Reisewoche #43

veröffentlicht von

am

28.10. – 03.11.2024

„Reisen – es lässt dich sprachlos, dann verwandelt es dich in einen Geschichtenerzähler.“

Ibn Battuta

Der Tag danach. Schon gestern Abend war unsere Stimmung eher schläfrig und erschöpft. Das Aufstehen fällt uns schwer und die Wohnung zu verlassen auch. Nicht weil sie so toll ist, wirklich nicht. Wir haben uns zu fünft drei Tage lang eine Nasszelle geteilt, die im Schlafzimmer stand. Was uns schwer fällt, ist die Erinnerung, die wir mit dieser Wohnung verbinden. Die Zeit mit unseren Freunden. Mit der Tür der Wohnung schließen wir auch ein Kapitel unserer Reise. 😕

Mit dem Öffnen der neuen Unterkunft schlagen wir auch ein Neues auf. Aber wollen wir das? Irgendwie ist der Wurm drin. Wir maulen uns an oder versinken in eigenen Welten, aus denen wir schwer rausfinden. Das Wegbringen unserer Freunde und Verabschieden dieser am Flughafen hat etwas in uns geweckt: Heimweh und die Sehnsucht danach regelmäßig unsere Freunde zu treffen. Versteht uns nicht falsch, wir reisen gern und sind auch gern zusammen, lieben uns, doch die Abwechslung und der Austausch mit anderen als nur uns selbst, hat so verdammt gut getan. Naja und je höher man fliegt, desto tiefer kann man fallen. Aktuell fallen wir, da die zwei Wochen mit Emma, Daniel und KC einfach richtig cool waren. 🥳

Drei Tage hält dieses Gefühl an und wir reden viel über unsere Wünsche und Ängste und die Zukunft. Das tut gut und am vierten Tag fühlen wir uns auch insgesamt schon wieder besser. Und vor allem freuen wir uns darauf den Norden Vietnams zu entdecken. Immer noch in Hanoi abzuhängen ist echt keine Hilfe. Wir haben bei Julia gebucht. Julia heißt eigentlich Yuan, doch viele Vietnamesen haben zu ihrem Geburtsnamen einen englischen, damit wir (Touristen) sie besser ansprechen können. Julia hat für uns schon die Tour nach Ninh Binh und den Kochkurs organisiert. Sie kümmert sich auch darum, dass wir nach Ha Giang gelangen. Morgen um 11 Uhr geht unser Bus in den Norden.

Bevor wir Sachen packen gibt es noch vegetarisches Essen beim Inder und wir laden unsere Prepaid-Card auf. Das erste Mal in Vietnam und wieder so easy, wie auch schon in Thailand etc. Wir gehen in einen Circle K, erklären der Verkäuferin was wir wollen, sie tippt in zwei Minuten irgendetwas ein und schwupp sind wir wieder online. Nur noch Sachen packen und schlafen.

Gegen 10:30 Uhr holt uns ein Fahrer ab. Genug Zeit für ein Banh Mi an der Ecke. Yummi. Zur vereinbarten Zeit ist noch kein Fahrer hier. Gegen 10:45 Uhr auch noch nicht. Hmmm… Wir schreiben Julia. Sie kümmert sich. Schickt uns sogar den vietnamesichen Text mit dem Fahrer. Zweimal verschiebt er die Ankunft um 10 Minuten. Um 11 Uhr soll unser Bus am Central abfahren. 11Uhr kein Fahrer. 😳Julia versichert uns, dass der Bus warten wird. Für uns komisch, warum sollte er auf zwei Passagiere warten. 11:02 Uhr fährt der Minivan vor und ist voll besetzt. Darum wartet der Bus. Es ist quasi noch niemand dort. Das bestätigt sich fünf Minuten später. Wir werden ausgeladen und stehen mit 16 weiteren Reisenden an einem Office und bekommen Tickets. Weitere zwanzig Minuten fährt der Bus vor und sechs Stunden später beziehen wir unser Zimmer in Ha Giang. Stock duster, doch wir erahnen, wie bergig es hier ist. Nach einem leckeren Essen in dem einzigen echten vegetarischen Restaurant hier, besprechen wir mit Lisa (aka Chá), welche Möglichkeiten wir für den Loop haben. Es wird klar, dass Jana nicht allein fahren darf, da sie keinen Motorradführerschein hat. Bei Kontrolle kostet es etwa 80EUR. Da wir gern zusammenfahren, bleibt es bei einem Gefährt. Wir müssen nur noch klären welches.

