Reisebericht #63

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17.03. – 23.03.2025

„The trek
Mountain Air
makes me flare
Gets my bones dare
to romp and climb
the heartless rocks
that leave me mauled and bare.“

-Kalopani, Nepal, See you Resort, 1:40am

Entgegen unserem Rhythmus dürfen wir heute mal eine Stunde länger schlafen. Einziger Tagesordnungspunkt: Viewpoint Manang. Auf der Wanderung nach oben begleitet uns eine grandiose Aussicht auf den Gangapurna Gletscher. Der Weg führt im Zick-Zack circa 200 hm Bergauf. Das Plateau des vorgelagerte Berges bietet eine fesselnde Aussicht ins Tal und auf den Gangapurna (7455m) und Annapurna III (7555). Sogar Lhakpa begleitet uns, diesmal ohne 25 kg auf dem Rücken. Wir verweilen eine Weile auf dem Weg und liegen in der Sonne.

Auf dem Weg nach unter beschließen wir ein bisschen „Shoppen“ zu gehen. Die Läden sind messihaft vollgestopft. Von dicken Wollmützen bis Patagonia-Fake-Pullover zu Paracetamol kann hier alles gekauft werden. Wir kaufen letzteres. (Shera hat uns empfohlen an den Tagen auf über 4000 hm abends je eine Paracetamol einzunehmen. Das beugt der Höhenkrankheit vor.) Danach setzen wir uns in ein gemütliches Café und chillen im warmen. Abends fängt es an zu schneien. Shera ist aber sicher, dass morgen wieder die Sonne scheint. Tobi auch. Schauen wir mal. Den Abend spielen wir 31 und trinken eine Kanne Ingwertee und eine Kanne heißes Wasser. Wir geben zu, es klingt merkwürdig, doch man gewöhnt sich daran und irgendwann schmeckt das pure heiße Wasser auch. Zu dem ist es das günstigste Getränk hier. Die Preise ziehen ordentlich an. Darauf sind wir vorbereitet. Wir haben mit 2000 nepalesiche Rupien (13,50 EUR) pro Tag, pro Person gerechnet und in Bar dabei. Bisher haben wir davon noch nicht viel verbraucht. Morgen wandern wir nach Yak Kharka (3800m), also ein Aufstieg von circa 300 hm und 10km Entfernung.

Von den 300 hm laufen wir 200 hm direkt zum warm werden, um überhaupt aus Manang rauszukommen. In dem Ort Tanki Manang sehen wir das erste Schild vom Thorong La Pass. Wir erreichen einen schmalen Bergpfand und treffen auf die ersten Lastenpferde, die die nächsten Orte mit Lebensmittel, Gasflaschen etc. versorgen. Über einen steilen Teil des Weges verlassen wir das Tal und sehen vor uns in der Ferne unseren Pass. Der schmale Pfad zieht sich wie eine Schlange entlang des Hangs. Um nach Yak Kharka zu kommen müssen wir durch Gunsang auf 3900 m durch. Hier genehmigen wir uns eine Pause mit phantastischer Aussicht, die wir bei leckerem Nak-Käse, der Yak-Käse heißt, frischem Obst und Keksen. Nak und Yak ist in unserer Expedition-Gruppe ein Runninggag. Denn, die männlichen Tiere heißen Yak und die weiblichen milchgebeten Nak. Woher also kommt Yak-Käse? 😆 Das frische Obst tragen Shera und Lhakpa seit Kathmandu mit. Wahnsinn.

Nach der Pause ziehen wir weiter, überqueren den Fluss via Hängebrücke und erreichen kurze Zeit später das erste Mal 4000 hm. 🥳 So hoch waren wir beide noch nie. Zu mindest nicht aus eigener Kraft. An diesem Punkt steht sogar ein kleines Teehaus aus Stein und Holz. Faszinierend, wie einfach und glücklich einige Menschen hier leben. Als wir weiterziehen fallen uns riesige Vögel am Firmament auf. Sind das Adler? Nein, es sind Aasgeier. Irgendwo auf der Hochebene muss ein Tier verendet sein. Auch wenn es sich merkwürdig anhört, wir haben uns auf die Suche nach dem Kadaver gemacht und wurden fündig. Etwa fünf Meter entfernt setzen wir uns und warten still. Es vergehen einige Minuten, dann stürzen die riesigen Federtiere hinab. Sie zanken sich um jeden Bissen, begleitet von schrillem und gurgelndem Kreischen. Wahnsinn, sowas haben wir noch nie erlebt. Eine Weile beobachten wir das Spektakel.

