten. Wir begeben uns unsicher in den Vorhof wo wir uns zu anderen Wartenden setzen. Ayah gesellt sich zu uns und stellt sich vor. Er ist Gemeindevorsteher und erklärt uns geduldig alle unsere Fragen und wir unterhalten uns gut mit ihm und seinen beiden Söhnen. Kurz bevor die nächste Gruppe eingelassen wird, fragen wir ihn was er von unserer Schärpe hält und ob wir seiner Meinung nach dazu kommen dürften. Er erklärt uns, dass wesentliche Teile der traditionellen Kleidung fehlen und es besser wäre nicht mit in den Tempel zu kommen, um die Betenden nicht abzulenken. Wir respektieren das und nehmen uns vor, beim nächsten mal besser vorbereitet zu kommen. 😄 Wir tauschen noch die Telefonnummern aus und verabschieden uns dann voneinander.

Für uns geht es zurück ins Hotel. Dann in den Pool, wo wir den Rest des Tages bleiben. Plantschen, schwimmen, toben. Abends gibt es Georgisch-Türkisches Essen im TÜRK Restaurant & Bar.
Neuer Tag, neues Glück. Ganz besonders früh starten wir heute mit dem Frühstück. Wir haben ja bereits alle Dokumente zusammen und wollen extra früh beim Immigration-Office sein. Wer weiß, was da nach so einem Feiertag los ist. Überraschend wenig! Wir bekommen beim Betreten des Gebäudes eine Wartenummer. Die 75. Die 73 ist aktuell in Bearbeitung. Als wir an die Reihe kommen, wird für jeden von uns eine Mappe angelegt. Mit unseren Namen versehen kommen alle Dokumente in die Mappe. Wir füllen mit einem schwarzen Kugelschreiber das notwendige Formular aus, bekommen eine neue Wartenummer und können damit der Foreigner-Lane folgen. Auf dem Boden sind unterschiedlich farbige Linien aufgeklebt. Wir folgen der roten und gelangen so in ein großes Zimmer mit Schaltern auf der linken und rechten Seite. Bequeme Couches für etwa 100 Menschen stehen bereit. Zum Glück ist kaum ein Platz besetzt. Wir kommen innerhalb weniger Minuten an die Reihe. Unsere Dokumente werden noch einmal geprüft, uns werden einfache Fragen zur Weiterreise gestellt und dann erhalten wir schon unsere Rechnungen. Die VISA-Verlängerung kostet etwa 30EUR pro Person. Der Betrag kann aber nicht auf dem Amt bezahlt werden. Wir müssen dafür zu einer Bank oder einem Indomaret. Letzterer befindet sich gleich um die Ecke, außerdem haben wir mitbekommen, dass die Bezahlung per Bank einen Tag länger dauert. Also bezahlen wir die 500.000IDR Bar im Markt. Mit der Quittung geht es zurück ins Amt, um Fingerabdrücke und ein Passfoto anfertigen zu lassen. Das dauert in unserem Fall keine 10 Minuten. Dann werden wir mit den Worten „Die Pässe können Montag abgeholt werden“ entlassen. Cool. Viel einfacher als so oft im Internet gelesen. Dort berichten viele davon drei bis vier mal zum Amt gefahren zu sein bis alles klar war. Wir müssen jetzt lediglich ein paar Tage ohne Pass auskommen 😋
Der Tag ist noch jung, also entscheiden wir uns spontan auf Tour zu gehen. Unser Ziel, ein kleines Bergdorf Namens Munduk und das angrenzende Golden Valley. Wir starten direkt durch und kommen nach kurzer Zeit in die bergige Region Balis. Und unser Roller an seine Grenzen. Die kurvige Straße auf die Anhöhe der Twin Lakes zieht sich über einen Kilometer stetig bergauf. Immer wieder reduziert der Scooter trotz Vollgas seine Geschwindigkeit auf Schritttempo. Da hilft nur anfeuern und Daumen drücken. Wir kommen mit biegen und brechen auf 1400HM an. Und dann geht der Roller spontan in den Ruhemodus. Aus.
