Reisewoche #38

veröffentlicht von

am

23.09. – 29.09.2024

„Die Höhle, die Sie fürchten zu betreten, enthält den Schatz, den Sie suchen.“

von Joseph Campbell

Fit genug! Mit der Einstellung beginnen wir die Woche in Vang Vieng. Die letzten Tage haben wir uns mit leichten Erkältungen gequält und sind jetzt umso motivierter die Gegend zu erkunden. Nach dem Frühstück starten wir die Wanderung zum Silver Cliff Viewpoint. Die knapp sechs Kilometer sind größtenteils flach. Wir überqueren den Nam Song River über eine mäßig vertrauenserweckende Hängebrücke. Für Kraftfahrzeuge ist sie zum Glück gesperrt, Motorroller und Fußgänger bleiben besser auf den mit Stahlblechen ausgelegten Spuren 🫣 Danach führt uns der Weg immer weiter westwärts aus der Ortschaft. Links und rechts vom Weg stehen kleinere Wohnhäuser, es werden allerlei Waren bzw. Snacks angeboten. In zweiter Reihe erkennen wir, vor den massiven Felsformationen, Felder und Ackerflächen. Die Rinder und Wasserbüffel ziehen es allerdings vor, mit uns auf der Straße zu laufen. Immer wieder versperren kleinere Herden den Weg. Nach einiger Zeit verlassen wir die Straße und biegen auf einen Feldweg ab, der uns zum Trail bringt.

Wir kommen an ein besetztes Wachhäuschen. Hm, wir hatten eigentlich gelesen, dass es keine Wegzölle geben soll. Nagut. Man verlangt etwa 80 Cent pro Person. Wir reichen eine 50.000 KIP Note und erwarten entsprechendes Wechselgeld. Zwei Tickets und ein Schulterzucken später machen wir uns mit unserem Geld wieder auf den Weg. Die drei Männer konnten nicht wechseln und da die Sprachbarriere sie überforderte, haben wir unserer Geld zurück erhalten. Soll uns recht sein. Bevor es in den Felsen geht kommen wir noch an einem Wohnladen vorbei. Wir interessieren uns für das Wasser, winken aber ab, als der Verkäufer unverschämte 15.000KIP pro halben Liter aufruft. Zum Vergleich: Für neun Liter im Sixpack zahlen wir normalerweise etwa 35.000KIP. Das ist etwa das siebenfache.

Mit halbvollen Trinkflaschen geht es jetzt bergauf, stetig, Schritt für Schritt. Wir sind eigentlich schon nach den ersten Höhenmetern völlig durchgeschwitzt. Wir merken, dass es für diese Art der Anstrengung noch ein wenig zu früh ist, wollen aber auch nach dem Fußmarsch nicht auf halben Weg umkehren. So taumeln, klettern und rutschen wir uns den steinig schlammigen Weg immer weiter nach oben. Wenigstens regnet es nicht. 😅 Wir treffen unterwegs nur auf ein weiteres Pärchen, welches uns auf eine merkwürdige Art und Weise „Na viel Spaß“ wünscht. Außerdem treffen wir auf eine besonders gut getarnte Spinne und auf einige Tausendfüßler die einen, Tschuldigung, scheiss auf Tarnung geben. Dann lichtet sich der Dschungel um uns herum. Ein gutes Zeichen. Wir erreichen nach etwa 75 Minuten unser Ausflugsziel. Im gleichen Moment öffnet sich der Himmel und es beginnt in Strömen zu Regnen. Zu unserer Erleichterung gibt es hier oben einen überdachten Imbiss 🤔. Es gibt kühle Getränke, Instantnudeln und Chips. Wir kaufen Wasser für 20.000KIP (😆), eiskalte Cola und eine Tüte Chips. Christian wringt sein T-Shirt aus und wir erholen uns bei dem aufregenden Prasseln des Regens unter dem Wellblechdach.