Mit dem Annapurna III im Rücken und der Sonne im Gesicht laufen wir die letzten vier km zu unserem Ziel. Immer wieder ziehen Karawanen von Mulis und kleinen nepalesischen Pferden an uns vorbei. Die Bäume schwinden. Von nun an dominieren Kniehohe Büsche, Geröll und Schnee die Landschaft. In den Felswänden über uns sind die Jahrhunderte von Korrosion und tektonischen Bewegungen in anmutenden Mustern zu bestaunen. Die gewaltige Kraft der Natur spüren wir im Angesicht der massiven Felsen. Der Wind singt hier im Himalaya sein eigenes mystischen Lied. Bereits gegen vierzehn Uhr erreichen wir Yak Kharka (4018m). Das trifft sich super, denn wir haben einen Mordshunger.

Unsere Zimmer sind noch nicht fertig, daher entspannen wir uns im Gemeinschaftsraum. Der Ofen ist noch nicht an, daher kuscheln wir uns in eine Decke ein. Nach einem Festmahl, schlummern wir ein wenig, bis wir unsere Zimmer beziehen können. Da der Strom in den Bergen knapp ist, stehen überall an den Häusern Heißwasseraufbereiter in Form von runden Sonnenreflektoren und in der Mitte ein Topf oder Teekessel. Im Zimmer haben wir ein Loch im Boden, welches wir Toilette nennen dürfen und einen dauerhaft laufenden Wasserhahn, den wir nicht ausstellen dürfen, da die Leitungen sonst einfrieren. Links neben unserem Bett sehen wir aus dem Fenster Yaks auf der Weide vor einem der Bergmassive. Der Abend verläuft wie jeder Abend: Essen, spielen und schnacken. Nur eines ist anders, Jana fühlt sich heute Abend nicht ganz so gut. Etwas Kopfweh, etwas Übelkeit. Shera empfiehlt ihr heute vor dem Schlafengehen die erste Paracetamol einzunehmen. Wir sind über 4000 hm und wir alle spüren es leicht, vor allem durchs häufige Wasserlassen. Da es auf dem gesamten Gelände keinen Strom gibt, außer im Gemeinschaftsraum, haben wir unsere Kopflampen mit uns. Kopflampe auf und ab in die Dunkelheit zur Toilette. Jana kommt zurück in den Gemeinschaftsraum: „Schatz! Das schaffe ich nicht, du musst bitte mitkommen.“ Nein, die Dunkelheit macht ihr zwar auch ab und an Angst, doch in dem Fall hat es andere Gründe. Christian schaut durch die Ausgangstür in die Dunkelheit und schalten den schmalen Strahl seiner Kopflampe an. Blinzelnd und heilerleuchtet schauen ihn sechs braune große Kulleraugen an. Drei Pferde stehen verteilt unangeleint im Weg herum. Wie ein Messer durch weiche Butter bahnt sich Christian dicht von Jana gefolgt den Weg durch die kleine Herde. Geschafft. Auf dem Rückweg treffen sie noch auf ein paar Yaks. So eine schöne Atmosphäre.

Am nächsten Morgen geht es Jana schon viel besser. Tobi und Christian geht es ebenfalls super. Heute steht die Wanderung von Yak Kharka (4018m) etwa 6,5km und 440 hm bis zum Thorong Base Camp (4550hm) an. Der letzte Ort vor dem Pass. Gegen 9Uhr wandern wir etwas verspätet los. In den Felswänden sehen wir mehrere eingefrorene Wasserfälle und ein paar „Blaue Schafe“, die eigentlich braun sind. Wir überquere unser erstes Minischneefeld und klettern einen steilen Abhang zum Fluss hinunter, nur um direkt danach die doppelte Höhe im Zickzack wieder hinauf zu wandern. An einem kleinen Teehaus pausieren wir und snacken ein bisschen Obst. Gegen Mittag ziehen wir weiter durch ein gefährliches Geröllfeld. Shera weißt uns an, den Hang und das Feld genau zu beobachten. Bei jeder Bewegung im Feld und sei es ein noch so winziger Stein heißt es Rufen und in Deckung gehen. Ein Schild mit den Worte: „Attention! Land Slide Area“ kennzeichnet den Anfang. Die steile Ebende wirkt surreal wie eine Mondlandschaft. Nach einer Stunde haben wir es, ohne eine gefährliche Situation, geschafft. Wir freuen uns riesig, vor allem, weil die Etappe entspannter war, als erwartet. Die ganze Gruppe fühlt sich super. Niemand hat Kopfweh oder anderen Leiden.

