06.01. – 12.01.2025
„Freunde sind diejenigen, die in deine Welt eintreten und sie schöner machen.“
unbekannt
Wir verlassen heute Phnom Penh. Vermutlich hätte man hier noch einiges erleben können, doch allein durch unseren Besuch im Genozid-Museum, haben wir eine Menge über das gebeutelte Kambodscha gelernt. Unser Fazit: Definitiv ein wunderschönes Land mit herzlichen Menschen. Bereits jetzt überlegen wir, ob wir über Kambodscha zurückreisen, um noch mehr von der kambodschanischen Kultur erfahren zu können. Hier werden wir noch mit „Herzlich Willkommen“ und „Wir freuen uns, über jeden Touristen“ begrüßt. Hoffen wir, dass es noch ein bisschen so bleibt. Immer wieder im Zwiespalt ob Tourismus einem Land gut tut oder nicht. Wirtschaltliche Vorteile sind die Schaffung von Arbeitsplätzen (Hotel, Gastro etc.) dies kann die Infrastruktur fördern. Der kulturelle Austausch zwischen Moderne und Tradition aber auch die Sprache hilft zu verstehen. Doch wir sehen auch Nachteile. Zerstörung von Lebensraum durch Massentourismus, Belastung durch Müll, Emissionen etc. oder der typischen „Disneyfizierung“ (Veränderung von kulturellen und historischen Elementen, so dass diese zum Bedürfnis der Besucher passt).
Nun gut. Wir verlassen das interessante Kambodscha und fahren landestypisch mit dem Reisebus nach Ho Chi Minh. Viele sagen eher Saigon, was ein Überbleibsel aus der Zeit vor dem Vietnamkrieg ist, wo Saigon eine zentrale Rolle gespielt hat. Bis 1975 war Saigon die Hauptstadt Südvietnams. Bei der Wiedervereinigung erhielt sie zusätzlich den Namen Ho Chi Minh. Heute wird nur noch ein District als Saigon bezeichnet. Wir werden in Distrikt 1 in Ho Chi Minh-City wohnen. Aber erst müssen wir es über die Grenze schaffen.
Theoretisch sind wir geübte „Grenzgänger“, doch (Spoileralarm) dieser Übergang fordert unseren geordneten Geist heraus. Zunächst klappt alles wie gewohnt. Wir kommen irgendwo hin, werden mehr oder weniger ignoriert, bis plötzlich jemand „Los“ sagt. Von hier an geht es ganz schnell. Koffer verstauen, Platz nehmen. Der Bus ist verramscht und alt. Die Sitze dafür schön breit. Da der Bus fast komplett leer ist, werden am Straßenrand weitere Passagiere eingeladen. Neu für uns: Unsere Passports werden abgenommen. Zum Glück haben wir vorher bereits davon gelesen. Trust the Process.
Die Fahrt dauert unspektakuläre zwei Stunden. Unsere Backpacks können wir im Bus lassen, um den Ausreisestempel für Kambodscha zu erhalten. Anstellen, Stempeln, fertig. Obwohl wir bisher an keiner Grenze ein Weiterreiseticket vorzeigen mussten, kaufen wir wieder eines über onward.com. Murphys-Law! Wenn wir keins hätten, würde garantiert eines verlangt. Wir steigen in den Bus und fahren zwei Minuten zur vietnamesischen Grenze. Wieder sammelt der Reisebegleiter alle Passports ein. Dann ist er weg. Diesmal müssen wir mit den Backpacks über die Grenze. In der Halle angekommen, sehen wir einige Schlangen. Ok, was heißt Schlangen? Eher mehrere Knäul von Menschen. Alle drängen sich um zwei Schalter herum. In den Schaltern sehen wir Stapel über Stapel von Reisepässen verschiedener Länder und zwei überforderte Beamte. Laute Rufe, Gedränge und Arme, die versuchen sich über die Massen hinweg bemerkbar zu machen. Von unserem Busbegleiter oder unseren Pässen, keine Spur. Wir sind nicht die Einzigen, immer mehr Busse, immer mehr Menschen. Einheimische und Touristen. Dann taucht er auf, steht ganz vorn bei einem der Beamten. Wir stehen und warten. Ein älteres Pärchen aus unserem Bus rennt nervös von links nach rechts. Vermutlich versuchen sie ihre Chancen zu erhöhen, doch vergeblich.



So ein Chaos hatten wir bisher an keiner Grenze. Nach vierzig Minuten rufen wir unserem Passport-Mopser zu und fragen. Er antwortet: Stunde. Immer wieder werden undeutlich Namen in den Raum gerufen und die normalerweise strickt eingehaltenen Grenzen, existieren nicht. Menschen über all. Dann hören wir unsere Namen. Drängen uns zwischen den Menschen durch, klettern samt unserer Rücksäcke unter einer Absperrung durch. Fertig. Pflichtbewusst schieben wir unsere Backpacks durch den X-Ray, was wirklich niemanden interessiert. Drei Beamte, die den Kopf nicht von ihren Handys lösen. Erst als wir den Bumba verlassen, interessiert es wohl doch jemanden, ob wir einen Stempel haben. Ein Beamter ruft „Stop“ und möchte die Stempel sehen. Wir betreten Südvietnam.
Ho Chi Minh wir kommen. Der Bus hält entspannt fünf Minuten entfernt von unserer Unterkunft. Kurz eskaliert die Situation aufgrund von Hunger und Überanstrengung. Wer jetzt denkt: Hä, ihr seid ja nur Bus gefahren, darf gern mal zehn bis dreißig Stunden bewegungseingeschränkt sitzen.
Unser Zimmer ist für die paar Tage super, außer das der Türknauf im Badezimmer fehlt, dieser wird aber umgehend eingebaut. Wir laufen die Straße runter, zu einem veganem Restaurant, welches direkt an der bekannten Walkingstreet liegt. Abendessen und dann ist der Tag rund.


