10.03. – 16.03.2025
„NEPAL = Never ending Peace and Love“
2:30 Uhr morgens. Mit halbgeschlossenen Augen sucht Jana den Lichtschalter und Christian den Wecker seines Handys. Oh man, wie werden wir das nicht vermissen. Erst als das Bewusstsein in unsere Köpfe gelangt, wird aus dem Quälen ein Freuen. Eine betagte Dame und die Hotelbesitzerin fahren uns knapp 45 Minuten bis zum Flughafen.
Da wir mit einem Zwischenstopp in Bangkok fliegen, lassen wir uns zum Domestik-Bereich fahren. Bis auf einen desorientieren Reinigungsroboter ist der Flughafen leergefegt. Wir stellen uns als erste in die Schlange und warten geduldig. Punkt 3:30 Uhr öffnet der Schalter. Die nette Mitarbeiterin schickt uns in den International-Bereich. Da unser Anschlussflug Thailand verlässt sind wir hier falsch. Zumindest vorerst. Mit Sack und Pack können wir auch am anderen Ende des Flughafens direkt an den Schalter und einchecken. Dann stehen wir wieder verloren in der Gegend rum, da auch der Security-Check noch geschlossen ist. Wir gönnen uns im flughafeneigenen 7Eleven ein letztes warmes Cheesesandwich, morgens um 4 Uhr. Der Security-Check ist wie gewohnt entspannt und wir sind am Gate für internationalen Flugverkehr. Von diesem Gate werden wir dann wieder in den nationalen Bereich gefahren, um in den Flieger zu steigen. 🤣

Der Flug nach Bangkok dauert gerade mal 1,5 h. Wir suchen uns auf dem Teppich eine stille Ecke und schließen für circa eine Stunde die Augen, dann wird es zu laut und zu unruhig um uns herum. Da hilft nur eins; Frühstück. Auch hier heißt es warten, aber alles läuft reibungslos. Folgende Ideen, um sich die Wartezeit am Flughafen zu versüßen:
- Flughafen-Yoga: Bei jeder Durchsage muss im Wechsel eine Yogapose durchgeführt werden
- Der Boden ist Lava – Flughaben-Edition: Sitzreihen klettern, Rollkoffer oder Blumenkübel, Hauptsache der Boden wird nicht berührt
- Promi-Challenge: Welche Mitreisenden sehen, welchen Promis ähnlich und warum?
- Am Handy daddeln oder ein Buch lesen
Gegen 13 Uhr befinden wir uns bereits über Kalkutta auf dem Weg nach Nepal. Dort wartet bereits unser Freund Tobi auf uns.
Das Wetter über Nepal ist blau und sonnig. Unser Flugzeug dreht einige Runden über Kathmandu und wir haben die Gelegenheit ein paar schneebedeckte Spitzen der 8000er sehen zu können. Da hüpft das Herz freudig auf und ab. Dann steigen wir endlich ab. Kathmandu liegt bereits auf 1355m und so fliegen wir bei Anflug bereits über grünbewachsende Berggipfel. Angekommen müssen wir noch Visa beantragen und die Visagebühren bezahlen. Wir wissen genau, was wir tun müssen. Das Procedere dauert trotzdem locker 1,5h, dann dürfen wir unsere Backpacks zwischen anderen Koffern auf dem Boden suchen. Auch das klappt. Schnell noch Geld wechseln und Tobi suchen. In der Eingangshalle wartet ein grinsender oranger Punkt auf uns. Wir hüpfen zu dritt wie Flummis auf und ab.


Da die App Grab in Nepal nicht funktioniert fragen wir unseren Sherpa, wie teuer eine Fahrt vom Flughafen zu unserem Hotel ist. Oh, dass haben wir noch nicht erwähnt, oder? Wir haben bereits seit Wochen Kontakt mit unserem Sherpa Shera und eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Er hat uns eine Packliste geschickt und bereits die ein oder anderen wichtigen Informationen zu unserem Trek zugesandt oder Fragen beantwortet. Shera wurde uns von Carina und Stefan empfohlen, die diese Tour bereits am Anfang ihrer Weltreise gemacht haben. Insgesamt haben wir pro Person 750 USD bezahlt für ein Allinclusive-Paket. Alle Unterkünfte, Essen, Porter, Genehmigung etc. sind somit abgedeckt. Wenn wir den Porter abbestellt hätten, hätten wir nochmal 130 USD sparen können, doch Jana ist eh schon langsam bergauf und wollte unbedingt ohne Gepäck trekken, aus Angst es sonst nicht über den Pass zu schaffen.