Am nächsten Morgen gibt es nach dem Frühstück eine Probefahrt mit einer Honda Future Halbautomatik, die Lisa uns organisiert hat. Wir erläutern kurz das Für und Wieder mit einem Easyrider zu fahren. Easyrider sind hier in Vietnam Motorradfahrer bei denen man als Sozio hinten drauf sitzt. In geführter Gruppentour geht es dann von Viewpoint zu Viewpoint. Auch wenn der Preis für vier Tage bei ca. 200 EUR inkl. Essen, Eintritt, Fahrer, Unterkunft und Benzin ganz ok ist, bleiben wir beim selber fahren. Wir wollen anhalten können wo wir möchten und so lange wir brauchen. Die Honda leihen wir für einen Tag, um sie vor dem Loop zu testen.

Ha Giang ist eine kleine Stadt ohne Sehenswürdigkeiten. Selbst Lisa fällt nicht so recht was ein. Zwei Ziele kann sie uns dann doch geben und noch etwas. Wir hatten drei Nächte hier gebucht, definitiv eine Nacht zu lang für diesen Ort. Wir dürfen die dritte Nacht verschieben und zwischendurch den Loop machen, dass heißt morgen gehts ins Hochland. Jippi. Doch heute erstmal die Honda ausfahren. Da bietet es sich an in die Berge zu fahren.

Unser erstes Ziel ist ein kleines ethnisches Dorf zehn Kilometer entfernt. Wir fahren durch Reisterrassen und an Holzhütten vorbei, die wir bisher nur aus dem Museum kennen. Eine beeindruckende Landschaft. Das macht Lust auf mehr und endlich fühlen wir, wie wir so langsam wieder aus unserem Loch herauskriechen. An der schmalen Bergstraße stehen immer wieder Wasserbüffel. Als Jana einen aus der Nähe fotografiert, bewegt er sich ruckartig auf sie zu. So schnell saß sie noch nie auf dem Roller. Uns wurde bereits vorher gesagt, dass der Norden nicht mehr so schön ist, weil die Reisfelder alle abgeerntet sind. Wir finden, dass es immer noch atemberaubend aussieht. Seht selbst.

Zum Abend nähern wir uns dem zweiten Tipp von Lisa. Ein Café auf einem Berg inklusive Viewpoint. Einen leckeren Coconut-Coffee später stehen wir auf einer Burgruine und genießen die Aussicht auf Ha Giang. Als uns der Hunger kickt fahren wir wieder zum vegetarischen Restaurant und zur Feier des Tages haben sie heute vegetarisches Buffet für umgerechnet 4,37EUR pro Person. 🤤 So kann ein schöner Tag auch zelebriert werden. So lecker. Abends planen wir noch die Etappen und buchen unsere Unterkünfte auf der Route.

Heute klingelt der Wecker schon um 7:30Uhr. Wir wollen früh los. Die erste Etappe ist mit ca. 140km die längste. Unsere Backpacks können wir im Hotel stehen lassen, die Sachen für die vier Tage passen locker in einen kleinen Rucksack. Ein kleines Frühstück und Pikachu und Balu starten den Loop.

Schon der erste Pass beeindruckt mit seinen entspannten Kurven und Serpentinen zwischen Reisfeldern und bewachsenen Karststeinfelsen. Christian hat sich mit der Halbautomatik mittlerweile angefreundet und nimmt jede Kurve souverän. Beide kommen wir nicht aus dem Staunen raus. Jede Kurve bietet ein neuen unbezahlbaren Anblick. Nach dem Pass geraten wir direkt in eine Polizeikontrolle. Wir freuen uns wie Kinder, als wir die Papiere vorzeigen dürfen, da wir die richtigen dabei haben. 👮‍♂️ Der Polizist freut sich mindestens genauso. Wir müssen nichts bezahlen und können ohne Strafe weiterziehen. Die Straße ist zum großen Teil sehr gut asphaltiert, nur ab und an kommen kleine Felsabgänge oder staubige Baustellen. Wir überholen die ein oder andere Easyrider-Tour oder fahren sogar ein bisschen mit ihnen. Das macht Spaß und die Zeit vergeht im Scooterflow. Wir nehmen den ein oder anderen Viewpoint oder Blumenwiese mit, genießen Tofu in Tomatensoßen vor einer Kulisse aus Feldern und Bergen und kurz vor unserem Ziel Dong Van gleiten wir über die schönsten Serpentinen der ersten Etappe.

