07.10. – 13.10.2024
„Auch der Klügste kann einem ganzen Haufen Verrückter nicht widerstehen.“
vietnamesische Lebensweisheit
Und sie wurden schlimmer. Bereits gestern kündigte sich eine Erkältung an. Gut, dass wir uns entschieden haben die Zeit bis zur Ankunft von Emma, Karl-Christian und Daniel in Hanoi zu verbringen. So können wir, nachdem wir gestern unser neues Quartier in einem SPA-Hotel bezogen haben, entspannen und so gut wie möglich kurieren. Die Tage starten mit einem ausgewogenen Frühstücksbuffet, dann verziehen wir uns zurück aufs Zimmer, um dieses erst wieder für eine Kaffee-Kuchen-Abendessen Kombo zu verlassen. So erkunden wir Hanoi in einem kleinem Radius um das Hotel. Ein Glück befindet sich dieses in direkter Nähe zum „Old Quarter“, dem Altstadtviertel Hanois. Am Mittwoch erreicht Christian den Tiefpunkt seiner Erkältung, jetzt schnell gesund werden. Zur Unterstützung hat Jana eine Apotheke geplündert. Es ist nicht immer ganz einfach passende und vertrauenswürdige Medikamente zu finden. Aber mit etwas Onlinerecherche, einer Übersetzerapp und etwas Gestikulieren kommt man dann zum Ergebnis. Die Ausbeute; ein Nasenspray mit Pfefferminzextrakt und schleimlösende Schmerztabletten.



Am Freitag heißt es dann wieder einmal „Umzug“. Wir sind voller Vorfreude. Ja, der Umzug kommt etwas ungelegen, bedeutet aber auch, dass die Ankunft unser Freunde kurz bevorsteht. Wir packen also zusammen und checken so spät wie möglich aus. Es ist 12Uhr. Wir können unser sperriges Gepäck in der Lobby des Hotels stehen lassen. Ganz praktisch, da wir erst um 14 Uhr in der neuen Unterkunft einchecken dürfen. Erste Mission für heute, Bargeld abholen. In Vietnam ist Bargeld immer noch das Zahlmittel der Wahl. Wir sind es gewohnt, dass wir an jeder Ecke auf einen entsprechenden Geldautomaten treffen. Heute laufen wir um drei verschiedene Wohnblöcke ohne einen einzigen zu finden. Auch die Google-Suche ist nicht hilfreich. Am Ende kommen wir wieder am Hotel vorbei und stellen fest, dass sich auf der Ecke eine Bank mit ATM befindet. Es könnte, so einfach sein… Weiter geht es. Wir wissen schon in welchem Café wir uns heute niederlassen. In der urig eingerichteten ersten Etage des Nosan Coffee & Tea genießen wir feine vietnamesische Kaffee- und Teespezialitäten. Parallel begleiten wir Team Heimat per Messenger auf dem Weg zum Flughafen. Die Aufregung steigt spürbar. Wir vergessen die Zeit und stellen um kurz nach zwei fest, dass wir uns so langsam auf den Weg zur Unterkunft machen könnten. Wir holen unsere Rucksäcke ab und bedanken uns noch einmal recht herzlich für alles, dann treten wir den elf minütigen Spaziergang zur Ferienwohnung an.