Für 800 Rupien (5,40 EUR) fahren wir mit dem Taxi durch Kathmandu zum Hotel. Unser erster Eindruck; Kathmandu ist eine einzige Baustelle.
Nachdem wir unser altersschwaches Zimmer bezogen haben, wollen wir auf der Dachterrasse etwas essen. Die Sonne taucht Nepals Hauptstadt in ein warmes Orange. Die Luft ist staubig und lauwarm. Shera wollte uns eigentlich vom Flughafen abholen. Da dass nicht geklappt hat, kommen er und seine Frau zur Begrüßung zu uns ins Hotel. Vorher genießen wir unser erstes Dhal Baht. 🤤 Yummi. Wir sind aufgeregt, gleich auf unseren wichtigsten Lebensabschnittsgefährten für die nächsten Wochen zu treffen. Wir wissen wie Shera aussieht, da er uns ein paar Bilder und Videos aus seinem Heimatdorf geschickt hatte. Die Begrüßung ist verhalten, aber herzlich. Zwei Stunden sprechen wir über die nächsten Tage. Wir erfahren, dass wir unbedingt noch richtige Crampons (Grödel für die Schuhe) benötigen, da unsere nicht ausreichend sind und Shera nimmt Jana ein wenig die Angst vor der Sauerstoffarmut in den Höhen. Zum Abschluss bekommen wir noch ein orangefarbenes Seidentuch umgehängt, welches mit buddhistischen Segenssprüchen bedruckt ist, sowie eine Landkarte vom Annapurna Circuit. Unserer Route. Abgefahren. Die Aufregung steigt.
Da die Tour erst am dreizehnten startet, haben wir noch zwei Tage, um Kathmandu zu erkunden und die ein oder andere Besorgung zu machen. Wir starten den ersten Tag mit einem reichhaltigem Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels. Danach verziehen wir uns ins Zimmer, um unser Equipment zu prüfen und die Wanderschuhe zu wachsen. Auf dem Trek müssen wir auf alles gefasst sein. Die Wetterumschwünge in den Berge können spontan und überraschend sein. Doch Tobi ist sich sicher, wir werden nur schönes Wetter haben. Gegen Mittag ziehen wir los. Schauen uns die Sri Ghah Baha Stuba an und wandern durch die stickigen, völlig überfüllten Straßen. Unser erster Eindruck bestätigt sich auch bei näherem Hinsehen. Es gibt keine Straße, die nicht aufgerissen ist oder erneuert wird. Bei unserer Snackpause probiert Christian ein traditionelles Bier namens Tongba. Es besteht aus fermentierter Fingerhirse und kann bis zu drei Mal heiß aufgegossen werden. Die Flüssigkeit in der Hirse erinnert an Abwaschwasser. Mit einem Strohhalm aus Aluminium, der unten zusammengepresst ist, saugt man das alkoholische Getränk ein. Wie es schmeckt? Wir haben es nie wieder bestellt. 🤣 Das Thakali ist dafür unglaublich lecker. Es besteht aus Reis, MoMo, Curry, Teigtaschen und Suppe. Abends besuchen wir noch den Garden of Dreams inklusive Ausstellung mit Pflanzenportraits.
Am nächsten Morgen setzen wir uns zusammen und studieren die Landkarte. Wir markieren alle wichtigen Stationen der Wanderroute und fühlen uns wie echte Abenteurer auf der Suche nach einem Schatz. Danach wollen wir zur anderen Seite der Stadt in einen Park, wo es Affen gibt. Tobi würde wirklich gern welche sehen. Heute ist der Tag vor dem Holy Festival und einige Schulkinder feiern bereits vor. Sie sind mit allen möglichen Farben vollgeschmiert und bewaffnet mit Wasserbomben. Bis auf Tobi kommen wir alle trocken davon. Wir laufen durch einige der ärmeren Viertel von Kathmandu und sind ziemlich beeindruckt von den holzverzierten Türen und Hauswänden. Beim Park angekommen erfahren wir, dass dieser aktuell geschlossen ist, da die Affen Menschen angreifen und beißen. Ok, dass lassen wir lieber. Am Straßenrand sehen wir aber ein paar Exemplare, die uns zum Glück in Ruhe lassen. Abends packen wir all unsere Sachen um.