Okay eine Pause hat er sich verdient. Wir schieben ihn über die Straße auf eine Haltebucht mit Ausblick auf die Seen. Das Dorf liegt etwas tiefer und wir machen uns ernsthaft Gedanken ob wir später wieder aus dem Tal rauskommen. Was solls! Wer nicht wagt… Nach einer kurzen Pause startet unser Gefährt noch einmal und wir rollen ins schöne Dorf Munduk. Im Dong Paloh Hostel & Café gibt es erst einmal eine Stärkung. Außerdem nutzen wir die Zeit um die Wanderung durchs Golden Valley zu planen. Es gibt einige Wasserfälle die alle an einen Wanderweg angeschlossen sind. Wollen wir doch mal sehen wie viele wir davon zu Gesicht kriegen. Wir decken uns noch mit Bananen und Wasser ein, dann geht es los. Es folgt eine einfache Wanderung durch schönste Natur. Im Valley können wir außerdem Bauern bei der Ernte und Verarbeitung von Nelken, Vanille, Kaffee und anderen Gewürzen beobachten. Nelken stammen übrigens vom Nelkenbaum und werden per Hand gepflückt. Dafür stehen die Bauern auf bis zu sechs Meter langen Bambusstämmen in die Tritte eingearbeitet sind. Das sieht ziemlich unsicher aus. Eimerweise werden die Nelken so aus den Bäumen geholt. Dann per Hand sortiert und auf großen Tüchern zum Trocknen in die Sonne gelegt und regelmäßig gewendet. Das duftet traumhaft.
Wir kommen auch an Vanilleorchideen vorbei die hier natürlich vorkommen. Für die Verarbeitung wachsen sie jedoch auf Plantagen. Wir sind mittlerweile im Tal angekommen. Ein Fluss schlängelt sich durch das Unterholz. Das lässt uns für die Wasserfälle hoffen. Uns kommen immer wieder Wanderer entgegen die uns nach dem Weg fragen. Das ist relativ merkwürdig, ohne Plan würden wir uns hier nicht bewegen wollen.
Dann ist es endlich soweit. Jana betritt eine Bambusbrücke und jubelt vor Begeisterung, vor ihr ist der Melanting Wasserfall aufgetaucht. Ein beeindruckendes Exemplar. Und das Beste, wir sind völlig allein an diesem tollen Ort. Das Wasser wird fein nebelig beim Aufprallen auf die Felsen. Rund herum alles tiefgrün. Wirklich Atemberaubend. Wir lassen alles auf uns wirken, bevor wir über eine steile Treppe aus dem Tal klettern. Der Wasserfall begleitet uns dabei noch eine ganze Weile. Als hätten wir es nicht gewusst, kommen wir an einem kleinem Häuschen vorbei an dem uns 20.000IDR Eintrittsgeld für den Wasserfall abgenommen werden. Dann kommen wir an eine schnuckeligen Hütte. Von der Terrasse haben wir einen tollen Ausblick über das Golden Valley. Dazu ein erfrischendes Getränk und Kokos-Pfannkuchen. Ein Traum.