Wir kommen mit dem Verkäufer ins Gespräch. Jeden Tag schleppt er die Waren auf dem Rücken den Berg hoch. 40 Minuten benötigt er für die Strecke. Ihm gebührt unser größter Respekt 🫡 Achja, wie der Ausblick von hier oben ist? Keine Ahnung. Wolken, Nebel und Regen lassen uns nicht besonders weit gucken. Zum Glück klart es nach einiger Zeit auf. Wir haben doch noch einen tollen Blick auf die umliegenden Felsen und können sogar bis zur Ortschaft gucken. Hat sich doch gelohnt herzukommen.
Der Abstieg ist dann zwar nicht mehr so anstrengend, aber mindestens doppelt so herausfordernd. Jeder Schritt wird mit Bedacht gesetzt, um nicht auszurutschen. Zwischendurch regnet es immer wieder, wir kommen aber ohne Zwischenfälle im Tal an. Da uns der Weg gut gefallen hat und an kritischen Stellen Seilsicherungen oder Pflastersteintreppen eingesetzt waren, zahlen wir beim Verlassen 50 statt 40.000 KIP und verzichten aufs Wechselgeld.
Zurück im Hotel erfrischen wir uns kurz, atmen tief durch und machen uns dann auf zum Abendessen. Parallel zum Fluss findet man hier Bars, Restaurants, Hostels und so weiter. Es gibt einige vegetarische Restaurants was uns natürlich sehr freut. 🤗 Zeit den Abend ausklingen zu lassen.

Der gestrige Tag war anstrengender und unsere Körper schwächer, als gedacht. Dementsprechend sind wir heute etwas zurückgeschlagen. Aufgrund von Kopfschmerzen bleiben wir noch mal einen Tag entspannt. Erst als wir mittags große Kuchenlust verspüren machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Der Rückweg hatte uns gestern an einer Bäckerei vorbeigeführt. In der Auslage gibt es Cookies, Croissants und Brownies und Zimtschnecken, alles in XXL. Wir lassen uns anlocken, bestellen eine Zimtschnecke, zwei Brownieballs und Getränke. Dann bereuen wir es umgehend als serviert wird. DAS schaffen wir niemals alles 🤣 Jana gibt nach der ersten Hälfte ihrer Zimtschnecke auf, Christian bezwingt beide Browniebälle und fällt umgehend in ein Fresskoma. Tja. Die eine Sache, die wir einfach nicht lernen wollen. Fürs Abendessen besorgen wir uns noch Instantnudeln, dann geht es zurück ins Hotel, wo wir den Tag am Koiteich ausklingen lassen.

Bergfest 🥳 Wir ordern am Hotel einen Roller, kostet das Gleiche wie auf der Straße, ist aber viel entspannter. Außerdem verlängern wir den Aufenthalt um weitere drei Nächte. Das Hotel ist wirklich gut und wir haben noch das ein oder andere zu erleben, bevor wir weiterziehen. Für heute haben wir uns die berühmte Blue Lagoon 3 rausgesucht. Ja, die haben hier so viele davon, dass sie einfach durchnummeriert wurden 😄 Neben den Badeaktivitäten soll es hier eine sehenswerte Höhle mit unterirdischem Pool geben. Also schnappen wir uns unsere Stirnlampen, ziehen die besten Abenteuersandalen an die wir haben und machen uns auf den Weg.
Sobald wir die Stadt Richtung Felder verlassen sind die Straßen wieder befahrbar, keine XXL-Schlaglöcher mehr, keine Schotterpisten. Vereinzelt treffen wir auf diverse vierbeinige Freunde und nach etwa 40 Minuten kommen wir an der Lagune an. Wir zahlen auch hier 20.000KIP Eintritt. Dafür wird aber einiges Geboten. Die Lagune ist touristisch erschlossen, Sprungtürme, Seilrutschen und Schaukeln ins Wasser, aufgeblasene Schlauchreifen, um sich treiben zu lassen.

Getreu dem Motto, erst die Arbeit dann der Spaß, entschließen wir uns erst in die Höhle zu steigen, bevor es baden geht. Der Weg zum Eingang ist bereits abenteuerlich, die Brücken über die überfluteten Wiesen und den Fluss hängen verdächtig schief und durch. Dann stehen wir vor einem mit Pflanzen überwucherten Loch im Boden. Eine schäbige Leiter verschwindet im Dunkel der Höhle. Stirnlampen aufsetzen, noch einmal tief durchatmen und dann geht Jana mutig vor. Es gibt weder Tages- noch künstliches Licht hier unten. Und so springen die Lichtkegel der Stirnlampen munter auf und ab und beleuchten immer nur Stelle zu der wir gucken. Das macht das Vordringen in der Höhle ziemlich gruselig. Schritt für Schritt erkunden wir die Dunkelheit. Hier und da erschrecken uns Spinnen oder Heimchen, oder Janas Sandalen, die mal hier, mal da, ein unheimliches Quietschen von sich geben. Die Durchgänge sind teilweise sehr schmal oder so flach, dass wir nur in der Hocke weiter kommen. Die „provisorischen“ Leitern sind eine Hilfe, aber nicht unbedingt vertrauenserweckend.