Das gebuchte Homestay in Dong Van ist mit 34 EUR das teuerste auf der ganzen Route. Das Cliffside hat Bungalows mit Sicht über Dong Van. Wir bekommen ein Familienzimmer im Hauptgebäude direkt über Küche und Aufenthaltsraum. Die Wände sind aus Bambusgeflecht und leichten Holz. Die Kissen und Holzpfähle mit bunten Mustern bestickt. Typisch für die Bergregion hier im Norden. Da die Sonne erst in einer Stunde untergeht wollen wir noch auf einen Berg steigen. Dort gibt es eine französische Festungsruine und Aussicht über ganz Dong Van. 🏔️ Der Aufstieg ist steil, doch wir haben den halben Tag gesessen und genießen es. Belohnt werden wir auf jeden Fall. Abends genießen wir vegetarische Nudeln und Frühlingsrollen inklusive Käfereinlage. Zum Glück gefunden, bevor wir ihn versehentlich gesnackt haben. Hoffentlich war er der einzige im Essen und wo sind eigentlich seine Flügel? Die Nacht im Homestay wird anstrengend. Es ist die ganze Nacht laut. Da die Wände aus dünnem Bambus bestehen, klingt es, als würde das Baby von nebenan in unserem Bett liegen und schreien. Inklusive der Mutter und dem Vater, die sich im Wechsel anmaulen. Dann gibt es einige Hundekämpfe und gegen 4 Uhr kommt noch eine Katze dazu, die im Nebenzimmer eingesperrt wurde und durchgehend schimpft. Ab 5Uhr fängt die Küche unter uns an zu Arbeiten und gegen 6Uhr ist die ganze Familie des Babys wach und räumt anscheinend um. 😑 Wenn dies die teuerste Unterkunft war, dann fürchten wir die nächsten beiden für je 16 EUR.

Um 07:30 Uhr stehen wir auch auf. Etappe 2 wartet. Das kleine Frühstücksbuffet weckt uns auf. Wir lernen die Familie des Homestays inklusive Welpe, Katzen und vier Kinder kennen. Die Katze, die gemauzt hat, war eingesperrt, da in letzter Zeit nachts immer Katzen vergiftet werden und die Familie sie schützen wollte. Als Entschädigung haben wir zwei große Flaschen Wasser bekommen. Die Gastgeberin erzählt uns vom traditionellen Markt in der Nähe. Christian bringt den Kids der Familie noch bei, wie man Papierflieger bastelt, dann laufen wir zum Markt. Auf dem Markt verkaufen überwiegend Bauern ihr Vieh, sowie Gemüse und Obst. Daneben gibt es noch Kleidung und Pflegemittel. Interessant der Trubel.

Jetzt aber ab zum nördlichsten Punkt Vietnams mit Blick auf China. Die Aussicht und Serpentinen, wieder spektakulär. 40 Minuten später suchen wir mit Google Maps den Schleichweg zum nördliches Punkt. Es gibt zwar Lung Cu, den bekannten Flaggenturm, doch das ist nicht der nördlichste Punkt, nur der populärste. Wir kommen schnell an die Grenzen unseres Rollers. Der Weg ist uneben und steil. Die Krater im Boden sind so tief, dass wir uns gegen den Weg entscheiden. Etwas geknickt laufen wir erstmal die Stufen zum Flagpoint. Von oben haben wir besten Blick auf einen noch nicht fertigen Tempel, der aussieht wie der „Platz des großen Turniers“ aus Dragon Ball. ⛩️ Leider noch geschlossen. Der Flagpoint ist auch wenig befriedigend. Die Aussicht ist toll, doch es ist voll und wir haben zwar Blick auf China, aber wo China beginnt oder die Grenze ist, können wir nicht sehen. Einigen anderen Touristen geht es ähnlich und wir hören Fragen wie „Wo ist jetzt China?“ Doch aufgeben ist nicht. Christian findet noch einen vagen Weg in Richtung nördlichster Punkt.

No risk, no fun. Wir fahren den verstohlenen Weg entlang. Die Straße ist eng und mit Schlaglöchern versehen. Als wir auf eine Gruppe Easyrider treffen wissen wir, das ist der richtige Weg und tadaaa wir sehen die Grenze und den Fluß der beide Länder trennt. Fühlt sich gut an. Mal schauen ob wir es im Januar 2025 auch zum südlichsten Punkt schaffen. Unser Weg führt uns noch einmal durch den schönen Ort Dong Van und wir genießen eine Pizza und leckeren Cocos-Coffee, bevor wir weiterziehen nach Meo Vac. Wir genießen die Aussicht von den gut ausgebauten Serpentinen, besuchen noch ein Denkmal, an dem wir erfahren, dass 14 Menschen bei dem Bau der Straßen gestorben sind. Dann sind wir auch schon in Meo Vac. Der Familienvater des Homestays begrüßt uns mit einem Laserschwertimitat im Kampf gegen seinen fünf jährigen Sohn. ⚔️ Das Homestay ist solide und die Zimmer gemütlich. Meo Vac in diesem Teil der Stadt wie ausgestorben. Wir laufen die Straße einmal runter, mehr gibts nicht. Wir freuen uns auf die morgige Etappe 3, wir wollen noch ein Stück zurück fahren und uns den Fluss im Tal anschauen. Der soll wie ein Fjord aussehen.

Gute Nacht. Wir holen Schlaf nach.

Stroll on

Christian & Jana

Eine Antwort zu „Reisewoche #43”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    …wieder mal ein schöner (und auch emotional sehr ehrlicher) Bericht von Euch… 🫂

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