Da wir gestern wenig Bewegung hatten, wollen wir heute ein bisschen laufen. Wir haben eine Kirche rausgesucht, die angeblich komplett rosa ist. Ungelogen, sie sieht aus wie das Prinzessinnen-Schloss einer vierjährigen oder einer verspielten Disney-Queen. Auf dem Rückweg schauen wir uns das alte Posthaus und die Kathedrale Notre Dame Saigon an. Diese befindet sich leider im Umbau, daher nur ein Baustellenbild. Zurück schlendern wir über die Book Street und gönnen uns in unserem Homestay noch ein Milcheis, Christians ist mit Rum.




Auch den nächsten Tag widmen wir einer Stadtwanderung. Es gibt hier auch viele Angebote für „kostenlose“ Stadtrundgänge mit Einheimischen. Über GuruWalk.com oder Tripadvisor.com können diese gebucht werden. Am Ende der 2-5 Stündigen Touren kann man ein Trinkgeld für den Guide da lassen. Wir haben uns die Punkte aus den Touren rausgesucht und recherchieren dazu, wenn wir davor sitzen. Definitiv nicht das Gleiche, wie mit einem waschechten Einheimischen, doch für unseren Geldbeutel schonender. Heute schauen wir uns das Rathaus, die Oper, eine Ho Chi Minh-Statue und einen Park an. Auf dem Rückweg entdecken wir mehrere Stiegen Paderborner Pilger Bier. Als wir so interessiert davor stehen, kommen drei Männer raus. Wir erfahren, dass wir vor der Estländischen Botschaft stehen und sie immer zu Neujahr dieses Bier von einem deutschen Vietnamesen geschenkt bekommen. Sie zeigen uns, dass es gleich drei Paderborner Restaurants in Ho Chi Minh gibt. Verrückt!





Heute ist der 9.01. und unsere Freunde aus Bremen sind auf dem Weg nach Frankfurt. Morgen fliegen sie nach Hanoi und auch wir müssen uns so langsam in diese Richtung aufmachen. Wir haben die Wahl zwischen 37h Bimmelbahn fahren für 90EUR pro Person oder 2h fliegen für 60EUR pro Person. Ihr könnt Euch sicher sein, dass wir mehrere Tage darüber nachgedacht haben. Wir haben uns für den fauleren und günstigeren Weg mit dem Flugzeug entschieden und versuchen das später zu kompensieren. Shame on us.

Am nächsten Tag sitzen wir voller Vorfreude auf die Anderen am Flughafen in Ho Chi Minh. Hanoi ist für uns schon fast wie nach Haus kommen. Wir sind wieder in der Oldtown, direkt neben der Beerstreet. Eine ganze Etage haben wir für uns sechs gebucht. Inklusive Küche und Wohnbereich. Und was machen wir als erstes in Hanoi? Ganz genau! Wir essen in unserem Lieblingsrestaurant und werden freundlich begrüßt. Die Vorfreude auf Morgen steigt, als wir die ersten Bilder von Familie Lummer aus dem Flieger erhalten.

Es ist Samstag. Wir fühlen uns wie Kinder vor Weihnachten. Vor knapp drei Monaten, hatten wir diese Gefühl schon einmal und standen an exakt dem gleichen Ort. Diesmal gegen 12 Uhr. Und dann ist es soweit. Wir fallen uns alle in die Arme, außer der übermüdeten Kinder, was wir absolut verstehen können. Doch das schamhafte Fremdeln dauert nur zehn Minuten und wir sind auch mit den Kleinen wieder connected. Wir beziehen unsere Etage und gehen Essen. Nach dem Essen erkunden wir noch die Innenstadt. Bloß nicht einschlafen. Abends bekommen wir noch Mitbringsel aus Deutschland. Lakritze und Gummibärchen.

Heute ist Sonntag und für uns kein Arbeitstag. Wir haben Besuch und wollen uns Hanoi anschauen. Da wir nur drei Tage eingeplant haben, wollen wir auch was sehen. Wir entscheiden uns für den Literatur Tempel. Anders als beim letzten Mal ist der Campus voll mit traditionell gekleideten jungen Menschen. Alle tragen Blumen und lassen sich in verschiedenen Posen fotografieren. Wir fragen nach. Das Neujahr ist gleichzeitig auch der Abschluss eines Semesters. Apropos Neujahr. Wir erleben hier noch zwei Neujahrsfeste. Das chinesische und das vietnamesische. Für die Kleinen ist der Spielplatz das Aufregendste an diesem Ort. Für uns die neue Ausstellung, die Kunst aus Glas und Steinen präsentiert. Am Ende des Tages wollen wir schnell Essen und schlafen, da wir versuchen wollen die Routine der Kleinen aufrecht zu halten. Naaaahhh… Fehlanzeige. Wir laufen an der Trainstreet vorbei und die Kinder werden von den bunten Lichtern wie hübsche kleine Motten angezogen. Was sollen wir sagen: Wir haben wieder Glück! Diesmal sogar zweimal in zehn Minuten. Stimmt schon, es ist nur ein doofer Zug, der durch eine enge Straße fährt, doch der Flair zieht einen immer wieder mit. Damit geht ein aufregender Tag in Hanoi zu ende. Wir freuen uns auf die nächsten Wochen.








Stroll on
Christian & Jana



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