- Ein Seesack für den Porter mit Wechselkleidung und alles was man auf der Hütte und in den kälteren Regionen braucht.
- Ein kleiner Rucksack inkl. Waterback und Regensachen für die Wanderung selbst
- Und unsere Backpacks, mit den Sachen, die wir in Kathmandu bei Shera zu Haus lassen.




Am nächsten Morgen geht es endlich los. So lange haben wir auf diesen Moment gewartet. Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Unser Hotel hat uns ein Frühstückspaket für die Fahrt vorbereitet. Die erste Etappe ist noch nicht anstrengend, weil wir von Kathmandu nach Thonje fahren werden. Warum nur muss ich lachen beim Schreiben. 🤣 Zu mindest wandern wir nicht.
Um sechs Uhr quetschen wir uns mit allen Backpacks, sieben Personen in das gefühlt kleinsten Auto der Welt und wir lernen Lhakpa, unseren Porter, kennen. Niemand, außer unserem Fahrer kann sich noch bewegen. Dieser heizt gekonnt durch die engen Gassen Kathmandus. Irgendwo in der Stadt steigen wir aus und warten auf einen Bus. Heute, 13.03., ist Holy Festival und gewöhnliche Busse fahren nicht. Daher hat Shera einen privaten Van organisiert. Wir verabschieden uns von Sheras Frau und unseren Backpacks, trinken noch einen kurzen Masala (Schwarzer Tee, Milch und Zimt), bis wir in den Van einsteigen dürfen. Dann verlassen wir Kathmandu (1355m) für die nächsten zwei Wochen.
Über unebene staubige Straßen fahren wir durch die Berge immer weiter Richtung Himalaya-Gebirge. Das Wetter wird schlechter. Doch Tobi ist sich immer noch sicher, dass wir perfektes Wetter zum Wandern haben werden. Als wir gegen 14 Uhr an unserem Zwischenstop in Besisahar ankommen, regnet es in Strömen. Zusammen mit einem anderen Guide und einem Pärchen gibt es erst einmal Mittag. Unsere große schwarze Tasche, in dem sich all unsere Sachen befinden, schleppt Lhakpa zu einem Jeep. Unserem Jeep. Dieser wird uns bis nach Thonje bringen. Als der Regen allmählich nachlässt wollen wir einsteigen. Insgesamt sind wir nun neun Personen. Wir drei, Shera und Lhakpa, der Fahrer, das Pärchen und ihr Guide. Und alle sollen in den Jeep. Christian und Jana wollen sofort auf die Ladefläche. Ist bestimmt lustig. Auf keinen Fall dürfen wir. So nehmen wir zu sechst in der Fahrerkabine platz und der Rest auf der Ladefläche. Dann geht sie los die wilde Fahrt.



Und wild meint abenteuerlich, gefährlich, lustig und eine körperliche Anstrengung vom Feinsten. Könnt ihr Euch an unsere Fahrt in Georgien erinnern? Von Tiflis nach Kazbegi? Genie und Wahnsinn. Diese Fahrt übertrifft sie um Längen. Die engen Bergstraßen im Himalaya schlängeln sich in halsbrecherischen Serpentinen an den steilen Berghängen entlang. Sie sind gerade breit genug für unseren Jeep. Wenn ein LKW kommt müssen beide mit äußerster Vorsicht vorbeimanövrieren, während lose Schottersteine unter den Reifen wegrutschen und wir Insassen direkt in den reißenden Fluss unter uns blicken können. Es gibt keine Fahrbahnbegrenzung, kein Sicherheitsnetz. Unser Fahrer ist geübt oder wahnsinnig. Er prescht die unbefestigten Straßen entlang und nimmt jede Kurve ohne zu bremsen. Einzig ein Hupen signalisiert, dass er es ernst meint. Dabei sucht unser Fahrzeug verzweifelt nach Grip auf dem matschigen und losen Untergrund. Wir sind wie Flummis auf der Rücksitzbank. Keine Ahnung, wie es denen auf der Ladefläche gehen muss.