Die Hütte ist etwas abgelegen von allen anderen, so dass wir bis auf einer weiteren Person die einzigen Gäste hier sind. Zu uns gesellt sich Tommy aus Kiel. Er ist allein unterwegs ohne Guide, ohne Crampons, ohne Wanderstöcker. Ein Teil des Gemeinschaftsraumes ist verglast, was bei diesem sonnigen Wetter dafür sorgt, dass dieser Teil schön warm ist. Das erste Mal seit Tagen, dass wir uns auch tagsüber aufwärmen können. Wir verbringen den Abend mit dem Spiel 31 und mit unserem Vorbereitungsgespräch. Morgen ist der Tag der Tage! Morgen geht es circa 880 hm bergauf. Zum 5416m hohen Thorong La. Wir werden insgesamt 15km wandern und bei -20Grad starten. Die Aufregung steigt und vereint sich mit dem Gefühl der Vorfreude. Keiner von uns war je aus eigener Kraft so hoch gewandert. Wir fühlen uns wie Abenteurer auf einer Expedition in unbestimmtes Territorium. Gegen acht Uhr gehen wir ins Bett. Heute nehmen wir alle eine Paracetamol zum Schlafen, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Morgen klingelt der Wecker um 3:30Uhr.

Ja! 3:30Uhr aufzustehen ist einfach erbarmungslos. Doch aufgrund dessen, dass wir alle auf diesen Tag hingefiebert haben, macht es die Müdigkeit wet. Wir quälen uns um 4Uhr Porridge und Müsli rein, um genug Energie für den Aufstieg zu haben. Wir packen uns so warm wie möglich ein, schnallen die Kopflampen um, dann geht es in absoluter Dunkelheit bergauf. Direkt am Anfang der Überquerung 400 hm. Als wir unseren Pfad betreten, können wir in der Ferne bereits ein paar wenige Lichtkegel in der Schwärze der Nacht sehen. Unsere Finger umklammern mit gefrorenen Fingerkuppen die Wanderstöcke. Obwohl wir je zwei paar Handschuhe tragen kriecht die Kälte in die Knochen. Nur nicht stehen bleiben. Unsere Trinkblasen konnten wir nicht mehr in unsere Rucksäcke packen, da sie gefroren wären. Flaschen kamen für uns nicht in Fragen, daher haben wir die 3L Blasen zwischen der letzten Pulloverschicht und der Winterjacke gesteckt. So gewährleisten wir, dass das Wasser flüssig bleibt und wir nicht immer stehen bleiben müssen, um etwas zu trinken. Es klappt. Nur das Wasser am Mundstück müssen wir durchbeißen, der Rest bleibt im trinkbaren Aggregatzustand. Nur nicht stehen bleiben. Der Mond und die Sterne sind unsere Begleiter. Es herrscht konzentrierte Stille. Shera sagt immer wieder Bistari, bistari. Es bedeutet „Langsam, langsam.“ In der Höhe macht man jeden Schritt ruhig und konzentriert. Die Atmung geht schneller als gewöhnlich. Aufgrund der Kälte ist unser Gesicht komplett eingepackt, so das unsere Lungen und Bronchien warm bleiben und der Atem nicht gefriert. Nur nicht stehen bleiben. Bistari.