Unser Weg führt uns an zwei weiteren Wasserfällen vorbei. An jedem verlangt man weitere 20.000IDR. Das ist nicht viel Geld, aber da wir bereits einen wirklich beeindruckenden Wasserfall gesehen haben und die Wege zum nächsten immer Sackgassen sind, verzichten wir darauf die anderen zu besuchen. Dafür wird der Weg noch einmal sehr schön. Auf der linken Seite fließt ein kleiner Versorgungslauf für eine Reisplantage auf der rechten Seite der Blick ins Tal. Wir kommen an der Reisplantage und einem Nelkenbauern vorbei und gelangen dann zurück auf die Hauptstraße und zu unserem Roller. Wir können ihn zum Glück überreden sich noch einmal den Berg hoch zu quälen. Im Licht der Abenddämmerung brausen wir zurück ins Hotel. Das Abendessen lassen wir uns in einem vegetarischen Lokal um die Ecke schmecken. Außerdem schreiben wir unseren Rollervermieter an, wir fragen nach einem größeren Modell, welches uns noch am gleichen Abend gebracht wird. Er hatte sich schon gedacht, dass wir mehr Power benötigen. Kostet jetzt das doppelte. 🤫
Freitag, wir haben einen Plan. Da uns aufgefallen ist, dass wir immer zur Mittagshitze durch die Gegend sprinten, bleiben wir heute in der Hotelanlage bis die Mittagshitze vorbei ist. Guter Plan, oder? Wir frühstücken ausgiebig, plantschen im Pool und hängen auf der Terrasse rum. Das könnten wir den ganzen Tag aushalten. ABER, wir haben einen spitzenmäßigen Superroller der kostet uns auch Geld, wenn wir ihn nicht bewegen. So ziehen wir dann doch irgendwann los. Tagesziel eins, der Pura Beji Temple. Wir zahlen für den Eintritt und eine traditionelle Schärpe, die wir leihen und betreten einen alten, größtenteils überwachsenden Tempel. Es gibt wieder einen typischen Vorhof der durch ein großes, offenes Tor vom eigentlichen Tempel getrennt ist. Diesmal findet keine Zeremonie statt, so gucken wir uns in aller Ruhe um. Hinter dem Tempel finden wir zwei große Wasserbecken in denen sich noch Seerosen halten. Das Betreten der Gebäude des Tempels ist für Besucher leider untersagt. Als wir das Gefühl haben alles in uns aufgesaugt zu haben starten wir wieder durch.




Nächstes Tagesziel: Skumpul. In einem Café wurde uns der Ort und sein Wasserfall von einem Einheimischen empfohlen. Unser 15PS starker Superscooter peitscht lustvoll die kurvigen Bergstraßen hoch. Lenkt sich wirklich super, lediglich die schlechten Straßen mit ihren riesigen Schlaglöchern dämpfen den Fahrspaß. Wir fahren an den winkenden und rufenden Parkplatz Abzockern vorbei. Unser Plan? Wir fahren zu einem Restaurant in unmittelbarer Nähe zum Wasserfall, Essen wollen wir so oder so und den Roller lassen wir dann einfach auf deren Parkplatz stehen. So eiern wir die letzten Meter über eine 1,5m breite Betonplattenstraße zum Sekumpul Restaurant&coffee shop. Von der Dachterrasse haben wir einen spitzenmäßigen Blick über die Gegend. Wir essen lecker, ein neu entdecktes Gericht: Urab Sayur. Ein vegetarischer Salat mit geröstetem Kokos. Typisch für Bali und unglaublich gut. Da die Dämmerung bereits einsetzt machen wir uns auf zum Wasserfall.
Nach einem kurzen Fußweg kommen wir bereits an ein Tickethäuschen. Wir teilen mit, dass wir den Wasserfall sehen wollen und der Kassierer beginnt uns entsprechende Pakete vorzustellen. Wir verneinen und erklären, dass wir nicht an Paketen interessiert sind. Wir haben von der Masche gelesen und fragen gezielt nach dem 20.000IDR Ticket. Nur wiederwillig legt er sein Prospekt beiseite und verkauft uns ein Ticket zum besichtigen des Wasserfalls. Die Preise für seine Pakete liegen bei 150-250.000IDR. Nachdem wir bezahlt haben fragt er uns woher wir von dem Ticket und dem Preis wüssten. Wir erzählen ihm nicht vom Internet und verweisen darauf, dass 10-20.000IDR der normale Preis für einen Wasserfall sei. Als wir auf dem Weg zur Aussichtsplattform sind stellen wir fest, dass uns der Mann folgt. Während der gesamten Zeit die wir mit bestaunen des äußerst beeindruckenden Wasserfalls und der Umgebung verbringen, und wir haben uns wirklich viel Zeit gelassen, steht er hinter uns und passt auf, dass wir uns nicht mehr Leistungen erschleichen, als wir bezahlt haben. Zur Erklärung, für eines seiner Pakete hätte man über Stufen ins Tal absteigen können und über einen Wanderweg noch zu einem „Hidden Waterfall“ gelangen können.