Die Wohnung befindet sich in einem Wohnblock und wir haben Schwierigkeiten den Eingang zu finden. Nach einiger Zeit finden wir einen schmalen Gang mit einem Hinweis zum Ziel. Wir folgen diesem und befinden uns nun mitten in den Hinterhöfen der Häuser. Nur noch das Zahlenschloss der Tür entsper… Nanu? Die Tür ist ja offen? Erst zögerlich, dann bestimmter rufen wir in das Haus; Haaaaallo? Keine Antwort. Wir betreten das Erdgeschoss und stehen jetzt in einer kleinen Essküche. Auf dem Tisch liegt ein Rucksack, ein Trinkbecher steht offen rum und wir hören jemanden über uns wuseln. Wir rufen wieder, diesmal etwas gezielter ins Treppenhaus. Keine Reaktion. Jana schreibt unterdessen dem Vermieter eine Nachricht. Weiter oben klingt es als hätte sich jemand eingeschlossen und bekäme die Tür nicht mehr auf. 🤨 Dann tut sich was, ein Mann und eine Frau kommen scheinbar verärgert die Treppen runter. Auf unsere Fragen, wer sie sind, ob alles soweit okay sei, ob es Probleme gäbe usw. antworten sie nicht. Entweder sie wollen oder können kein Wort Englisch sprechen. Aber sie verlassen die Wohnung und wir sind alleine. Wir gehen einfach davon aus, dass die Reinigung länger gedauert hat als geplant, immerhin ist es schon 15 Uhr 😉 Wir schauen uns in unserer drei Etagen Wohnung um und inspizieren die Schlafplätze. Auf jeder Etage gibt es ein kleines Badezimmer mit Dusche und WC, sehr schön. Christian merkt die Anstrengung wegen der Erkältung stärker als er es sich erhofft hat, trotzdem gehen wir noch ein paar Meter um Einkäufe zu erledigen. Zur Feier der Ankunft sollte ja zumindest etwas Bier kalt stehen. Anschließend geht es heute früh ins Bett, da uns der Wecker bereits um 04:30 Uhr aus dem Schlaf reißen wird. Wir schlafen nicht sofort ein, zum einen ist es noch viel zu früh und zum anderen lässt uns jedes Geräusch aufhorchen. Die Umgebung ist super ungewohnt, in der Nachbarschaft werden hin und wieder ganz ähnliche Gittertore wie unseres geöffnet und wir haben jedes mal das Gefühl jemand wäre an unserer Tür.



Wir sind kaum eingeschlafen, da stehen wir auch schon wieder auf 🫣 Völlig verschlafen packen wir uns das Willkommen-Schild, das Begrüßungsbier und bestellen ein Taxi zum Flughafen. Unser Timing ist super. Wir erreichen um kurz vor sechs das Ankunftsterminal. Etwa zur gleichen Zeit landet das Flugzug mit unserem Besuch. Wir sind zwar müde, aber freuen uns jetzt mal so richtig auf das Wiedersehen. Kurze Zeit später können wir erst Emma und dann auch die anderen beiden durch die Glastüren der Empfangshalle sehen. Freudig winken wir. Jetzt trennt uns nur noch die Gepäckausgabe. Tja. Und auf das Gepäck warten wir eine geschlagene Stunde. Dann endlich drücken wir uns zur Begrüßung. Ein gutes Gefühl. Auf dem Weg zur Unterkunft prasseln die Eindrücke auf unsere Neuankömmlinge ein. Besonders der Straßenverkehr lässt sie schmunzeln. Schön, das noch einmal mitzufühlen 🙃 Wir besprechen außerdem die Strategie, auch im Flugzeug wurde nicht viel geschlafen, dazu die Zeitverschiebung. Wir sind uns einig, die einzig richtige Lösung lautet; durchziehen. Also erfrischen sich alle erst mal in der Unterkunft bevor wir die Stadt unsicher machen.
Zu unserer Überraschung gibt es Mitbringsel aus der Heimat. Die Kollegen aus der Firma haben eine Grußkarte mitgegeben auf dem alle unterschrieben haben, da Christian anscheinend immer das selbe Hemd trägt hat ein aufmerksamer Follower ein neues Hemd mitgegeben, welches erstaunlich gut sitzt und unser lieber Erik hat uns unsere Lieblingssüßigkeiten und Sammelkarten zukommen lassen. Wir sind gerührt und freuen uns mächtig, Danke. 🥰

Auf dem Weg zu unserem ersten Tagesziel halten wir nach einem geeigneten Frühstück Ausschau und das ist gar nicht so einfach ist. Es gibt zwar unzählige Cafés, die haben aber selten Essen. Die kleinen Stände am Straßenrand tun sich schwer damit vegetarisches Essen anzubieten und so landen wir nach den ersten Kilometern in einem Laden der Banh Mi verkauft. Die kleinen, gefüllten Baguettes gibt es hier an jeder Ecke. Nach der Stärkung geht es in den Ngoc Son Temple. Die konfuzianische Tempelanlage befindet sich auf einer kleinen Insel und ist vom Hoan Kiem See umgeben. Es wird unter anderem die Geschichte über die Schwertschildkröten erzählt die einem König zum Sieg über seine Feinde geholfen haben sollen. Zwei Exemplare dieser mächtigen Geschöpfe sind hier, präpariert, ausgestellt.