Doch die Aussicht. Oh Man, das ist mit Worten kaum zu beschreiben. Nach einer Stunde machen wir Halt an einem Wasserfall. Der Regen hat endgültig aufgehört. Nach der kurzen Verschnaufpause steigen wir alle wieder ein, verkeilen uns so gut es geht und weiter gehts. Um so höher wir kommen, um so schmaler werden die Straßen. Bei einem Ausweichmanöver schließt unser Reifen direkt mit der Abbruchkante der Straße ab. Ein paar Steine rieseln den Hang hinunter. Unser Fahrer: „Da gehen noch ein paar Zentimeter.“ Einmal Luft anhalten, dann kommen die Fahrzeuge aneinander vorbei. Völlig geschafft treffen wir um 18Uhr in Thonje (2158m, Manang) ein. Die einfachen Zimmer geben uns einen Geschmack auf die nächsten 10-11 Tage. An dem Tag glaubten wir noch, dass das die unterste Raumkategorie ist. Nope. Doch ist uns egal. Warum? Wir leben noch… 🤣
Im Gemeinschaftsraum finden wir uns zusammen. Da es in keinem Zimmer wärmende Öfen gibt, hatten wir gehofft, wenigstens hier einen zu finden. Fehlanzeige. So sitzen wir dick eingemurmelt am Tisch. Shera nimmt unser Essen für abends und das Frühstück für morgens auf. Doch, das ist nicht alles. Er und Lhakpa bedienen uns. Bringen uns Getränke und Essen, sowie alles, was wir brauchen. Dann setzen sie sich an einen anderen Tisch und warten. Zuerst dachten wir, dass sie ihre Handys laden wollen. (Zur Erklärung: auf den Zimmern gibt es keine Steckdosen, nur im Gemeinschaftsraum) Doch dem ist nicht so. Nachdem wir alles aufgegessen haben, bringen sie uns einen Teller frisches Obst. Sie Essen nicht mit uns. Für uns total befremdlich und absolut entgegen unserem Gemeinschaftsinn. Erst nachdem wir auch die Nachspeise gegessen haben, ziehen die beiden sich in die Küche zurück und essen. Fühlt sich nicht richtig an. Da es morgen um 7Uhr früh bereits Frühstück gibt, ziehen wir uns in unsere Zimmer zurück. Völlig irre dieser Tag.
6:30 Uhr. Eine Uhrzeit, die für die nächsten Wochen unser Rhythmus werden wird. Das üppige Frühstück besteht aus Kartoffeln, Banane, Porige, Omelette und Toast. Genug Energie für die erste Wanderung. Unser Ziel für heute ist das 16 km entfernte Chame. Wir steigen circa 900 hm auf. Noch nie sind Christian oder Jana mit Wanderstöcken unterwegs gewesen. Für den Annapurna Circuit wurden sie uns ans Herz gelegt und bereits am ersten Tag der Route sind wir dankbar für den Tipp. Nach ein paar Kilometern tauchen die ersten schneebedeckten Kuppen vor uns auf. Wir laufen durch einige kleine bunte Dörfer. Immer nahe am Marsyangdi Fluss entlang. Bis wir an einer Stelle unsere erste, für Nepal typische, Hängebrücke sehen. Diese überquere wir aber noch nicht. Wir bleiben andauernd stehen, nicht wegen der Anstrengung, sondern dem Staunen über Natur und Tiere. Immer wieder kommen wir an Gebetsmühlen vorbei und drehen jede einzelne. Shera erklärt uns, dass sie den Kreislauf des Lebens symbolisieren und wir diesen immer wieder anstoßen. Zudem bringt es Segen und Glück. Wichtig ist, sie dürfen nur mit der rechten Hand bewegt werden, da die linke im Buddhismus als unrein gilt. In dem kleinen Ort Timang (2650m) legen wir eine Mittagspause ein. Durch Syarkyu (2705m) ziehen wir weiter aufwärts. Dann ist es soweit, wir müssen über die erste mit Gebetsfahnen behangene Hängebrücke. 🥳 Shera erklärt uns immer wieder, hinter der nächsten Ecke sind wir fast da. The Mystery Corner. Wir haben alle auch nach Stunden des Wanders immer noch Kraft, daher lassen wir uns gern überraschen.