Je tiefer wir in die Höhle kommen umso angespannter sind wir. Großartig verlaufen können wir uns nicht aber die Fantasie spielt uns immer wieder Streiche. Als Christian feststellt, dass wir vielleicht besser frische Batterien in die Kopflampen gesteckt hätten, kippt die Stimmung. Wir sind kurz vorm Ende der Höhle als es uns dann auch reicht. Die nur noch schwachen Lichter der Lampen, das beklemmende Gefühl der Enge und der Fakt, dass wir noch nicht einen anderen Menschen getroffen haben, lässt uns den Entschluss fassen jetzt umzukehren. Was stand im Internet, immer den Pfeilen folgen. Gut, wir können bis auf einen keine finden und irren in einem etwas größeren Raum der Höhle umher. „JA, ich glaube hier sind wir hergekommen.“ „Ich kann mich nicht daran erinnern, war das so eng?“ „Ne, ich glaube das ist doch nicht richtig“ So in etwa. Wir werden von einem asiatischen Pärchen erlöst und finden den Weg aus der Höhle. Am Eingang gibt es zwei Gefühlslager. Zum einen Jana, die sich freut ihre Ängste und Gefühle bezwungen zu haben und es so tief in die Höhle geschafft zu haben, und zum anderen Christian, der mit der Aussage „Wir haben kurz vorm Ziel versagt“ die Stimmung stört. Wir diskutieren kurz darüber, was wir alles geschafft haben und wie viel Wert das hat und können dann zufrieden zur Lagune zurückkehren.

Badehose und Bikini haben wir bereits den ganzen Tag an, also T-Shirt aus und ab ins kühle Nass. Unsere geübten Köpper stören die umhertreibenden Fische kurz. Jana macht sich sogleich daran die Schaukel und die Seilrutsche auszuprobieren. Christian ertrinkt wie immer beinahe beim Versuch und beobachtet dann lieber aus sicherer Entfernung. Es beginnt zu Regnen und während die meisten anderen das Wasser verlassen, warum auch immer, ziehen wir noch ein paar Bahnen bis wir ziemlich ausgekühlt an Land klettern. Auf dem Weg zum Hotel regnet es größtenteils weiter, das macht die Fahrt in den nassen Klamotten nicht grade angenehmer. Jana lenkt uns trotzdem sicher nach Hause, wo eine heiße Dusche, ein Nickerchen und leckere Kartoffelfrittas von Vie (unsere immer lächelnde Gastgeberin), auf uns warten. Abends geht es erholt und aufgewärmt etwas essen. Ein aufregender Tag neigt sich dem Ende.

Beim Frühstück lernen wir Anna und Jan kennen. Die beiden sind seit zwei Monaten auf Tour und haben von Bangkok aus eine ganz ähnliche Tour wie wir hinter sich. Wir verschnacken uns gewaltig und verlassen das Frühstück erst gegen 12:00Uhr. Zur Mittagshitze wollen wir jetzt auch nicht los, so hängen wir noch eine ganze Zeit im Zimmer rum. Da wir auch keinen richtigen Plan für heute haben kommt Christian die glorreiche Idee noch einmal die Riesenzimtschnecke herauszufordern. 🤤 Wir landen also wieder in der Luang Prabang Bakery. Bestellen die größten Smoothies und Frappés die wir je gesehen haben und vernichten eine Zimtschnecke und ein XXL-Croissant. So leicht geben wir uns schließlich nicht geschlagen.
Den Rest des Tages vertrödeln wir gekonnt, Highlight ist das Abendessen im Veggies. Christian bestellt „leicht“ scharf und wird darüber aufgeklärt, dass man hier in Laos „Farang-Spicy“ sagt. Die schärfe der weißen Ausländer 😏