Irgendwann verliert er die Geduld und erklärt uns besser nicht runter zu gehen, es gäbe dort viele Insekten die gefährlich seien. Wir versichern ihm, dass wir daran kein Interesse haben, dann verzieht er sich. Etwas merkwürdig das Ganze. Außerdem wirklich schade, dass die Natur komplett hinter Paywalls versteckt wird und mit wirklich jeder Sehenswertigkeit Geld gemacht wird. Es ist mittlerweile Abenddämmerung und wir entscheiden uns, den Heimweg anzutreten. Die Straßenbeleuchtung ist bestenfalls mangelhaft und der Scheinwerfer des Rollers nicht ideal für Nachtfahrten. Ein Abendessen später geht es dann auch schon ins Bett.
Heute soll es hoch hinaus gehen. Wir haben eine interessante Wanderung um einen Krater gefunden. Von 1500 auf 1800HM, angenehme Länge bei 23°C geschützt durch Dschungel. Besser kann es nicht kommen. Also schwingen wir uns gegen 12:00 Uhr auf unseren Nimbus 2000 und rauschen an den Twin Lakes vorbei zum Gunung Lesung. Das letzte Stück ist recht anspruchsvoll, die Straße wird zu einem Offroadtrack. Zwei Betonstreifen, die Spurbreite eines Autos auseinander, bilden den 30cm breiten, „befestigten“ Weg. Kein Problem. Mit etwas fahrerischem Können und dem nötigen Wahnsinn schlängelt sich die Yamaha nach und nach den Berg hoch. Sehr zufrieden kommen wir an einem Plateau an. Hier sollte eigentlich eine Art Gasthof sein. Fehlanzeige. Der Ort ist verlassen, die Häuser entweder nicht fertig gestellt oder bereits am zerfallen. Wir parken neben zwei weiteren, herrenlosen Rollern und sondieren die Lage. Ein schöner Ort, warum ist hier nicht mehr los?

Den Rucksack geschultert machen wir uns auf zum Einstieg des Wanderweges. Ein hellgelb leuchtendes Schild, kaum zu erkennen, verbietet uns den Eintritt. Naturschutzgebiet. Betreten und Aktivitäten streng verboten, Strafe bis zu fünf Jahre oder sehr viel Geld. Das kennen wir irgendwoher… Was wir in den Cameron Higlands erst am Ende unserer Wanderung durch das Naturschutzgebiet erkannt haben, ist hier nicht wegzudiskutieren. Wir überlegen eine ganze Weile, geben dann aber unserem Zweifel nach und entscheiden, nicht auf den Berg zu wandern. Wie würdet ihr in solch einer Situation reagieren? Wir ziehen uns zurück und wechseln zu Plan B. Einer traditionellen Kanufahrt über einen der Twinlakes und das Besuchen eines alten hinduistischen Tempels am See.
Wir fahren keine 15 Minuten und kommen dann an einem Campingplatz am Danau Tamblingan an. Nach kurzer Diskussion am Tickethäuschen (…) sind wir 310.000IDR (etwa 19EUR) ärmer, haben aber eine Kanufahrt zum Tempel und die Erlaubnis zurückzulaufen. Kaum haben wir den Roller geparkt soll es auch direkt losgehen. Eine kleine ältere Dame teilt uns mit, dass sie kein Englisch spricht und uns zum Tempel bringt. Das „traditionelle“ Kanu ist leider kein ausgehöhlter Baumstamm, sondern zwei Plastikschalen die mit einer Holzpalette verbunden sind. Unser Katamaran-Kanu ist einsatzbereit und wir steigen über einen Steg ein. Christian und die alte Dame beginnen zu rudern. Da uns das nach kurzer Zeit unfair vorkommt nehmen wir der Alten das zweite Ruder ab und versuchen unser Glück. Wir kommen keine 15 Meter, da drehen wir schon die erste Pirouette. Wir werden herzlichst ausgelacht. Na warte. Wir kommen ganz kurz wieder auf Kurs, schon beginnen wir uns wieder im Kreis zu drehen. Die Fahrdynamik dieses Kahns ist eine ganz andere, als die in einem einfachen Kanu. Wir lernen schnell und schaffen es mit nur einer weiteren Drehung relativ gradlinig zum anderen Ufer. Unser liebenswerter Guide langweilt sich sichtlich, singt oder feuert uns rhythmisch an. Kurz vorm Anlegen müssen wir das Ruder zurück geben, vermutlich hat da jemand Angst wir könnten den Steg aus dem See reißen.