Nach circa 7h inklusive Pausen erreichen wir das Eingangstor von Chame (2670m). Jede Stadt, jedes Dorf wird durch ein Tor gekennzeichnet. Meistens inklusive Gebetsmühlen und drei kleinen Stubas. Geschafft. Das war bisher ganz angenehmes wandern. Das Dorf zeigt noch Spuren vom vergangenen Holy Festival. Zu dem sehen wir unsere erste menschengroße Gebetsmühle. Dreimal bewegt man sich mit ihr um die eigene Achse. Unser Teehaus, dass Royal Garden ist klein und gemütlich. Wir haben die Wahl zwischen zwei getrennten Zimmern mit Außenklo oder ein dreier Zimmer mit Indoortoilette. Wir entscheiden uns für dass Dreibettzimmer á la Ferienlager. Wie immer kein Strom. Diesmal im ganzen Dorf nicht. Die Unterkunft hat einen Generator und so können wir wenigstens die Handys laden. Das Beste kommt aber noch. Im Gemeinschaftsraum gibt es einen warmen Ofen. Der Ablauf ist ähnlich wie gestern. Shera und Lhakpa kümmern sich erst um unser Wohl, spät abends essen sie. Wir fragen nach und erhalten die Erklärung, dass es eine Art Sherpa-Kodex ist. Zum Essen gibt es Dhal Baht. Es besteht immer aus Reis, Mustang Aloo, Gemüse, Linsensuppe und eingelegte Rüben. Es schmeckt nicht nur gut, es wird auch immer wieder nachgefüllt, bis man stopp sagt oder platzt. Der Abend ist gemütlich. Im Gemeinschaftsraum tummeln sich weitere Wanderer, spielen Karten und unterhalten sich über ihre Abenteuer. Bevor wir schlafen gehen, lernen wir noch Vivi kennen. Sie heißt eigentlich Shamble, ist Nepalesin und eine der jüngsten Sherpa, die wir bisher gesehen haben. Zusammen mit drei Niederländerinnen macht sie eine ähnliche Tour wie wir. Erschöpft und glücklich fallen wir ins Bett.
Wir haben super geschlafen. Die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Sollte der Tobi am Ende recht behalten? Heute auf jeden Fall. Die zweite Etappe führt uns von Chame nach Upper Pisang. Um 7 Uhr Essen fassen, um 8 Uhr Stöcker packen und los. Wir wandern durch das Marsyangdi-Tal. Der Frühling ist in Nepal angekommen. Die Bäume und Büsche blühen in allen Farben. Wir laufen durch Talekhu (2720m) und durch üppige Tannenwälder. Immer wieder begegnen uns Hirten. An einigen Wegen finden wir gestapelte Steine oder Gebetsmühlen, bei denen wir den Wanderweg kurz verlassen, um links daran vorbeizugehen. Es bringt den Ziehenden (uns) Glück. Das nehmen wir gern.