Freitag, der letzte Tag in Vang Vieng. Wir verabreden uns mit Anna und Jan zum Abendessen und machen uns dann auf zu unserem heutigen Abenteuer. Am Hotel steht ein großes Werbeplakat für einen Zip-Line Park mit Höhlen und so. Da wollen wir hin. Über Google können wir den vermeintlich richtigen Park gar nicht so leicht finden und orientieren uns dann an der Angel Cave. Keine 15 Minuten später stellen wir den Roller am Parkplatz ab. Haufenweise TukTuk’s für die gebuchten Touren stehen hier, der Rollerparkbereich platzt aus allen Nähten. Wir überqueren den Fluss über eine blaue Hängebrücke. Unter der Last einiger Touristen ist diese ganz schön am schwingen. Wir entscheiden uns wieder, erst die Höhle zu besichtigen, bevor wir zum richtig spaßigen Teil übergehen. Die Höhle ist diesmal gut ausgebaut und beleuchtet. Es sind auch deutlich mehr Besucher hier. Die Tropfsteinformationen sollen unter anderen einen Elefanten und einen Engel zeigen, daher der Name. Ohne Guide fällt es uns schwer den Engel zu erkennen. In grün und blau beleuchtet sind die Gestalten trotzdem sehr schön. An einem Punkt drehen die Besucher alle um und folgen dem Weg nicht weiter. Wir sind etwas irritiert und entscheiden uns dann dem Rundweg zu folgen, wir verlassen etwas umständlich die Höhle und stehen dann in einer Schlucht zwischen Karsteinfelswänden. Wir entdecken die ein oder andere Kletterroute, eingeschlagene Sicherungspunkte lassen uns vom Klettern träumen. Der Weg folgt eine Weile der Schlucht und führt dann in einem großen Bogen zurück zum Gelände des Parks.

Wir orientieren uns kurz und schlagen dann den Weg zum Startpunkt des Ziplinekurses ein. Ohne weitere Einweisungen werden uns Gurte und Helme angelegt. Jana’s Brille und Smartphone werden noch mit einem Plastikband gesichert. Sehr praktisch. Mit den Worten „Da gehts lang“ werden wir in den Park entlassen. Nach der ersten Seilbahn sind wir schon mal gut eingestimmt und müssen dann aber erst einmal ein paar Höhenmeter über eine Treppe zurücklegen. So funktioniert das eben mit der Physik. Es folgen sieben Plattformen an denen wir jeweils mehr oder weniger freundlich von einem Mitarbeiter begrüßt werden. Dieser ist dafür zuständig unser „Gerödel“ in den doppelten Stahlseilen zu befestigen, dann geht es aaaaaaaaaaaab zur nächsten Plattform. Macht unheimlich Spaß. Wir sind auf etwa 1.456m Seilbahn unterwegs. Die letzten beiden in der sogenannten „Superman“ Haltung. Wir werden so eingebunden, dass wir mit Bauch und Gesicht nach unten über den Fluss rauschen 😎 Achja, auf keiner der Plattformen wurden wir gegen Absturz gesichert, kein Sicherungskarabiner den wir dabei hatten, hätte einer Prüfung standgehalten oder einen Sturz aufgefangen 😅 Das hat den Nervenkitzel natürlich noch verstärkt. Dem „normalen“ Touristen vermutlich weder bewusst, noch von Bedeutung.

Während wir nach der Action ein kühles Getränk genießen schwimmen auf dem Fluss Anna und Jan vorbei, die hatten sich heute fürs Tubing entschieden. Was ein Zufall 🤩 Wir winken und machen uns dann zurück in die City. Wir teilen uns ein Schokocroissant, ja wir lernen dazu, und ziehen uns dann kurz zum Entspannen zurück ins Zimmer. Abends treffen wir uns noch mit Anna und Jan in einem Restaurant am Fluss. Der letzte Abend in Vang Vieng klingt aus und wir sind schon gespannt auf die Weiterfahrt morgen.