Wir bedanken uns für die Überfahrt und stehen auf einmal wieder mitten in einer zeremoniellen Feier. Wieder einmal sind wir nicht angemessen gekleidet. Konnten das aber auch echt nicht wissen. Wir werden trotzdem freundlich behandelt und beobachten das Ganze aus sicherer Entfernung. Die Musik, die Gebete, der Schmuck und die Kleidung ähneln der letzten Zeremonie bis auf ein Detail, die dominierende Farbe ist nicht gelb sonder rot. Wir erfahren später, dass es insgesamt vier verschiede Sektionen auf Bali gibt die alle ihre eigene Farbe haben. Vom Tempel führt ein Weg zu einer Art Festplatz. Das Gelände gehört noch zum Tempel, kleine Buden verkaufen Essen, Getränke und Krams, während auf der anderen Seite ein geschmückter Weg zu einem sehr alten und großen Baum führt. Wir werden wieder von einem netten Indonesen angesprochen. Wieder werden uns geduldig Fragen beantwortet. Wir genehmigen uns einen Crêpes und machen uns am See zurück zum Campingplatz.
Das Schilf ist hier etwa drei Meter hoch gewachsen und nur ab und zu können wir einen Blick auf den See werfen. An einer Lichtung entdeckt Jana einen Vogel der anscheinend nicht aus dem Wasser rauskommt. Immer wieder versucht das winzige Wesen abzuheben, irgendetwas scheint es immer wieder zurückzuziehen. Ohne Zögern zieht Jana ihre Schuhe aus, zippt die Hosenbeine ihrer Trekkinghose ab und watet durch den Schlick zu dem hilflosen Tier. Bis zu den Oberschenkeln steht ihr das Wasser als sie am Vogel angekommen ist. Behutsam legt sie den Vogel in die Hand. Eine Angelschnur hat sich um seinen Kopf gewickelt als er jagend in die Wasseroberfläche gestoßen ist. Die Schnurr zu entfernen ist nicht ganz einfach, gelingt am Ende aber doch. Einen Augenblick später fliegt er davon. Yes! Was ein tolles Gefühl. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Glück. Wir feiern den Erfolg der geglückten Rettungsmission.
Am Campingplatz angekommen sehen wir, dass in der Zwischenzeit eine ganze Menge Menschen ihr Lager aufgeschlagen haben. Außerdem beobachten wir argwöhnisch einen fahrenden Zierfischhändler. An seinem Roller baumeln 20 bis 30 Fische in Plastiktüten. Kleine Goldfische, Kois und Kampffische. Das ist richtig fies. Die gaaren da ganz langsam vor sich hin, in ihrer eigenen Suppe… Über eine Kopfsteinpflasterstraße ( <- schöne deutsche Sprache 😝 ) folgen wir den mittlerweile auch noch durchgeschüttelten Fischen ein Stückchen. Die retten wir heute leider nicht mehr. Um die ganzen Strapazen zu verarbeiten fahren wir jetzt eine Weile Richtung Munduk und halten zum Abendessen beim The Botanist. Ein toll angelegtes Resort mit Restaurant am Hang. Von hier überblickt man das gesamte Golden Valley beim Abendessen. Wir bekommen einen Platz in der ersten Reihe. Außerdem Mac&Cheese, eine Falafeltasche, vegetarische Frühlingsrollen und einen Zucchinimuffin. Mega lecker. Dann geht es über eine sehr geile, aber schmale Bergstraße bei Sonnenuntergang nach Hause.


Eine ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende. Wir starten unseren Arbeitssonntag (das hätte es in Deutschland in der Regelmäßigkeit nicht gegeben) und unterbrechen ihn lediglich für eine Kaffeepause. Den Aufenthalt hier in Lovina haben wir um zwei Tage verlängert. Theoretisch reicht das immer noch nicht, aber auch mit verlängertem Visa wird die Zeit in Indonesien irgendwann knapp. Wir sind gespannt was uns die nächste Woche auf Bali bringt. Habt auch Ihr eine gute Zeit.
Stroll on,
Christian & Jana
























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