Wir haben in kurzer Zeit alles gesehen und machen uns auf den See zu umrunden. Dabei schlendern wir gemütlich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und lassen uns hier und da eine Kleinigkeit schmecken. Man merkt uns an, dass wir an unseren Kräften zehren, also gibt es recht früh ein leckeres Abendessen bevor wir uns zurück in die Unterkunft machen. Eigentlich ziemlich fertig entscheiden wir uns noch am Esstisch zusammen zu sitzen, etwas zu trinken und ein Spiel zu spielen. Wir halten noch bis halb 10 durch, dann fallen alle völlig müde ins Bett. Wir schlafen ruhig und tief 😁
Sonntag, den starten wir natürlich mit einem ausgiebigen Frühstück. Jana treibt Croissants, Zimtschnecken und frische Fruchtsäfte auf, in der Küche duftet es nach frisch gebrühten Kaffee. Besser kann der Tag nicht starten. Außerdem gibt es eine Menge zu erzählen und zu berichten. So kommen wir erst um halb 12 aus dem Haus. Unser Weg führt uns in das Vietnamese Women’s Museum. Wir erleben eine tolle Ausstellung zur Rolle der Frau in der vietnamesischen Kultur. Von den Aufgaben im traditionellen Dorfleben bis zur Funktion in den unzähligen Kriegen die in Vietnam ausgetragen wurden. Ein Besuch lohnt sich wirklich, aber bringt genug Zeit mit 😉 Anschließend gibt es ein Banh Mi am Straßenrand und eine kleine Erfrischung.



Ab zur Trainstreet! Wollen wir mal sehen wann der nächste Zug kommt. Wir haben Glück! Kaum haben wir sie Bahngleise betreten als die Trillerpfeifen der Wärter ertönen. Es wird hektisch. Soweit wir gucken können werden die Touristen vom Gleis in die Cafés links und rechts gepfercht. Muss man mal dabei gewesen sein. Wir werden vom Personal begrüßt und schnell im Obergeschoss geparkt. Dann rauscht auch schon der Personenzug an uns vorbei. Von unserem Balkon haben wir beste Sicht und man kann den Zug quasi berühren. Eine skurrile Erfahrung. Nachdem wir unsere Drinks getrunken haben lassen wir uns noch ganz entspannt über das Bahngleis treiben. Der nächste Zug? Kommt erst in einer Stunde. Von der Trainstreet geht es Richtung Osten weiter ins Old Quarter.



Ja, eben erst gelandet aber es gibt die ein oder anderen Souvenirs die nicht bis zur Abreise warten können, weil praktisch. Daniel organisiert sich ein paar Birkenstocks und es gibt für jeden eine Bauchtasche. Nach so viel Action ist es „endlich“ Zeit fürs Abendessen. Jana und Christian empfehlen die vegetarischen Ramen von Vegi-Ro. So sei es. Der Laden befindet sich in direkter Nachbarschaft zu unserer Unterkunft. Wir speisen und trinken vorzüglich. Zeit für die Abendplanung. Es soll auf die Beerstreet gehen, eine Party-Meile in der Altstadt von Hanoi. Jana muss sich bedauerlicher Weise ausklinken. Den Tag über hatte sie schon mit Kopfschmerzen zu kämpfen und die sind bis jetzt nicht besser geworden. Gesundheit geht vor. So ziehen die übrigen vier erst über den Nachtmarkt und dann in die Beerstreet.
Fast schon aggressiv werden hier die verfügbaren Sitzplätze an den Mann gebracht. Wir lassen uns auf das Spiel ein und genießen das Treiben. Runde um Runde werden die köstlichen Biere Vietnams probiert. Was dann passiert? Tja, wie sagt man so schön; What happens in Hanoi stays in Hanoi 😏



Ein schöner Abend der erst spät in der Nacht ein Ende findet. Morgen geht es mit dem Schlafbus von Hanoi nach Hoi An, also wenn alles klappt. Aber das erfahrt ihr wie immer im nächsten Bericht.
Stroll on,
Christian & Jana



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