Zeitdruck haben wir an diesem Samstag nicht. Wir sollen gegen 12:00 Uhr abgeholt werden. Da bleibt genug Zeit in Ruhe zu frühstücken, zu schnacken und dann die Rucksäcke zu packen. Um 11:30 Uhr sitzen wir bereit zur Abfahrt auf der Terrasse des Hotels und warten auf unseren Fahrer. Ein Ticket haben wir nicht erhalten wir sollen einfach mitteilen, dass wir im Hotel gezahlt hätten. Dementsprechend sind wir gespannt ob alles klappt. Als der Fahrer eintrifft sind wir erst einmal etwas überrascht. Wir hatten wenigstens einen klapprigen alten Minivan erwartet. Jetzt steht ein besseres TukTuk vor uns und wir nehmen auf der Ladefläche platz. Gut, sind ja nur etwa 90 Minuten, dass überstehen wir auch. Wir eiern durch den Ort und sammeln hier und da weitere Mitreisende ein. Immer, wenn wir abbiegen haben wir Hoffnung in einen der unzähligen Busse einsteigen zu dürfen. Fehlanzeige. Wir verlassen die Stadt Richtung China-Lao Speedway und biegen dann doch noch einmal ab. Wir halten auf einem Hinterhof auf dem drei Busse stehen. Glück gehabt. Es steht bereits eine Menge Gepäck neben dem Bus und weitere Reisende sitzen bereits im klimatisierten Innenraum. Da möchte auch Christian so schnell wie möglich rein. Jana’s Spinnensinne schlagen an und sie meint, lass uns mal draußen warten, da ist irgendwas merkwürdig.
Ja klar, ich bleib hier draußen wie so ein Anfänger stehen und beobachte die Mitarbeiter wie sie Gepäck verstauen. Bestimmt nicht. „Du kannst ja draußen bleiben, ich gehe rein“, meint Christian. Ne alleine bleibt Jana natürlich auch nicht draußen und kommt etwas wiederwillig mit rein. Immer wieder guckt sie nervös nach dem Gepäck.
Dann hören wir einen Verschluss klicken. „Die schließen die Gepäckgurte damit nichts kaputt geht“, erwidert Christian auf Janas „Die öffnen die Koffer.“
Dann wird ein Reißverschluss geöffnet, dafür hat auch Christian dann keine Erklärung mehr. Jana späht durch die Rücksitzbank in den Kofferaum und erwischt einen Mitarbeiter dabei wir er einen Rucksack durchsucht. „DONT OPEN THE LUGGAGE!“ Der Ausruf verschreckt die beiden Mitarbeiter offensichtlich und sie begeben sich außer Sichtweite. Das hat sie jetzt echt nicht beobachtet, oder? Doch! 😤
Wir sind verunsichert wie wir uns verhalten sollen und warum alle anderen so ruhig bleiben. In der Hoffnung, dass noch nichts geklaut wurde, beschließen wir die anderen nicht aufzufordern ihr Gepäck zu durchsuchen. Jana beschließt den Prozess weiter zu beobachten und verlässt sogar den Bus, um beim Verladen zuzugucken. Als sie den Täter darauf anspricht und sagt, dass das nicht richtig sei, was er da tut, ist er sichtlich verlegen und verhält sich wie ein Hund mit eingekniffenen Schwanz, der soeben dabei erwischt wurde die Pralinen vom Tisch genascht zu haben. Zur Sicherheit macht Jana noch ein Foto vom Täter.

Als die letzten Mitreisenden eintreffen wird damit begonnen das gesamte Gepäck im Fahrgastraum des Busses zu verstauen. Sehr merkwürdig. Als wir nach den Tickets gefragt werden antworten wir einfach mit unserem Hotelnamen, akzeptiert und los geht die absolut entspannte Fahrt nach Vientiane. Wir verlassen den Bus mitten im Zentrum der Stadt und in Fußreichweite zum Hotel. Beim Ausladen des Gepäcks wird Jana von Carl angesprochen. Er hatte den Trouble zwar mitbekommen, sich aber keine weiteren Gedanken gemacht. Jetzt fehlen ihm über 300€ Reisegeld die im Rucksack waren. Wir tauschen Kontakte aus, machen noch ein Foto vom Reisebus bzw. Kennzeichen und Veranstalter und stellen dann fest, dass wir auch im gleichen Hostel untergekommen sind. Auf dem Weg dahin überlegen wir seine Möglichkeiten und beschließen mit ihm zur Polizei zu gehen.
Erst mal checken wir aber ein und legen unsere Sachen ab. Wir haben bisher gar keine schlechten Erfahrungen gemacht und wollen uns davon jetzt auch nicht zu stark beeinflussen lassen, stellen aber bereits im Hotelzimmer fest, dass wir uns genau überlegen, was wir wo liegen lassen können, was wir vielleicht besser verstecken und so weiter.