In Bhratang (2850m) legen wir eine kurze Verschnauf- und Pinkelpause ein. Auch die Mädels um Vivi treffen wir hier wieder. In der Pause klopfen wir uns die staubigen Hosen ab und genießen leckere Kekse. Dann ziehen wir weiter über einen Weg, der aussieht, als wäre er gerade erst in den Fels gezogen. Wenn ein Auto kommt, müssen wir uns in die Wand pressen, um nicht mitgenommen zu werden. Der Weg besteht aus Steinstufen, Hängebrücken und duftenden Tannen. In Dhkur Pokhari auf 3150m gibt es endlich Mittag, bei strahlendem Sonnenschein. Nach weiteren zwei Stunden und angenehmen 17 Grad erreichen wir Upper Pisang (3300m). Unsere Unterkunft liegt nochmal 50m bergauf. Wir freuen uns, hier auf bekannte Gesichter zu treffen Vivi, Nicki, Yara und Isa übernachten im gleichen Teehaus. Die Aussicht von unseren Zimmern ist grandios. Der Aufenthaltsraum ist gemütlich und der einzige Ort um sich aufzuwärmen. Nach einer kurzen Tee und Masala-Pause laufen wir zusammen zum ansässigen buddhistischen Kloster. Von hieraus blicken wir auf Annapurna II (7937m) und Annapurna IV (7555m). Nach dem Essen gesellt sich Shera zu uns und wir besprechen den morgigen Tag. Wir plaudern aus dem Nähkästchen, erklären Sachen aus Deutschland und vergleichen mit nepalesischen Gewohnheiten. Zum Beispiel, warum alle Sherpa und Porter ausschließlich heißes Wasser trinken. Heute Nacht holen wir unsere Schlafsäcke raus und schlafen das erste Mal mit Schlafsack und Decke, da die Temperaturen in der Nacht unter Null fallen sollen. Einmal werden wir geweckt, da die Hunde des Dorfes durchdrehen, um ein wildes Tier zu verjagen. Sie bellen eine Ewigkeit. Insgesamt haben wir wieder großartig geschlafen.
Nach unserem obligatorisch üppigem Frühstück ziehen wir erholt weiter. Unser Weg führt uns von Upper Pisang (3300m) nach Manang (3519). Nur ein Anstieg von 200 Höhenmeter. Wir schreiten durch das, mit unzähligen Gebetsfahnen behangene, Dorftor, um auf unseren Weg zu gelangen. Die bunten Fahnen wirken mystisch auf uns. Unser erstes Ziel ist der heilige grüne See. Und er ist grün, durch Algen, die darin wachsen. Weiter geht es nach Humde (3280hm) und Mungji (3330m), durch Bhraka (3470m) bis nach Manang. Unser Ziel erreichen wir gegen 14:30 Uhr. Einen Teil der Strecke sind wir mit der Mädelstruppe gewandert und so inszenieren wir am Eingangstor eine Wilkommenswelle und begrüßen alle an dem ultimativen Akklimatisierungsort. Damit unsere Körper sich an die Höhe gewöhnen können, bleiben wir zwei Nächte hier, bevor wir auf über 4000 Höhenmeter aufsteigen.
Aprospros Höhe. Wir alle merken bereits eine Veränderung im Körper. Jeder für sich auf verschiedene Weise. Jana spürt es auch nachts, durch Doppelatmung, doch alle merken es durch den ständigen Harndrang. Wir haben nachgelesen, dass im Körper bestimmte Hormone freigesetzt werden und der Körper diese ausscheidet. Häufiger Harndrang ist also ein Zeichen dafür, dass der Körper sich aktuell auf die Höhe einstellt. Pupsen übrigens auch. Shera erklärt uns dazu noch, das meist ab 4000 Höhenmeter noch sequenzielles Schlafen dazu kommt. Also schlafen, aufwachen, schlafen, aufwachen etc. Wir fühlen uns super und freuen uns, es bis hierher geschafft zu haben. Abends erkunden wir noch Manang und das genau zum Zeitpunkt, wo die Hirten ihre Ziegen reinholen. Hunderte Tiere strömen durch die engen Gassen, um zum Stall zu gelangen. Ein Spektakel. Im Gemeinschaftsraum spielen wir Karten und sprechen mit den Anderen. Wir wollen morgen gemeinsam auf den Viewpoint von Manang laufen.
Da es kein Wasser im Zimmer gibt, weil die Leitungen sonst einfrieren, putzen wir im Innenhof die Zähne und schleppen Wassereimer ins Zimmer zum Spülen. Nachts haben wir mittlerweile -4 Grad. Und es ist still. So still. Die Berge lassen keinen Lärm hindurch. Manang ist der letzte Ort mit Straßenanbindung und das können wir hören. Gute Nacht.
Stroll on
Christian & Jana































































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