Nach zwei Stunden sehen wir einen hellen Streifen über den Berggipfeln. Die Sonne geht auf. Der Himmel wechselt von dunkelblau zu sanftem Flieder. Die weiße Spitze des Annapurna leuchtet golden über uns, wie ein wachender Engel. Als der Himmel babyblau ist, haben wir 400hm überwunden und das Thorong High Camp erreicht. Erleichterung pur, denn die Hälfe der zu überwindenden Höhenmeter sind geschafft. Wir verweilen nicht hier, da wir noch einige Kilometer vor uns haben. Die Sonne hat endlich die Gipfel überwunden und bringt uns ein paar wärmende Strahlen mit. Die Wege sind noch mit Schnee bedeckt, doch Crampons benötigen wir nicht. Immer wieder bleiben wir kurz stehen, genießen die Aussicht über diese beeindruckende Einöde aus einer anderen Welt und verschnaufen. Wir würden lügen, wenn wir sagen würden, dass es genau so einfach ist aufzusteigen, wie die letzten Tage. Dennoch überraschend machbarer als erwartet. Ein Mädchen aus der Truppe um Vivi hatte keine Kraft mehr für den Aufstieg und hat sich ein Pferd geliehen. Überall auf dieser Route sind sie zu finden und bringen Wanderer gegen Dollar über den Pass. Die Kosten dafür liegen bei ca. 150 USD. Wir schauen ihr nach und sich stolz, dass wir alle noch Kraft in uns tragen. Christian hat Kopfschmerzen bekommen und nimmt auf Anraten von Shera noch eine weitere Ibuprofen. Uns ist klar, wenn wir oben sind, bleiben wir nur kurz, dann müssen wir schnell wieder runter. Mindestens 1000hm.

Irgendwann gegen 10Uhr sagt Tobi, dass wir im Augenblick die 5000 Höhenmeter erreicht haben. Jana rutscht ein Freudenträne raus. Wir Grinsen wie Honigkuchenpferde. Shera sagt uns, hinter der nächsten Mystery Corner sind wir da. Kein Plan, wie oft er das gesagt hat, um uns anzuspornen, doch plötzlich sehen wir vor uns ein Gewirr an unendlich vielen Gebetsfahnen. Mittendrin ein Schild mit der Aufschrift:


Thank you for visiting Manang
Thorong La Pass
5416m
Congratulation for the success

Für einen Wimpernschlag herrscht absolute Stille. Nur das Pochen des Blutes hören wir in unseren Ohren. Gedankenleer. Bis der erste Jubel uns dumpf aus der Trance holt. Jaaaaa! Jaaaa! Wir fallen uns in die Arme. Freudentränen, salzig und warm, laufen unsere unterkühlten Wangen runter und Erleichterung macht sich im Herzen breit. Unsere Atmung geht stoßweise. Wir haben es geschafft. 

Nachdem wir uns ein wenig beruhigt haben, schießen wir ein paar Fotos. Auch die Mädels haben es geschafft. Um der Höhenkrankheit zu entfliehen begeben wir uns schnellstmöglich auf den Weg nach unten. Christian geht es etwas schlechter, so wandern wir schnellen Fußes mit wenigen Pausen ab, ab, ab. Bistari gehört der Vergangenheit an. Als wir tausend Höhenmeter hinter uns gelassen haben, machen wir Mittagspause. Auch Tobi und Jana bekommen nun Kopfweh, allerdings vermuten wir, dass es auch die Anspannung sein könnte, die allmählich nachlässt. Nach dem Essen wandern wir bis nach Muktinath. Shera hat uns bereits verraten, dass wir dort endlich wieder eine heiße Dusche haben und vor allem auch duschen dürfen. Ab 4000hm wird empfohlen nicht mehr zu duschen, da die Poren sich beim Duschen öffnen und so der Körper schneller auskühlt, der Kreislauf belastet wird und auch Wärme verloren geht. Da wir trotz der Anstrengungen seit vier Tagen nicht mehr geduscht haben, ist das unsere absolute Belohnung am heutigen Tag.

Muktinath (3800m) ist ein Pilgerort und zählt 628 Einwohner (2011, Wikipedia). Als wir dort ankommen, pilgern einige hinduistische Gläubige den Berg zum Tempel nach oben. Auch in dieser Unterkunft sind wir wieder allein. Im Dorfkern gibt es sogar ein richtiges Café und es gibt auch wieder eine Straßenanbindung. Die Zivilisation an uns wieder. Die heiße Dusche fühlt sich großartig an. Das ist noch nicht alles, wir haben ein Waschbecken und eine richtige westliche Toilette. Ist das zu fassen? Es sind die kleinen Dinge im Leben. Den Abend verbringen wir, ihr könnt es Euch vermutlich denken, mit Essen, heißem Wasser und dem Spiel 31. Die Nacht wird kalt und noch einmal kramen wir unsere Schlafsäcke raus.