Eine halbe Stunde später treffen wir uns mit Carl in der Lobby und machen uns auf den Weg zum nahegelegenen Polizeirevier. Dort angekommen haben wir Schwierigkeiten einen Beamten zu finden. Das mehrstöckige Gebäude scheint wie ausgestorben. Auf der ersten Etage läuft uns jemand mit Dokumenten in der Hand in die Arme. Er spricht leider kein Englisch, versteht aber das wir einen Beamten suchen. Er nimmt uns mit und findet jemanden, der für uns nicht den Eindruck eines Polizisten macht. Der ranghöchste Schlappenträger im Gebäude versteht ein bisschen unsere Sprache und Carl bekommt ein Telefon in die Hand gedrückt. Der Mitarbeiter auf der andern Seite gibt ihm zu verstehen, dass heute nichts mehr möglich sei und er sich am Montag noch mal melden soll.
Wir sind ehrlich und machen ihm keine große Hoffnung, dass er etwas von seinem Geld wiedersehen würde. Da Carl auch keine Versicherung gegen Diebstahl hat wird ihm die Anzeige auch da nicht weiterhelfen. Wir entscheiden uns dafür erst einmal was essen zu gehen. Das hilft in der Regel. Wir quatschen eine ganze Weile bevor wir über einen Supermarkt den Heimweg antreten. Auf dem Zimmer entscheiden wir uns noch Rezensionen zu schreiben und unserem Hotel mitzuteilen die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen einzustellen. Mehr können wir wohl nicht mehr tun.

Nach der ganzen Aufregung startet der Sonntag mit dem üblichen Selbstversorger Yoghurt-Müsli. Außerdem gibt es überraschender Weise ein günstiges Frühstücksangebot im Hostel. Danach schnappen wir uns unsere Laptops und machen uns auf ins DaDa Coffee. Die Zweigstelle in Luang Prabang kennen wir schon, in der Hoffnung auf gleiche Qualität lassen wir uns für den Arbeitstag hier nieder, dass haben wir schon lange nicht mehr gemacht. Das Internet ist leider grottig, die Kaffee- und Teespezialitäten schmecken hingegen großartig.
Als erstes kümmern wir uns um Tickets für die Fahrt nach Hanoi. Das wollen wir nicht auf den letzten Drücker machen, da wir ja auch schonmal keine Tickets mehr bekommen haben 🤭 Wir haben uns entschieden mit einem sogenannten Sleeperbus zu fahren. Wenn wir Glück haben, und kriegen was wir bezahlt haben, fahren wir in einem erstklassigen Reisebus mit 24 Betten quer durch Südostasien. Etwa 24 Stunden soll die Fahrt dauern. Wir sind gespannt wie und ob das alles klappt.
Außerdem begleiten wir Anna und Jan virtuell auf ihrer Reise nach Vientiane. Wir hatten die beiden natürlich direkt über unsere Vorkommnisse informiert, da wir wissen dass sie mit dem gleichen Unternehmen reisen. Jan hat das Gepäck bewacht und es gab keinerlei Probleme.

Als uns die Mägen zu knurren beginnen machen wir uns auf zum Nachtmarkt direkt am Mekong und an der Grenze zu Thailand, wo wir uns mit Jan und Anna treffen. Hier hat das Hochwasser eine Menge Schlamm im Bereich der Stände hinterlassen und die Aufräumarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Hier werden wir essenstechnisch nicht fündig. Jan erinnert sich, dass es einen Foodcourt direkt um die Ecke ihres Hotels gibt. Den steuern wir als nächstes an. Volltreffer. Zwischen all den tierischen Angeboten finden wir Süßkartoffelbällchen und gebratene Nudeln mit Gemüse. Lecker. Wie wäre es mit einem kleinen Spaziergang? Klar, wir haben alle noch nichts von der Stadt gesehen und entscheiden uns noch zum Patuxai zu gehen. Das Denkmal erinnert stark an den Arc de Trioemphe in Paris und ist Abends bestimmt schick beleuchtet. Wir sind bereits in Sichtweite als das Wetter kippt. Es beginnt stark zu regnen und wir suchen für die Dauer des Schauers Schutz in einer Bushaltestelle. Der Regen hält nicht lange an und wir können unsere spontane Sightseeingtour fortsetzen.

Stroll on,
Christian & Jana

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2 Antworten zu „Reisewoche #38”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    …wow… was für wahnsinns bzw waghalsige Erlebnisse (Seilrutschen etc)… 🫣

    Euer Bericht mit der ersten Höhle hätte auch aus einem Thriller stammen können… 😅

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    1. Avatar von cjstrollaway

      Die Höhle war definitiv ein Abenteuer und mega aufregend. Ein Gefühl zwischen stolz auf den eigenen Mut und Zweifel an der Sinnmäßigkeit. 😀

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