Heute haben wir den 21.03.2025, es sind kuschlige -11Grad draußen und wir wandern weiter ab. Wir wanden circa 20 Kilometer von Muktinath (3800m) über Kagbeni (2850m) nach Jomsom (2770m). Shera wäre den Weg gern mit Bus gefahren, da wir die meiste Zeit an der Straße laufen müssen und es zwischendurch extrem windig werden wir. Doch wir wollen laufen. Allen geht es gut, wir sind fit und niemand hat Kopf- oder Muskelschmerzen. Einzig unser Porter Lhakpa genehmigt sich eine Fahrt mit dem Bus. Das hat er verdient.

Wir sind froh, dass wir uns für die Wanderung entschieden haben, da wir eine Weile durch die Bergdörfer wandern und nochmal einen anderen Einblick in die Kultur Nepals gewinnen können. Wieder ist es sonnig und der Himmel blau. Da hatte Tobi recht behalten. Wir waten durch matschige Wiesen, springen über Flüsse, sehen einige Felder und skurrile Skulpturen. Wir haben über den Pass auch Manang verlassen und genießen nun die Aussicht auf Mustang. Die Straßen sind wenig befahren und wir kürzen die Serpentinen mit steilen, steinigen Wegen dazwischen ab. Durch den starken Wind, sind wir wieder vermummt und fühlen uns wie Wüstenkrieger. Vier Stunden später erreichen wir unser Zwischenziel Kagbeni (2850m). Hier schauen wir uns eine der ältesten Tempel Mustangs an. Naja und nehmen unser Mittagessen zu uns. Aber nicht irgendwo. Sondern im einzig wahren YacDonalds. Nen leckeres HappyMeal. Vegetarisch versteht sich.

Vollgefuttert stampfen wir an der Straße entlang weiter Richtung Jomsom. Shera hat nicht übertrieben. Kaum haben wir Kagbeni verlassen drückt uns der Wind zurück. Jeder Schritt fühlt sich ab jetzt doppelt so schwer an. Die wenigen vorbeifahrenden Vehikels wirbeln Sand und Dreck in unsere Bufftuch geschützten Gesichter. Der Fluss neben uns wird immer breiter und zu einer ausgewachsenen Ebene. Auch hier gibt es wieder einige Hängebrücken. Diesmal müssen wir über keine rüber. Das hält uns allerdings nicht davon ab, trotzdem raufzugehen. Nach 20,7 Kilometer haben wir es geschafft. Jomsom.

Bevor wir das Dorf betreten dürfen, muss Shera unsere Permits vorzeigen und bezahlen. Die Straßen sind sehr belebt. Wir vermuten, dass gerade Schulschluss ist. Zwei Mädchen laufen uns hinterher und wollen Schokolade. Die hätten wir auch gern. Ein paar Meter weiter treffen wir auf eine Ziegenherde und drei Babyziegen. Nicht nur das! Es ist auch Fütterungszeit. Jana und Shera packen mit an und geben den kleinen Zicken die Flasche. Unser Hotel liegt direkt an dem winzigen Flughafen Jomsoms. Hier starten zweimal in der Woche morgens je zwei Flugzeuge für circa 16 Passagiere. Der Abend endet wie alle Abende in den letzten Wochen. Einziger Unterschied. Morgen werden wir nicht wandern, sondern mit dem Publicbus weiter nach Tatopani (2720m) fahren. Tatopani ist circa 40 km von Jomsom entfernt und ist für seine heißen Quellen bekannt. Irgendwie schön, morgen nur im Bus sitzen zu müssen.

Früh aufstehen müssen wir trotzdem. Gut für uns, so können wir eines der Flugzeuge starten und landen sehen. Der Bus hält direkt vor dem Hotel an und wir dürfen ganz vorne sitzen. Wie schon erwähnt, ist Nepal sehr staubig, so auch der zerbrechliche Bus. Tobi klopft einmal auf die Lehne des Sitzes und eine Staubwolke verteilt sich. Wahnsinn. Auch die Fahrt ist wie jede hier. Hüpfend festhalten und hoffen, dass der Bus jede Kurve und jedes Schlagloch überlebt. Er quietscht an allen Ecken und Ende. Die Fenster klappern. Der Bus hält andauernd an, mal weil jemand auf Toilette muss, mal weil wer einkaufen will. Irre. Und wenn er sich nicht durch meterhohe Schlaglöcher kämpfen muss, dann fährt er mit Affenzahn um die Kurven. Wenn man sich den Bus anschaut, dann sieht man, dass er so manches Ausweichmanöver nicht geschafft hat. 🫣

Nach etwa vier Stunden sind wir bereits in Tatopani. Im grünen Garten unserer Unterkunft entspannen wir uns, bevor wir ans Werk gehen. Waschtag. Nach den Tagen der Kälte sind wir im Frühling angekommen. Die Sonne scheint und es sind gefühlte 20 Grad. Was so ein paar tausend Höhenmeter ausmachen. Shera zeigt uns die Waschstelle und drückt uns eine Waschseife inklusive einer Schüssel in die Hand. Dann wird geschrubbt. Einige unserer Klamotten tragen wir seit über einer Woche. Ein gutes Gefühl, sie vom Dreck zu befreien. Die Sonne ist stark genug, dass die Wäsche locker bis abends trocken wird. Ja, oder auch nicht. Etwa eine halbe Stunde nach dem Aufhängen ziehen Wolken über die Bergkuppen und das Tal verdunkelt sich. Nur das wäre ja langweilig, daher gibts noch Platzregen. Zum Glück hat Tobi ein 50m Seil mit auf den Trek genommen. Unser Zimmer ist groß genug und so wird umdisponiert.

Zur Muskelanspannung gehen wir nachmittags noch zu den heißen Quellen. Die sind wirklich heiß. Doch die Männer genießen es. Jana verzichtet und krauelt lieber nen Hund in der Zeit. Als einige Gäste ihre Nasennebenhöhlen im heißen Wasser spülen, kommen auch Tobi und Christian aus dem kontaminierten Wasser. Als sich alle wieder anziehen, sehen wir Tommy vorbeilaufen. Wir hatten uns in Jomsom getrennt und er ist die 40 km komplett gelaufen, da sein Ziel ist, den Annapurna Circuit abzuwandern. Beeindruckend. So verbringen wir noch einen letzten Abend gemeinsam, bevor wir morgen nach Pokhara (822m) weiterfahren. Wir buchen noch ein Hotel für uns drei, wir wollen vier Tage dort bleiben. Shera und Lhakpa fahren morgen Abend direkt weiter nach Kathmandu.

Shera hat für uns heute einen kleinen Van organisiert. Wir sammeln auf dem Weg noch ein paar Einheimische ein, die auch nach Pokhara wollen. Sie alle müssen warten, denn Shera hat noch eine kleine Überraschung für Christian. Er wollte zur längsten Hängebrücke in Nepal. Wir fahren zwar nicht da hin, aber zur angeblich höchsten in Nepal. Lang ist sie dennoch und die Aussicht ist fantastisch. Unter uns fließt der Kali Gandaki. Wir überqueren die Brücke und freuen uns wie kleine Kinder. Auf dem Rückweg bleibt Jana kurz stehen, um den Blick schweifen zu lassen. Als eine Gruppe von drei älteren Frauen sich an ihr vorbeidrückt. Sie kichern und nehmen Jana an den Arm. Sie tächeln beruhigend auf Janas Arm. Vermutlich denken sie, dass sie sich nicht rüber traut und wollen ihr helfen. Was soll´s. Die Frauen sind so freundlich, dann gehts halt jetzt rüber.

In Pokhara angekommen, checken wir im Hotel ein. Ein richtiges echtes Hotelzimmer. Luxus pur und wir sind wieder allein hier. Bevor Shera nach Haus fährt, möchte er mit der ganzen Truppe noch tibetisch Essen gehen. Zurück sind wir gerollt. Es war so viel Essen. Mo:Mo, Pakchoi, Tigmo und Thenthuk, so lecker. Wir spazieren noch am See entlang und besprechen, dass wir uns in Kathmandu wieder treffen werden.

Nachdem wir Shera und Lhakpa verabschiedet haben, genehmigen wir uns einen Friseurtermin. Die Waldschrate wollen wider vorzeigbar sein. Der Friseur ist irgendwie anders. Während bei Jana zwei unbeholfene Mädchen versuchen die Spitzen zu schneiden, was nur mäßig gelingt, bekommen die Männer das volle Programm. Bart, Haare, Gesichts- und Rückenmassage. 

An diesem Abend passiert nicht mehr viel. Wir Essen noch etwas und buchen die Fahrt nach Kathmandu. Morgen wollen wir die Gegend erkunden.

Stroll on

Christian & Jana





Eine Antwort zu „Reisebericht #63”.

  1. Avatar von Chaos-Queen
    Chaos-Queen

    …unglaublich beeindruckend Eure Wanderung auf über 5.400hm… und tolle Fotos…

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